ERFRISCHUNGEN
Mittwoch in der Zeitung Jürgen Kaube über George Steiner, ich in der Bahn in Richtung Bundeskunsthalle, im Fenster ein blauer Winterhimmel. Der Rhein stand hoch, das Wasser braun und muskulös. Auf mich wartete der Dienst am Singulären. Nicht Kill Time, nicht Make Time, nur das schöne und erfüllende Gefühl von zielgerichteter Aufmerksamkeit.
Nach zwei Stunden mit dem Deutschen Eierknaller und seinen Geschwistern trat ich durch das kleine Rechteck, einem Feierlärm folgend, aus der Ausstellung in die Vorhalle der Bundeskunsthalle zurück, und wie in einer Kippenbergerschen frontalen Pointe stand dort in großem lautstarkem Brimborium, in vollem Ornat und recht unerwartet: das Bonner Dreigestirn der Session 2020! Allerlei werktätige Bevölkerung stand drumherum, aber lachen konnte ich nicht darüber. Ich habe für solcherlei Situationen schon viel vorgelacht, in der Vergangenheit.
Der Rückweg über
Sechtem – Merten – Brühl Süd
mit allerlei Teenagern, die aus den Schulen kamen und in ihre ländlichen Elternhäuser zurückkehrten. Die starke Nachmittagssonne strahlte in das Fahrzeug, und mit ihr strahlte mich auch eine angenehme Müdigkeit direkt an, ein warmer Strahl, zwischen meinen Augen ins Gehirn.
“Dass der für ihn wichtigste Romancier des 20. Jahrhunderts, Céline, der furchtbarste Antisemit war, bezeichnete er (George Steiner), als unerklärlich.” So der schönste und realistischste, also der die Realität am genauesten fassende Satz, an den ich mich, in diesem Moment der Rückfahrt, zurückerinnerte, von der Hinfahrt noch.