• Freitag, 27.03.2020

    DIE -ASE-ENDUNG VERWEIST AUF EIN ENZYM UND DIE -TION-ENDUNG VERWEIST AUF ISOLATION UND RUMINATION


    On this site on March 27th, 2020
    Nothing happened


    … und nicht nur die Frage, wie die Kunst sein wird, die aus dieser Zeit kommt, sondern auch: was wird es für eine sog. Normalität sein, in die wir zurückkehren, zu irgendeinem Zeitpunkt? Sammeln und aggregieren sich die großen Weltfirmen zu einer noch brutaleren Walze? Wird das überfrequente Händewaschen endgültig und für immer aus seiner autistischen Pathologie gehievt? Wie geht die Gesellschaft, wie geht unsere Gesellschaft aus alldem hervor?

    Aus dem finsteren Orkus des E-Mailverteilers heraus kommen sog. Ideen für “Projekte” von Kunststudenten: es wird vorgeschlagen, man könne doch den Applaus aufnehmen, der von den Balkonen der Republik für die Helfer gespendet…

    Ich, für meinen Teil, fühle mich als – Entschuldigung – Künstler gerade als komplett nutzlos. Aber schon morgen, und auch übermorgen, und auch die Tage danach will ich mich besinnen und: immer neu loslegen wie neu. Solange ich nicht auf die Idee komme, den Volksapplaus aufzunehmen, ist alles gut und geht in Ordnung. 

  • Mittwoch, 25.03.2020

    THESE TRENCHANT WORKS WERE CREATED AT AN HISTORIC MOMENT

    Durch das dreckige Fenster kommt herrlichstes Licht. Gestern etwas im August-Sander-Park rumgelungert, zum Telefonieren, zum Bestrahlen-lassen vom gestern ebenfalls schon herrlich leuchtenden Licht. Immer weniger Menschen, ich ging einfach über Strassen, ohne zu schauen, ob Autos kommen. Es kamen keine. Hunde mit Ästen im Maul, branch managers. Kurz etwas zurücktreten, dann hoch auf den Hügel und den Blick nochmal zur großen Wiese hin: ein sonniger Ingmar-Bergman-Film. Zwei Figuren im innigen Gespräch, den Schotterweg begehend. Klar, die Straßen sind leerer, aber die Wohnungen sehen deshalb nicht unbedingt bewohnter aus. Wie wird die Kunst sein, die aus dieser Zeit kommen wird? 

  • Samstag, 21.03.2020

    RAVE ON

    “Doch viel stärker als derartige Einwände war schließlich die Faszination gewesen, eine mir selbst nur schwer erklärliche und um so unheimlichere Faszination. Welche von Vernunft gut unterdrückten Sehnsüchte hatte “Paare, Passanten” wieder geweckt?” – und das ist, wie Rainald Goetz hier in seiner Rezension von Strauß Botho’s “Paare, Passanten” für den Spiegel geschrieben hatte, Oktober 1981, auch ein eigentlicher Punkt in Sachen Kunst ü b e r h a u p t: GEGEN die eigenen Einwände, DURCH die eigenen von Einwand in Ablehnung gemorphten Empfindungen hindurch lesen, schreiben, zeichnen, malen. Manchmal ist es so: dass in der Faszination, die in Spannung steht mit den eigenen, von mir aus: biases, dass darin ein Lernen liegt, eine Erweiterung.

    Nachdem ich vor ein paar Tagen wieder die alte Kulturtechnik des Telefonierens auszuüben begonnen hatte, und gestern dann auch gleich Herrn Marc Degens am Telefon hatte, wo einiges besprochen werden konnte, verwies mich Marc noch auf diese frühe Rezension von Goetz, da speziell in dieser Strauß-Episode, zwar anonymisiert, aber doch erkennbar, die intellektuelle Dynamik mit dem Ehepaar Rutschky skizziert wird. Komplettieren kann man das mit dem Wackwitz-Text aus der ZEIT, August 2019, nachlesbar und archiviert auf waahr.de. I guess I love that shit.

    Speaking of Goetz, Sina wies mich am Telefon darauf hin: We’ ll never stop living this way – das klingt jetzt natürlich auch ganz anders, und plötzlich fällt scheckiges Märzlicht auf den revisionären Geist.