ALLES GEBEN
Der Karmittwoch ist der vierte Tag der Karwoche und war früher ein Abgabentag.
Gebe wie folgt die Bemerkung in die l e i s e s t e Karwoche der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte ab, dass ich im Feuilleton der FAS vom 05.04. Erschütterndes gelesen habe, Frau Julia Encke berichtete. Dass es wohl einen Trend zum sog. Corona-Journaling gibt, Tagebücher und “Beobachtungen” aus Zeiten der Ansteckung, aus Krisenzeiten usw usw. Allerlei Denkpersonal aus Berlin, Carolin “Horror Vacui” Emcke und andere, von denen man vielleicht in der Zukunft Rückschlüsse über die vielleicht doch allgemeine Niedrigschwelligkeit des offenen und freien Denkens überhaupt in unserem Land wird ziehen können, hier so: “Wenn wir jetzt nicht nachweisen, was wir können, wenn wir jetzt nicht begründen, warum es uns, die wir Geschichten erzählen, fiktive oder nichtfiktive, die wir die Wirklichkeit verwandeln oder beschreiben, die wir Trost spenden oder Wissen vermitteln, die wir Wörter oder Konzepte wiegen und für zu leicht befinden, die wir Lügen entlarven, Missverständnisse analysieren, demokratische Rechte und Räume verteidigen, wenn wir jetzt nicht zeigen, warum es auch uns braucht, dann werden wir nicht überleben.” — und an dieser Stelle ist Frau Emcke die Nadel von der Bach-Kantate gerutscht und der Satz endet. Entschuldigung, wer genau ”braucht uns”, wer? Ich falle fast aus dem Bett, guter Wahnsinn dieser gravitätisch-selbstgefällige Poser-Sound, Entschuldigung, zitternd vor Kühnheit in the Walser sense oder was, haha. Die gute Laune obsiegt, es ist ja dann doch vor allem comedy gold, und die Sonne scheint drauf.
Wir hier, bei der Lufthansa, wir schreiben unser Journal in für Sie gewohnt hoher Qualität – frei nach Tschechow: Krise kann jeder Depp, Alltag ist das Problem.