• Mo, 6.1.2025

    21:30

    Sturm.
    No Drang.
    Schön eins nach dem andern.

  • SO, 5.1.2025

    AMATEUR SOCIETY

    Regen spült den Flaum an Schnee, der in der Nacht gefallen war, durch die Mulden der Dachziegel, wo er selber wieder Wasser wird und in dünnen Rinnsalen abfliesst. Auch ein deutsches Problemchen: der Winter ist hier ein schlaffer Gag über den Winter. OK, kannste nix dafür, Deutschi.

    Schon jetzt befinde ich mich zur Hälfte in der Wetterzone der transatlantischen Ostküste, checke mehrmals am Tag die sich immer wieder updatenden Informationen, Icons und Ziffern darunter. Windsymbole, Sonnensymbole, Schneeflockensymbole.
    „Lange Unterhose“ denke ich mehrmals am Tag. Ein New Yorker Hochhaus-Schluchten-Blizzard wäre ein Traum, eine große weiße, alles dämpfende Glocke, gerne nach der Eröffnung, wie als Belohnung, wie als Antrag. Wenn’s passiert, werd ich sagen: „ich dreh durch!“

    Ich frage mich auch, ob die FAZ-Startseite mittlerweile auch content-mässig individualisiert operiert? Spinne ich? Ich seh seit Wochen nur noch crazy GELDtexte, die mich völlig als Bewohner eines anderen Planeten ausweisen, Kann ich schon in Ruhestand mit nur 3 Millionen? Kauf doch ein Haus, aber reichen 4 Millionen? So legen Sie ihre lächerlichen Hunderttausend an! Wo ist denn die FAZ für les Amateurs?

    Wenn, aus Versehen zB, der Blick beim Scannen der Zeitung doch mal über einem Text zu gewissen deutschen Angelegenheiten des Innern™ sich verfängt, bin ich erleichtert, dass Deutschland und ich mittlerweile getrennt leben. Anderes Viertel. Auf der Straße grüsst man sich.
    Who the fuck ist Mischke? Und den gibt es schon wie lange? Super lange Texte suggerieren, der hat eine Vergangenheit. Irgendwo sitzt ein Schweizer Mann, der früher Dieter hiess, und fühlt es, vielleicht, durch ihn hindurch waschen: they miss me already. „Du kommst auch noch in Mode!“ (M. Kippenberger)

    Ist schon richtig so.

  • Sa, 4.1.2025

    SOZUSAGEN EWIG

    Diamonds out of tears. Und so hat das erste Wort in „Twentyfive“ der Häftling Knut Hamsun.
    Ich bin Untersuchungshäftling mit Unterbringung im Altersheim, aber auch wenn ich in einem Gefängnis säße, gäbe es nichts Größeres als hier, um darüber zu schreiben, höchstens vielleicht was Kleineres.

    Was ist das: eine fast kindliche Lust zum Etablieren von Routinen. Am liebsten möchte ich andere mitziehen. Beispiel: mit dem Anwalt lange Spaziergänge machen. An Weihnachtstag II, der bis dahin vielleicht schönste Wintertag des Jahres, der blaueste Himmel, der gelbstichigste Schatten, hier das von der Sonne ins Spotlight gesetzte Unterholz, dort, schaut her, an der Wegkreuzung, die „Kaisereiche“. Ich bemängelte, gutgelaunt und in bestem Sauerstoff, ihre vermeintliche Kaiserlichkeit. Wir tauschen Realberichte, Anekdoten, Gefühlslagen aus der bürgerlichen Welt aus, und ich, vielleicht wir, sind uns im Unklaren darüber, wie wir darin oder dazu verortet sind, und vielleicht ist es gut so, es dabei zu belassen, und schon geht mein Blick, geht mein Denken wieder mehr auf den Weg, der vor einem liegt, das Braun und das Grün zum Rand hin, und dahinten hin, da läuft es zu, da gehen wir lang. Wir begegnen nur wenigen Menschen, dafür, dass der Wald so groß ist. Achso, und was war mit dem Bürgerlichen: was ich da heraus höre, was ich da höre ist, wie man bluten muss dafür.

    Und führt der Weg von nun an nur noch tiefer in den finstren Wald?

    Eine Feststellung zum Journal hier: lustigerweise, fällt mir jetzt auf, habe ich mich noch nie gefragt: Was soll das!?

    Lektüren zur Zeit zurzeit: Ehe Aktuell Zweite Ausgabe (Haupt/Bessing), Oaxaca Journal (Oliver Sacks), Werkausgabe I.B.4 (F. Kittler), Cat’s Cradle (Vonnegut), Plays: One (D. Mamet), reddit.