• Freitag, 24.04.2020

    WAH GWAN WIT CHA BAD SELF?

    Gestern der Welttag des Deutschen Bieres (”1000 Jahre feinporige Blume”), der Welttag des Buches sowie World Copyright Day  ¯_(ツ)_/¯, ferner der Welttag des Labors. Und nachdem gestern also der Welttag des Labors in Pandemie-Zeiten fiel, folgt ihm heute der Internationale Tag der Abschaffung von Tierversuchen. So einen großen Weltgag kann man sich natürlich nicht ausdenken. Passend dazu folgt morgen der, Überraschung: Weltmalariatag. 

    Kraft meines Amtes erkläre ich den heutigen Tag außerdem zum African Roots Day

  • Sonntag, 19.04.2020

    JEDEN TAG EIN OHR AB

    Was ist heute? Der 19. April? Wir haben April? Ja? Ist ja interessant, ich habe das gar nicht gemerkt.
    Die Nachbarn eröffnen den Sonntag, wie so oft, mit ihrer Waschmaschine. Man kommt sich dann in der eigenen Wohnung vor wie in einem Flugzeug, das auf der Rollbahn mit laufenden Triebwerken auf den Start wartet. Im Treppenhaus auf ihre hohe Grundlautstärke von mir mal angesprochen, meinte der Typ was von “wohnen schon 20 Jahre hier nie einer beschwert”, so auf diese Art. Man kann sich halt auch offensichtlich dumm wohnen. Erwohnt sich quasi das “Recht” auf Nerverei. Ich wünsch mir, manchmal, ganz kurz, so eine Wohnterror-Schwadron, die sofort schießt, durch die Tür durch. Re-framing the PIGS, und wie ihre schwarzen Stiefel quietschen im tags zuvor frisch gewischten Treppenhaus. 
    Es sieht heute nach Regen aus, an diesem 19. April. Weitergelesen in William Styrons Depressions-Buch. Anrufung einer gefährlichen Welt. 

    Gestern, beim Spaziergang rheinwärts, die Luft drückte auch da schon etwas auf den Schädelknochen und die weltgestaltende Masse darin, kamen uns  tausende Jogger entgegen. Im Park machen Leute auch vereinzelt Übungen, die ich eigentlich nur aus so Berichten vom Trainingsgelände des FC Bayern kenne, mit Gummibändern zwischen den Knien usw. Gedanke dazu: die ständige Verschiebung und Neufestlegung von Schamgrenzen ist ja eine gesellschaftlich eigentlich vollkommen non-verbal verhandelte, die ausschließlich über Bilder und Nachahmung passiert. Relativ stille alles, und doch sind es Absprachen.  

  • Mittwoch, 08.04.2020

    ALLES GEBEN

    Der Karmittwoch ist der vierte Tag der Karwoche und war früher ein Abgabentag.

    Gebe wie folgt die Bemerkung in die l e i s e s t e Karwoche der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte ab, dass ich im Feuilleton der FAS vom 05.04. Erschütterndes gelesen habe, Frau Julia Encke berichtete. Dass es wohl einen Trend zum sog. Corona-Journaling gibt, Tagebücher und “Beobachtungen” aus Zeiten der Ansteckung, aus Krisenzeiten usw usw. Allerlei Denkpersonal aus Berlin, Carolin “Horror Vacui” Emcke und andere, von denen man vielleicht in der Zukunft Rückschlüsse über die vielleicht doch allgemeine Niedrigschwelligkeit des offenen und freien Denkens überhaupt in unserem Land wird ziehen können, hier so: “Wenn wir jetzt nicht nachweisen, was wir können, wenn wir jetzt nicht begründen, warum es uns, die wir Geschichten erzählen, fiktive oder nichtfiktive, die wir die Wirklichkeit verwandeln oder beschreiben, die wir Trost spenden oder Wissen vermitteln, die wir Wörter oder Konzepte wiegen und für zu leicht befinden, die wir Lügen entlarven, Missverständnisse analysieren, demokratische Rechte und Räume verteidigen, wenn wir jetzt nicht zeigen, warum es auch uns braucht, dann werden wir nicht überleben.” — und an dieser Stelle ist Frau Emcke die Nadel von der Bach-Kantate gerutscht und der Satz endet. Entschuldigung, wer genau ”braucht uns”, wer? Ich falle fast aus dem Bett, guter Wahnsinn dieser gravitätisch-selbstgefällige Poser-Sound, Entschuldigung, zitternd vor Kühnheit in the Walser sense oder was, haha. Die gute Laune obsiegt, es ist ja dann doch vor allem comedy gold, und die Sonne scheint drauf.

    Wir hier, bei der Lufthansa, wir schreiben unser Journal in für Sie gewohnt hoher Qualität – frei nach Tschechow: Krise kann jeder Depp, Alltag ist das Problem.