• Sa, 19.10.2019

    HÖHERE WESEN BEFEHLEN, PROBLEME DER SPRACHE MIT SPRACHE LÖSEN

    Auf Spiegel Online, digitale Heimat der allgemeinen Weltverwirrung, schreibt Margarete Stokowski, für viele Menschen in diesem Lande ja anscheinend DIE maßgebliche Stelle, die spricht, für die Themenbereiche Gender bis Kultur, natürlich AUCH einen Text über Handke. Im Untertitel steht eigentlich schon drin, was sie meint, der Einstieg verrät auch schon alles über den moralischen Hebel des Artikels, also direkt rein ins Privatleben der betreffenden Person: er hat mal seine Freundin gehauen, Grabredner Milosevics, unglaublicher Luxus, Künstler und Werk nicht zu trennen, jetzt auch noch Nobelpreis usw. In der Online New York Times wiederum, einer Zeitung, die seit MeToo auch zum Teil nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, schreibt Bret Stephens in einem opinion piece, man lebe in einer Zeit, in der die Fähigkeit verloren gehe, Kunst und Ideologie, den Künstler und die Politik zu trennen. Das ist doch schön, so eine dialektische Wärme, so möchte man’s doch haben, einfach als Grundvorraussetzung. Den Text von Kaube dazu in der FAZ habe ich noch gar nicht gelesen.
    So geht das eine hier durch, während durchs Fenster die Ahnung von Zwanzigtausend protestierenden Kurden kommt, und sie protestieren völlig zu Recht. 

  • Fr, 18.10.2019

    FRENCHETTE

    Durch das aufgedrehte Heizungsventil kommt das Lied beheizter Räume, und flüsternd singt es vom HERBST, der schönsten Zeit, wie ja auch schon De Chirico…

    Outpost
    in
    Continental Europe

    Der Himmel also bedeckt von Wetter und Stammes- und Gesinnungsbekundungen in Tiefgrau. Davon gar nicht anfangen jetzt, das ist mir wirklich zu finster. Beim Buchhändler sagte man mir, daß mein bestelltes Brad Phillips Buch noch nicht eingetroffen ist, kurzes Gespräch, und weiter in Richtung Atelier. Später am Abend fällt mir auf, dass ich seit Sonntag netto ungefähr 15 Minuten mit anderen Menschen gesprochen habe. Fühlte sich diesmal gut an, oder wie sagt man, unbesudelt ging ich zu Bett. Projekt Europa. Jetzt doch etwas Sonne. 

    Sexistische Entgleisung sorgt für Eklat

    Man müsste einfach weiter malen

    Gestern Fototermin mit Abel Ferrara, den mein Zahnarzt mit seiner Großformatkamera zu porträtieren vorhatte, und so war es auch, da kam er auch schon, der kleine Mann mit den ruppigen Filmen. Mit dabei seine deutlich jüngere Frau und die kleine Tochter, sowie ein young guy vom Filmfest, der diese Art und Situation der Porträtfotografie mit der Universalvokabel der Sprachlosen bedachte: “spannend”. “Welche Agentur seid ihr?!”
    Abel Ferrara forderte nach seinem Porträt noch seine Frau und Tochter auf, sich auch noch fotografieren zu lassen, da stand er dann irgendwie extrem gesammelt hinter der Kamera, strahlte wortkarg eine No-Shit-Haltung aus und gab hin und wieder Anweisungen an seine Frau, wie man als Filmemacher wohl so automatisch wechselt in diesen Modus, wenn da eine Kamera mit der Rückseite zu einem steht. Manchmal sieht man seine abgeriebenen Zähne, die er kaum auseinander bekommt, selbst wenn er spricht.

    Während ich auf die Kamera aufpasste und auf den Zahnarzt und Ferrara wartete, gingen zwei Frauen vorbei, eine mit einem Schild: “Mayor’s Roundtable” mit Edding drauf geschrieben. Die zweite Frau trug ein blaues Band und den Blick einer Stadtfremden im Gesicht, sie fragte die Frau mit dem Schild, “So what do you do?” – “I’m working for the City” – “So what’s that like?” – “Exciting”

  • So, 13.10.2019

    DIE STELLE, AN DER MIKE TYSON SAGT: DIE VERGANGENHEIT, DAS SIND NUR WIR IN MERKWÜRDIGER KLEIDUNG

    Grade komme ich von draußen herein. Eine Wärme wie im Hochsommer, zu dieser Stunde noch. Mein eigentlicher Gedanke: Mücken, der Feind.
    Es dämmert, wie durch ein dunkles Gewebe hindurch kommt jetzt das Licht, die Kirchenglocken läuten, gleich kommt das Grabtuch heraus, Kinder. Ich ging am Kino vorbei, ich kann verkünden, “Joker” ficht mich nicht an, ihr könnt’ es schön alleine machen.
    Dieser Augenblick des Tages, ein De Chirico Augenblick. Der metaphysische Italiener hasste den Frühling, hasste den Sommer und die heißen und hellen Tage. Er liebte die Tage dunkel und regnerisch, mit schweren und großen Wolken. Die Sonne, so De Chirico, passe nur “in den Bildern” besser. Gegen 19.15 Uhr schien diese Schwelle nah, denkbar, real. 

    Today I want to talk about
    dreamtime social games

    In der SZ schreibt Seibtgustav (60) zur Sache mit dem Gamer-turned-Neonazi und zweifachen Mörder Stephan B., manche “könnten es nicht lassen, auch nach dem Attentatsversuch eines Deutschen auf die verbreitete migrantische Juden- und Israelfeindschaft hinzuweisen”. Warum nicht, Herr Seibt, sie schreiben ja selbst von einer “verbreiteten” Feindlichkeit? Gehen wir ein einfaches Konzept (Antisemitismus), das sich in 2019 durchaus komplex durch verschd. Sphären und Gruppen der Gesellschaft zieht, doch ruhig mit einer ebenfalls komplexen Fragestellung an. Wir fordern: Kein Sonderweg für deutsches Feuilletondenken, Herr Seibt,  – Arendt U glad you could?