HARD TO GET MY COAT ON
Noch bevor ich richtig aufgestanden war an diesem grauen Morgen – der Himmel aus Deutschland weinte, weil man ihm das Hartz-4-Sanktionieren verboten hatte – machte ich den elementaren Fehler, “in mich hinein” zu horchen. Da war auch schon mein Gehirn aktiv, und es produzierte bereits vollkommen sinnlose STORIES, die es durch mich hindurch trieb, und so war meine Laune dementsprechend: bedrückt. Aber das war gestern. Durch die Malerei zum durch den Schwermut, nein, mit der Malerei durch den Schwermut, dein Stecken und Stab trösten mich, Herr. Mit Paint as solid or liquid matter geht’s, und am Abend, es hatte sich kurz zuvor ein weiteres Mal heftig abgeregnet, sah man, weit oben, rosa glühende Schneisen ins Grau gehauen, die wie Eingänge zu den Höhlen höherer Erkenntnis lockten. Danach mit dem Galeristen Bolo bei Luigi bzw. Salvo.
Mein Anwalt schickte mir auf Instagram eine DM, darin ein Link zu einem gewissen Magnus Resch, den ich nicht kenne, und Magnus Resch FORDERT in der ZEIT: “Die Kunstwelt muss demokratisch werden”. Populistisch und bisschen dumpf anwanzend lallt Resch was von Abschaffung von Exklusivität, Instagram und Followerzahlen, und so, mit dieser Volksentscheid-Nummer, möchte er das wenigstens zurecht erwähnte und real existierende Macht- und Kontrollkonstrukt der chosen few Gallerien brechen, die die Sphäre beherrschen.
Man sollte aber bitte wissen, dass man das Volk nicht mit ästhetischen Befragungen konfrontiert, weil wenn das Volk entscheidet – eine absolute Horrorvorstellung übrigens – kommt am Ende die Kategorie “Gefühle/Erotik/Entspannung Pur” heraus, und nicht individueller Weltzugang, der mir möglichst undidaktisch und ohne moralische Vorbildfunktion durch die Retina ins Hirn geht. Bei umfassenderer Orientierungslosigkeit, so wie neulich bei der Handkesache, empfiehlt sich vielleicht besonders die Trennung von Werk und Künstler/in und die Trennung von Ästhetik und Masse.
Milton Avery
Woman with Rebozo, 1947