IT’S ALL PIPES, JERRY
Wer wartet, kann sich ja was einfallen lassen. Mir fiel ein, ich könnte mir mal im Ludwig-Zeitschriftenkiosk am Hauptbahnhof einen Eindruck von den neuesten Magazinausgaben einholen, schauen, wie der Wind weht, von den Covern her. Ich ging durch zur C-Section (Culture) und wenig später, nach erstem ziellosen Fummeln, hatte ich dann dieses wunderschöne Heft in der Hand, gutes Format, dick, schwer, teuer, scharfes und klares Layout, das in sich gefestigt auf jedweden Spøkes verzichten konnte, alle Fotos wunderbar gedruckt auf einem Papier, das mir sinnvoll ausgewählt schien fur diese Art von Produkt. Natürlich duftete es auch besser als die anderen. Ich war so angetan, dass ich garnicht sah, was der Inhalt eigentlich war. A Rabbit’s Foot heisst dieses Magazin, und ich hatte noch nie davon gehört. Film, Art, Culture and Confessions. Vielleicht sollte ich mal was für die schreiben?
Jetzt war ich mal auf der Webseite. Durch den Monitor stellt sich dann (doch) schnell ein visual standard ein, very corporate, „schick“, das sah im Heft alles wesentlich besser aus, nicht so platt, nicht so template. In den klickbaren Überschriften diese vulgären, selbstverständlich gewordenen Adjektive aus der Welt des infantilen Erstaunens („extraordinary“, „intriguing“, „incredible“, „powerful“ usw.). Das tausendjährige Reich des Promotiontextes. Auch der obligatorische Rick Rubin („He can’t use a Soundboard“ – „He can’t use shoes, either“) und sein gebräunter Kopf ploppen aus dem Scroll heraus. Ein Foto von Daniel Craig und George Clooney, schwarzweiss, die Haut der beiden Männer so gesund straff, dass sie wie closeted Krebskranke aussehen, die berühmte letzte Blüte vor dem Ende, aber nehme an: it’s all just visuals. Vielleicht sollte ich mal was für die schreiben?