• Do, 19.9.2024

    100% LINEN

    Das Foto von Handke heute Morgen auf der FAZ-Seite. Sehr sehr kurz, dafür nicht weniger zwanghaft, dachte ich: alt. Gosh, ist er fucking alt geworden. Natürlich ist er das.
    Mein Vater hat eine Gürtelrose—brandneu diagnostiziert—weswegen seine Augenlaserung verschoben werden muss. Sehr sehr kurz, dafür nicht weniger zwanghaft, dachte ich: im Alter muss man dann die eine Beschädigung für eine neue aufschieben. Der Körper wird der Betrieb, den man so lang und zerdehnt es eben geht auf die Insolvenz hinmanaged.

    Seit Montag wache ich jeden Morgen mit wie zu Gesteinsformationen verhärtetem Innern auf. Abwechselnd denke ich, es ist Darmkrebs oder Depression. Das ist doch die Männer-Alliteration schlechthin. Und Alliterationen gibt man sich ja leider hin, aus Schwäche. Don’t like it.
    Fragte man mich jetzt, im Moment: ich glaube, ich schaffe das alles nicht.

  • Mo, 16.9.2024

    KÜRASSIERE AUF RIESIGEN PFERDEN

    Stimmt schon, mit den Jahren kam eine Vorstellung und ein Bewusstsein von einer Ökologie: die Schwierigkeit ist nicht, eine Zeichnung zu machen, eine sog. Arbeit zu machen, oder einen Satz hinzuschreiben (jetzt wäre es schöner to make a sentence verwenden zu können, ohne die Sprache zu wechseln). Die schwere Frage ist, ob die Zeichnung besteht, ob der Satz stehen bleiben kann. Diese ökologische Frage also: braucht es das jetzt, braucht meine Welt das, braucht DIE Welt das? Dieses Misstrauen ist genau so real, wie die Tatsache, dass man es an anderen Tagen, Wochen, Monaten, vernachlässigt, um überhaupt etwas zu schaffen/erschaffen. Nun gut, das hing mir noch nach, bis hinter die Stahltür, ich komme grad von draussen rein.

    Ein feiner Schweißfilm liegt mir auf den Unterarmen und den Unterschenkeln. Kleidung im Übergang vom Sommer zum Herbst. Ich mag dieses Gefühl überhaupt nicht, wenn ich den Schweiß wie einen kühlen Hauch zwischen dem Stoff meiner Kleidung und meinem Arm spüre, fühle mich ölig, verbraucht. Noch ein Weiteres, das sich trennend zwischen mir und die Welt gemogelt hat.

  • Mi, 11.9.2024

    SOON IT’S HOCKEY SEASON

    Ab und an hat es ein Licht zu dieser Zeit des Jahres—es ist die Zeit der ersten Kälte—dass sogar das betonierte, breitstrassige, bahnunterführte und playmobil®-artige Funktionsdeutschland mit seinen Zinkblechen und Tropfkanten und Lagerhallen und Logistikzentren, dass sogar Technologiepark/Müngersdorf, mit seinem vergessenen Gras am Straßenrand, wenn schon nicht schön, so doch nach etwas aussieht, und sei es lediglich ein zweifelhafter Charakter.

    Und vielleicht sind Menschen, die sich als „Sommertyp“ bezeichnen würden, vor allem Menschen, denen sich schon früh, als Kind, das Abbild eines mit brennender Sonne in einem staubfreien Blau hängenden Himmels als der Inbegriff eines Himmels schlechthin zu eigen gemacht haben, und jede Vorstellung von einer Zukunft, jedes neugierige Herüberschauen zu dem, was ungewiss, aber hoffentlich doch eintreten möge, sich stets unter so einem Himmel abspielen wird, es ja gar nicht anders sein kann. Dazu gehöre ich nicht. Ich bin mit dem Herbst eingerichtet, und ich habe sieben Zimmer, aber ich nutze nur zwei. Ich schaue herüber.