RAVE ON
“Doch viel stärker als derartige Einwände war schließlich die Faszination gewesen, eine mir selbst nur schwer erklärliche und um so unheimlichere Faszination. Welche von Vernunft gut unterdrückten Sehnsüchte hatte “Paare, Passanten” wieder geweckt?” – und das ist, wie Rainald Goetz hier in seiner Rezension von Strauß Botho’s “Paare, Passanten” für den Spiegel geschrieben hatte, Oktober 1981, auch ein eigentlicher Punkt in Sachen Kunst ü b e r h a u p t: GEGEN die eigenen Einwände, DURCH die eigenen von Einwand in Ablehnung gemorphten Empfindungen hindurch lesen, schreiben, zeichnen, malen. Manchmal ist es so: dass in der Faszination, die in Spannung steht mit den eigenen, von mir aus: biases, dass darin ein Lernen liegt, eine Erweiterung.
Nachdem ich vor ein paar Tagen wieder die alte Kulturtechnik des Telefonierens auszuüben begonnen hatte, und gestern dann auch gleich Herrn Marc Degens am Telefon hatte, wo einiges besprochen werden konnte, verwies mich Marc noch auf diese frühe Rezension von Goetz, da speziell in dieser Strauß-Episode, zwar anonymisiert, aber doch erkennbar, die intellektuelle Dynamik mit dem Ehepaar Rutschky skizziert wird. Komplettieren kann man das mit dem Wackwitz-Text aus der ZEIT, August 2019, nachlesbar und archiviert auf waahr.de. I guess I love that shit.
Speaking of Goetz, Sina wies mich am Telefon darauf hin: We’ ll never stop living this way – das klingt jetzt natürlich auch ganz anders, und plötzlich fällt scheckiges Märzlicht auf den revisionären Geist.