• Montag, 30.03.2020

    BUSINESS ANGEL

    Hier ist ihr eleganter Japaner, zärtlich und verschmust im Wesen, passt in jeden Kimonoärmel. 

    Überlegungen zu einem Patreon Account. Ob Leute monatlich Geld zahlen würden, für Texte und Videos, die ich machte. 

    Mein Radiowecker der Firma Grundig zeigte mir am Sonntag noch einen um eine Stunde jüngeren Tag, er stammt ja noch aus der Zeit der freien Maschinen, die freien Maschinen, die nicht gekettet sind an die WELTDIGITALISIERUNG, die nicht weltsynchron leben und arbeiten, und wo man noch anschieben muss, als Mensch. Jetzt also der neue Montag, mit frischer Zeit und Kälte und frischer Luft. Schön. Bisher. Aber was will Armin Laschet? Armin Laschet will es jetzt  ganz anders machen als die Kanzlerin, und ich spüre, ich habe etwas Angst vor Armin Laschet. Ich glaube, “er kann es einfach nicht” (Rudolf Augstein). Dann doch wirklich lieber den Individualismus des Gil Evans. Oder Sophie Calle, da hatte ich das Adressbuch gestern dann endlich mal gelesen, und das hat mir sehr gut gefallen. Schutzloses Schreiben, schutzlose Kunst, und am Ende des Buches steht ja, dieser Pierre D. habe es schlimm gefunden, dass Calle das so gemacht habe, ihm angetan habe, und ich habe das überhaupt nicht verstanden, dass er das so gesehen hat. Wieso sah er nicht, wie zärtlich das war, und mutig, diese Art von Aufmerksamkeit sollte einem doch schmeicheln, oder etwa nicht? Nein, natürlich nicht – Pierre D. wollte sein Bild und seinen Text selbst redigieren, er wollte nicht aus der gefährlichen Nähe der Freundschaft heraus zu hören bekommen, wie das Negativ zu seinem Positiv aussieht. Das ist normal. 

  • Freitag, 27.03.2020

    DIE -ASE-ENDUNG VERWEIST AUF EIN ENZYM UND DIE -TION-ENDUNG VERWEIST AUF ISOLATION UND RUMINATION


    On this site on March 27th, 2020
    Nothing happened


    … und nicht nur die Frage, wie die Kunst sein wird, die aus dieser Zeit kommt, sondern auch: was wird es für eine sog. Normalität sein, in die wir zurückkehren, zu irgendeinem Zeitpunkt? Sammeln und aggregieren sich die großen Weltfirmen zu einer noch brutaleren Walze? Wird das überfrequente Händewaschen endgültig und für immer aus seiner autistischen Pathologie gehievt? Wie geht die Gesellschaft, wie geht unsere Gesellschaft aus alldem hervor?

    Aus dem finsteren Orkus des E-Mailverteilers heraus kommen sog. Ideen für “Projekte” von Kunststudenten: es wird vorgeschlagen, man könne doch den Applaus aufnehmen, der von den Balkonen der Republik für die Helfer gespendet…

    Ich, für meinen Teil, fühle mich als – Entschuldigung – Künstler gerade als komplett nutzlos. Aber schon morgen, und auch übermorgen, und auch die Tage danach will ich mich besinnen und: immer neu loslegen wie neu. Solange ich nicht auf die Idee komme, den Volksapplaus aufzunehmen, ist alles gut und geht in Ordnung. 

  • Mittwoch, 25.03.2020

    THESE TRENCHANT WORKS WERE CREATED AT AN HISTORIC MOMENT

    Durch das dreckige Fenster kommt herrlichstes Licht. Gestern etwas im August-Sander-Park rumgelungert, zum Telefonieren, zum Bestrahlen-lassen vom gestern ebenfalls schon herrlich leuchtenden Licht. Immer weniger Menschen, ich ging einfach über Strassen, ohne zu schauen, ob Autos kommen. Es kamen keine. Hunde mit Ästen im Maul, branch managers. Kurz etwas zurücktreten, dann hoch auf den Hügel und den Blick nochmal zur großen Wiese hin: ein sonniger Ingmar-Bergman-Film. Zwei Figuren im innigen Gespräch, den Schotterweg begehend. Klar, die Straßen sind leerer, aber die Wohnungen sehen deshalb nicht unbedingt bewohnter aus. Wie wird die Kunst sein, die aus dieser Zeit kommen wird?