JEDEN TAG EIN OHR AB
Was ist heute? Der 19. April? Wir haben April? Ja? Ist ja interessant, ich habe das gar nicht gemerkt.
Die Nachbarn eröffnen den Sonntag, wie so oft, mit ihrer Waschmaschine. Man kommt sich dann in der eigenen Wohnung vor wie in einem Flugzeug, das auf der Rollbahn mit laufenden Triebwerken auf den Start wartet. Im Treppenhaus auf ihre hohe Grundlautstärke von mir mal angesprochen, meinte der Typ was von “wohnen schon 20 Jahre hier nie einer beschwert”, so auf diese Art. Man kann sich halt auch offensichtlich dumm wohnen. Erwohnt sich quasi das “Recht” auf Nerverei. Ich wünsch mir, manchmal, ganz kurz, so eine Wohnterror-Schwadron, die sofort schießt, durch die Tür durch. Re-framing the PIGS, und wie ihre schwarzen Stiefel quietschen im tags zuvor frisch gewischten Treppenhaus.
Es sieht heute nach Regen aus, an diesem 19. April. Weitergelesen in William Styrons Depressions-Buch. Anrufung einer gefährlichen Welt.
Gestern, beim Spaziergang rheinwärts, die Luft drückte auch da schon etwas auf den Schädelknochen und die weltgestaltende Masse darin, kamen uns tausende Jogger entgegen. Im Park machen Leute auch vereinzelt Übungen, die ich eigentlich nur aus so Berichten vom Trainingsgelände des FC Bayern kenne, mit Gummibändern zwischen den Knien usw. Gedanke dazu: die ständige Verschiebung und Neufestlegung von Schamgrenzen ist ja eine gesellschaftlich eigentlich vollkommen non-verbal verhandelte, die ausschließlich über Bilder und Nachahmung passiert. Relativ stille alles, und doch sind es Absprachen.