• Dienstag, 10.03.2020

    ALLES IST WEIß UND BEREIT, BESCHRIEBEN ZU WERDEN

    Gestern wohl der blaueste Himmel seit Messung des Himmelblaus? Ich musste dennoch essen, wurde nicht satt vom Blau allein. In der Jackentasche das neue Kanada-Tagebuch von Marc Degens, Hamburg’s neuem Stolz.

    Und so trat er vom Zeichentisch weg

    Beim Iranischen Imbiss – ich war der einzige Gast – spielte ein iranischer Radiosender 90er-Jahre-Songs der oberen Charts-Sphären, als es noch die sog. Single-Charts gab. Ist ca. 100 Jahre her. Hungrig betrat ich den Laden zu Annie Lennox’ “Saved the world today”, gefolgt von einem Lied, das ich auch kannte, aber dessen Titel und Interpretin mir nicht mehr einfiel. Präsent war da nur eine Ahnung, eine Erinnerung, die mit einem brutalem Gauß’schen Weichzeichner an die Rückseite meines Schädelknochens projiziert wurde. Man weiß, man existierte schonmal mit diesem Lied in einem Raum. Abends konnte ich das nachsehen: der 1992 auf Platz 12 der Deutschen Single-Charts peakende Song “Sleeping Satellite” von Tasmin Archer, handelt von our human priorities and arrogant attitude towards the planet we inhabit. Alles klar.

    Einige Rowohlt-Autoren und Autorinnen, darunter Sascha Lobo und Margarete Stokowski und dings, fordern öffentlich, Dietmar Hopp sofort nach Holland zu zwangszuexilieren.

    2 vacuum cleaners sucking at each other

  • Freitag, 06.03.2020

    ABER WAS IST ANTIMUSEAL?

    Mit den Skulpturen (bzw. vielleicht eher: Skulpturalen Arrangements) von Michael E. Smith war und ist es für mich wie mit einer schön empfundenen und völlig fremden Sprache: ohne konkret Sinnesinhalte- oder Zusammenhänge zu empfangen, ist da einfach die Präsenz von luftigen Vokalen und gestauchten Konsonanten, deren Abfolge, Zusammenspiel und Klang einen einnehmen für die Sache. Erstmal nur Verführung durch Eindruck.

    Die Skulpturen und Arrangements aus zumeist bei eBay gefundenen, oftmals richtig fiesen, verlebten Materialien mit allerlei gegenläufigen Ausstrahlungen funktionieren nach dem Prinzip von Charme: sie überzeugen ohne Logik, zeigen sich einfach. Sie sind nicht aus Mangel averbal, sondern weil ihr Signal, ihr skulpturales Wesen so stark ist. Jedes verarbeitete Teil wird bei Smith durch das Gesamtarrangement über die Klippe der eigenen Aura gehievt.

    Drei getrocknete Seesterne, zu einer Art Edgy Heraldik hängend angeordnet, Tennissocken über Kreuz gelegt, lange und einzelne Dreadlocks, auf den Armlehnen eines verwitterten Monoblocs angeordnet, eine präparierte Krokodilkralle, die am Kopfende eines Instrumenten-Hartschalenkoffers (Trompete? Querflöte? Melodika?) befestigt ist. Alles ansprechend buzzy, manchmal kinetisch, manchmal statisch, stets derb vital, weil marode, und weil marode eben nicht Tod bedeutet, da nur das so grade eben noch Lebendige marodiert, sind Smith’s Skulpturen von dieser berührenden Kaputtheit, extrem komisch und aus der eher düsteren Nische wahrer Originalität kommend. Skulpturale Cousins einer Rube-Goldberg-Idee.
    Bei erster physischer Begegnung können diese Arbeiten leicht resignativ in die Echtwelt wirken, wenn diese Skulpturen sich im Verhältnis zum Gesamtraum eher bescheiden geben, wie vom Laster gefallen, sich oft am menschlichen Maßstab orientieren und stets so ein bisschen an den Rändern der Aufmerksamkeit platziert, dabei sehr geradeaus aufs universelle WEITERMACHEN verweisend – dass man ES, also ALLES, halt auch immer irgendwie ein bisschen anders angehen kann. 

    “I don’t really like artists for the most part,” he said.

    Meine Mutter hat gestern, im 64. Lebensjahr, vom Optiker erfahren, dass sie schielt. Das kam für uns alle überraschend. Danach Bruschetta beim Italiener.

  • Sonntag, 01.03.2020

    JETZT SPRICHT DIETMAR HOPP, DER ALS KANONIER AUF DEM FLUGZEUGTRÄGER ENTERPRISE ANGEHEUERT HATTE

    Liverpool suffer Sarr’s outbreak

    Goetz hat ein neues Theaterstück geschrieben, “Reich des Todes. Politische Theorie”. 

    “Politische Theorie”, das weiß der mitteljunge media-savvy performer of all sexes mit dem heißen Hippocampus, war die Formulierung, die Hannah Arendt wählte, als sie von Günter Gaus 1964 in seiner Interview-Sendung als “Philosophin” anmoderiert wurde. “Ich zähle mich nicht zum Kreis der Philosophen”, so Arendt hinzufügend. Ich mich auch nicht. 

    This journal is the work of a
    mature and confident sculptor. It was
    made in 1966, when the artist was 44
    years old, and after he had experienced
    modern life in all its richness.