• Montag, 04.05.2020

    AT MR BURNS’ HOUSE

    Wenn morgens die Tauben gurren, und ich noch etwas dumm bin vom Schlaf, dann denk ich: hä, Eulen?

    G’schichten vom Mieter: Mystery-Gehämmere im Haus, durch die Wand in meine Wohnung hochtransportiert. In absurd unregelmäßigen Abständen pumpt es hier durch die Wand, mal heftiger, mal schlaff und zaghaft. WER hämmert SO? Geisteskranke, mein Vorschlag. Wer nicht in Befestigungs- oder Reparaturabsicht hämmert, hämmert für performance art

  • Samstag, 02.05.2020

    WO IST DER HALS VON KIM JONG UN

    Deutschland am Tag nach der Arbeit. Hier, nachdem es sich eben kurz abgeregnet hatte aus einem unberechenbaren Himmel heraus, schneidet jetzt das Geräusch einer Säge in den Morgen rein. Rechts neben mir, auf einem Stapel Bücher, liegen mahnend zwei aus Katalogen kopierte Texte über David Hammons einer- und Michael E. Smith andererseits, und diese zwei Kopien sind originale Dokumente aus der nunmehr Geschichte gewordenen Pre-Covid-Era, also bevor….

    Pre-Heute, am gestrigen Morgen, da hatte ich einen kleinen Schreck bekommen, einen Red Scare haha, denn mein MacBook blieb schwarz und tutete lediglich in noch nie zuvor von mir gehörten Tönen, als ich es aus dem Ruhezustand zu wecken versuchte. Angst. Aber auch: Erleichterung, denn jetzt war mein Leben ja wirklich zu ENDE und nicht fortzuführen (zeigt mit Tränchen auf den toten Computer, der toter als Dickmops Kim Jong nunmehr stealthgrau da lag und ewig schwieg….) Wider meiner Natur aber, schraubte ich das Dinge auf, zupfte hie und da ein paar Flusen heraus und pustete (ich weiß ja auch nicht, was man da macht), und betete zum selben Gott, zu dem auch die Ken Kesey-Spezialistin Lidia betet, hoffe ich. Und da ging’s wieder, und jetzt schreibe ich diesen Text auf der totgeglaubten Maschine. BackUp auch erledigt, ichbinguterjunge.

    Gestern verlor mein Vater seinen zweiten guten Freund innerhalb weniger Wochen. Der eine starb an einem Schlaganfall, der andere ist gestern nach fast siebenwöchiger Covid-19-Erkrankung gestorben. Diese Realitäten, diese Begriffe. Woran ich denke: jeden Tag neu loslegen wie neu.

  • Donnerstag, 30.04.2020

    STORY DRIVEN BRANDING

    Die Sonne war in Kurzarbeit verschwunden, die letzten Tage immer wieder wie ein verdunkeltes Zimmer, in dem ich leicht müde wurde.

    Draußen an realsozialistischen Warteschlangen vorbei. 

    Als ich beim Thai am Abend essen holte, sah ich, dass auch die ganzen afrikanischen Boys, die die Drogen anbieten, richtig patente Mundschutze trugen, und ganz kurz, ganz kurz, war mir klar: ich weiß überhaupt nicht mehr, was jetzt eigentlich los ist. Nicht das allerschlechteste Gefühl. Mit sabotiertem Spirit trug ich den dampfenden Reis nach Hause.