• Mi, 06.11.2019

    HARD TO GET MY COAT ON

    Noch bevor ich richtig aufgestanden war an diesem grauen Morgen – der Himmel aus Deutschland weinte, weil man ihm das Hartz-4-Sanktionieren verboten hatte – machte ich den elementaren Fehler, “in mich hinein” zu horchen. Da war auch schon mein Gehirn aktiv, und es produzierte bereits vollkommen sinnlose STORIES, die es durch mich hindurch trieb, und so war meine Laune dementsprechend: bedrückt. Aber das war gestern. Durch die Malerei zum durch den Schwermut, nein, mit der Malerei durch den Schwermut, dein Stecken und Stab trösten mich, Herr. Mit Paint as solid or liquid matter geht’s, und am Abend, es hatte sich kurz zuvor ein weiteres Mal heftig abgeregnet, sah man, weit oben, rosa glühende Schneisen ins Grau gehauen, die wie Eingänge zu den Höhlen höherer Erkenntnis lockten. Danach mit dem Galeristen Bolo bei Luigi bzw. Salvo.  

    Mein Anwalt schickte mir auf Instagram eine DM, darin ein Link zu einem gewissen Magnus Resch, den ich nicht kenne, und Magnus Resch FORDERT in der ZEIT: “Die Kunstwelt muss demokratisch werden”. Populistisch und bisschen dumpf anwanzend lallt Resch was von Abschaffung von Exklusivität, Instagram und Followerzahlen, und so, mit dieser Volksentscheid-Nummer, möchte er das wenigstens zurecht erwähnte und real existierende Macht- und Kontrollkonstrukt der chosen few Gallerien brechen, die die Sphäre beherrschen.
    Man sollte aber bitte wissen, dass man das Volk nicht mit ästhetischen Befragungen konfrontiert, weil wenn das Volk entscheidet – eine absolute Horrorvorstellung übrigens – kommt am Ende die Kategorie “Gefühle/Erotik/Entspannung Pur” heraus, und nicht individueller Weltzugang, der mir möglichst undidaktisch und ohne moralische Vorbildfunktion durch die Retina ins Hirn geht. Bei umfassenderer Orientierungslosigkeit, so wie neulich bei der Handkesache, empfiehlt sich vielleicht besonders die Trennung von Werk und Künstler/in und die Trennung von Ästhetik und Masse.

    Milton Avery
    Woman with Rebozo, 1947

  • So, 27.10.2019

    DOLPHINS ON DISCOVERY CHANNEL

    Ich saß beim Thai und aß grade meine Nr. 98, die diesmal besonders gut gelungen schien, und las bei Brad Phillips die Stelle, an der er von Danny schreibt, dem analphabetischen Hafenarbeiter mit dem Papagei namens Fucker. Brad lernte Danny, so die Geschichte, in der Entziehung kennen. Danny hatte eines Morgens im Crackrausch dem krähenden Hahn der chinesischen Familie in seiner, Danny’s, Nachbarschaft mit einem Aluminium-Baseballschläger den Kopf abgeschlagen. Danny war dazu nackt, mit Rum-Cola und Baseballschläger, die Straße runter gerannt, nachdem der Hahn gerade dann zu Krähen begann, als Danny nach harter Schicht in den Schlaf fand. Das war schon so oft passiert, und an diesem Morgen entschied Danny, dass nun zu handeln war. Danny bekam fortan an Weihnachten immer anonyme Post, und es stellte sich raus, dass sich die gesamte Nachbarschaft bei ihm bedankte, dass er den Hahn beseitigt hatte.

    Beim Essen der Nr. 98 musste ich dementsprechend aufpassen, dass ich mich nicht verschluckte, weil ich ständig lachen musste, die Story war so brutal komisch und trocken aufgeschrieben.
    Vom Buch blickte ich kurz auf, direkt auf das exakt gleiche großformatige, nächtliche Panoramafoto der Stadt, in der ich lebe, wie ich es zwei Tage zuvor woanders gesehen hatte, in der Pizzeria Piccolo. Dort hing das Foto, dessen Format ich auf 80 mal 100 Zentimeter schätzte, sogar gleich zweimal, an gegenüberliegenden Wänden. In der Pizzeria sah ich mir das Foto gut an, weil selbst bei genauerem Hinsehen für mich nicht völlig klar wurde, aus welchem Jahr diese Aufnahme stammte. Keine Zeit war dem Bild wirklich zuzuordnen, und kein bauliches Detail, zumindest nicht für mich, war einer Zeit zuzuordnen. Auf dem Bild wirkte die nächtliche Stadt, zumindest der repräsentative Ausschnitt am Rheinufer, der hier den Motivvordergrund bildete, fast unheimlich aufgeräumt, leer, als hätten sich alle Menschen auf eine Weisung hin in einen anderen Teil der Dunkelheit zurückgezogen, und vorher noch alle Lichter angeschaltet, nur um mit diesem Foto einen Eindruck dieser Stadt in die Welt zu transportieren, den nicht mal seine Bewohner wirklich erkennen können. 

  • Do, 24.10.2019

    FRAUEN STIFTEN FRIEDEN

    Was ich klar sagen kann: ich tötete zwei Mücken heute Morgen, und Blut spritzte. Ein gutes Gefühl.

    Gestern bei Delmes Zander. Helga Goetze: Ficken ist Frieden. Im Videofilm von 1981, der sie in ihrer Berliner Wohnung auf dem Boden kniend und zeichnend zeigt, sagt sie an einer Stelle: “Frauen suchen immer das Fertige. Aber das Fertige gibt es nicht.”