ENTRANCE TO SUBWAY
Grade dem Hallo-Mann noch ein Wasser beim dm gekauft, vor dem er stundenlang hockt. „Dankechu“ sagt er dann. Er spricht nur Romani, das weiß ich jetzt, da ihn neulich meine Brocken Rumänisch, ich berichtete, unbeeindruckt ließen. „Naturale“. Das Wasser, darauf besteht er. Zuerst musste ich überlegen, ob das nun ohne oder gerade mit Kohlensäure bedeutet. Merkwürdig, dabei weiß ich es ja eigentlich? Eigentlich ist aber ein sehr wichtiges Wort. Es trägt ja die Relativität des Wissens und seiner allg. Anwendbarkeit sozusagen in sich, von der anderen Seite her, von der Ich-weiß-zwar-aber-es-könnte-auch-anders-sein-Seite, die, das liegt an der stetigen, chaotischen, keinem wirklichen Schema folgenden Veränderung der Welt, für die jetzige Zeit eine vielleicht sogar bessere wäre, the fittest. Variantenreich ist zweifellos auch die Ontologie. Was also, wenn in seiner, des Hallo-Manns, Romani-Welt „naturale“ eben mit Kohlensäure bedeutet? Es kann sein, I’ve seen queerer things…
Das Oaxaca-Journal konnte ich endlich abholen, die Frau von dem artbooks-Laden rief auch an, sie hätten das von mir Samstag zwar gesehene, zu meinem Unmut aber dann doch nicht gekaufte Buch wieder finden und mir zurücklegen können. Ich haben einen schönen Rothko-Katalog aus Zürich 1971 gekauft, dessen Textlayout, natürlich, also für meinen Geschmack, mal wieder 1 A schweizerische Arbeit ist. Vielleicht, so fiel mir schon die Tage, beim WOLF HALL – The Mirror and the Light schauen, wieder ein, ob sich da mein ganz privater Protestantismus mit der Zwingli-Schule sozusagen ästhetisch einfach treffen bzw. finden, forever and ever. Scheint mir sehr gut möglich.
Ein Fan von Rothko bin ich nicht unbedingt. Mittlerweile, das bringt das Malerleiden mit sich, habe ich allerlei Zugang zu seinen sog. Entscheidungen, was nicht bedeuten muss, das ich jene im Angesicht der Bilder vergessen könne, seligwärts. ABER.
ABER, und sonst wäre der Zürcher Katalog freilich nicht seriös zu nennen, aber n a t ü r l i c h ist die Nummer 1 des Rothkoschen Werkverzeichnises auch mit abgebildet, und dieses Bild, Entrance To Subway aus dem Jahre 1938, gehört zu meinen absoluten Lieblingsbildern überhaupt. Man soll eine Platte wegen eines Liedes, ein Buch wegen eines Satzes, und einen Rothko-Katalog wegen Entrance To Subway kaufen.
Ein Film, der mir sehr gut gefallen hat: Red Rooms aus Kanada. Ein Text, der mit sehr gut gefallen hat: Sean Tatols Cornering The Critics. Und noch eine Sache: ich musste in letzter Zeit oft an Fotografie denken, zurückdenken an das Fotografieren mit der Mittelformatkamera, als Student noch. Wie ich mit dem Auto rausfuhr, hohen Gräsern entgegen, ein bisschen vertraut mit der Kamera, aber nicht zu vertraut, das die Aufregung keine Aufregung mehr war, was wohl werden würde aus den Schüssen, die ich dort gemacht hatte. Die Schönheit der Farben bei den Dias. Also was ist, möchtest du wieder fotografieren, Junge??