• Donnerstag, 19.03.2020

    ÜBER WIESEN, VORBEI AN DEN FRÜHBLÜHERN 

    Die Natur erholt sich, so liest man jetzt häufig, in verschiedenen Texten zu und wegen… – die Natur erholt sich, die Sonne scheint, das Wasser klart auf, die Tiere singen und überall schweigen die Industrieschornsteine, die Kompressoren und Motoren. 

    Gestern am späten Nachmittag wieder zu Fuß ins Atelier, über Wiesen, vorbei an satt blühendem Krokus, an Kirschblüten, 3,2 Kilometer laut Google Maps. Im Park sitzen junge Menschen, in großen Gruppen teilweise, und trotzen der ansteigenden Flanke einer exponentiellen Wachstumskinetik. Ich kann nicht einschätzen, ob das jetzt schon unvernünftig ist oder irgendwie grade noch in Ordnung geht. Gemessen daran, dass die Bundeskanzlerin am Abend eine Rede “an die Nation” halten will, scheinen mir die Straßen und Cafés etwas zu voll. Ist es so, dass die Menschen in der Mehrheit intuitiv EHER falsch handeln? Auch dieser sportive Sex, den halbnackte, yogabehoste Frauen und Männer joggenderweise aussenden, kommt mir nochmal bescheuerter vor als sonst. Ich mache das Beste daraus und suche mir die schönsten Ärsche heraus. Im Atelier zeichne ich mechanisch-diszipliniert, weil das Denken auch bisschen Pause hat grade.

    Ständige Verwechslung von gaslighting und ghosting, kann mir einfach nicht merken, was was ist. 

  • Sonntag, 15.03.2020

    DIESES JOURNAL BLEIBT GEÖFFNET

    Habe ich Fieber? Spüre ich da was im Hals? Oder wirkt hier ein psychologischer Effekt, der mich in diesen allumfassenden, aktuellen Zusammenhängen dahingehend beeinflusst? Mir geht es ja gut, ich zeige keines der genannten Symptome, andererseits liest man von sehr verschiedenen Verläufen einer Infektion. Es ist einfach zu viel Information, zu viel Variabilität, die man wahrscheinlich automatisch deuten zu müssen meint.

    In der FAZ von Samstag schrieb Kaube: “Es zeichnet diese Gesellschaft, mit anderen Worten, eine historisch völlig einmalige Differenzierung des sozialen Handelns aus. Zu ihren Bedingungen gehört, dass in dieser Gesellschaft nicht alles mit allem zusammenhängt. Und auch nicht alles von den Leistungen oder der Unfähigkeit einer einzigen Instanz abhängig ist, sei es nun die Politik, die Wirtschaft, das Recht oder die Wissenschaft. Die Pandemie greift in diese Bedingungen ein.” 

    Um Viertel vor Vier heute Nacht drehte hier, irgendwo im Areal des Hinterhofs, irgendein HuSo ultralaut Musik auf, riss mich (und sicher nicht nur mich) aus dem Schlaf. Die Musik absolut geschmacklos und beschissen, und das ärgerte mich, im Halbschlaf, am meisten. 

  • Donnerstag, 12.03.2020

    DEUTSCHE GOTHAM CITY

    Gestern war ich, glaube ich, etwas streng zu meiner Mutter am Telefon. Es ging um den Virus. Was sie alles zu lassen hätten, bzw. was sie doch einsehen sollten, jetzt vielleicht eher nicht…usw. Ja, kann man auch zarter sagen. Diese spezielle Härte und Strenge gegenüber Menschen, die eigentlich alle Nettigkeit und alle Nachsicht dieser Welt verdienen, besonders von mir. Ich befürchte, ich meine es gut mit JEDEM.

    12:22h. Der Dossier-Ordner über Michael E. Smith, der hier vor mir liegt, ist eigentlich leer. Zwei Zeitungsrezensionen aus 2014 liegen darin, aus kunstaspekte und Welt, und beide Texte beginnen mit eben der Hölzernheit, die sich ergibt, wenn die in diesem Falle sog. Doofheit des Faktischen den freien Gedanken blockiert. Folgerichtig versuchen beide Texte einen Einstieg zu finden über die Herkunft des Künstlers, Detroit, den Verfall der Stadt über den Umweg des Verfalls von General Motors und Ford, und den Wunsch (?), dies in den Skulpturen Smith’s wenn nicht sogar mindestens gespiegelt zu sehen.

    Im Schatten der Dombauhütte
    da ist pedestrian movement
    da presst der Wind den Leuten die Kleidung an den Körper
    da kommt der Kuchenhunger