• Do, 26.09.2019

    IT’S THE GREAT PUMPKIN, FRIEDRICH MERZ

    Ich holte den großen, üppigen Strauß bunter Dahlien, den ich Freitag zur Eröffnung erhalten hatte, Dienstagmorgen aus dem Ausstellungsraum rüber in meine Wohnung, damit er dort noch etwas leben und dann in Schönheit sterben kann, und ließ, wo ich schonmal da war, gleich das Rollgitter oben, damit die Aufsicht, die um 15 Uhr ihren DIENST antreten würde, sich das schonmal sparen könne, so Ich in meinem Kopf, zu mir selbst, außerdem bin ich ja interessiert dran, dass die Leute sich alles hier gut ansehen können, durch die geputzte Scheibe hindurch. Am Abend sagte mir jene Aufsicht, das solle man nicht machen, denn aus Gründen “mit der Versicherung”, seien diese großen Fensterflächen eben nicht versichert, solange keine Aufsicht anwesend sei, und wenn ich sie morgens schon hochfahre, die Gitter, und nunmehr die Fensterflächen den Asozialen dieser Stadt so ordinär darböte, dann müsse man sich nicht wundern, wenn….

    1000 zerschlagene Scheiben: A Life lived

  • So, 22.09.2019

    FRAGEN DER ETHIK AUF ÖKONOMISCH ERSCHÖPFTER LANDSCHAFT, Öl auf kuwaitischem Sand, 2019

    Und die Trennung von Tag und Nacht wurde klarer, die Kanten schärfer, wenn die Sonne erst mal verschwunden war am Himmel. Kälte am Abend, Kälte in der Nacht. Tagsüber wird einem die warme Wange hingehalten, besonders  flimmerte hier Blau am Himmel dem Endsommer entgegen. Wie sagt man so verkürzt: SCHÖN! – und schön nah und fühlbar war auch der Herbst, in diesem Moment, im Aufzeichnungscenter “Zum weißen Höschen”. 

    Was war also geschehen in den letzten Tagen der Republik? Alles zusammengepresst wie ein Klumpen Zucker oder was? Jetzt, hier, am Tisch bei offenem Fenster, kommt ein an eine Masse gerichtetes, kreischendes Moderieren von der anderen Rheinseite herüber geweht, von den Rotorblättern kreisender Helikopter zerhackt.
    B. schrieb mir eine SMS, unter Eindruck der weltweiten Klima-Demonstrationen: klimamässig gut und fundiert informiert, konnte man jedoch auch beobachten, wie einige Redebeiträge aus der MASSE heraus die Klimaproteste quasi kausal in Verbindung mit Anti-Sexismus, Anti-Rassismus und Gendergerechtigkeit brächten (”Mit jeder Dürre nimmt der Sexismus zu”), wodurch ein merkwürdig schiefer Eindruck bei ihm, B., entstanden sei, das vor allem die weiße Mittelklasse sich einen Hang zu atemberaubender Monokausalität und Diskurs-Schablonen nachsagen lassen müsse usw. Und da zogen düstere Wolken auf… und wie sich da so einiges Richtiges, aber naturrrrgemäß auch unglaublich Falsches vor der Kulisse der zeitbasierten Debatten ausrollte, da… wurden die Wolken noch düsterer.

    Achso, und eine Ausstellung habe ich auch eröffnet, das lief angenehm. Später an diesem Freitagabend, dusk had set, sah man die Leute gutgelaunt und entspannt sich miteinander unterhalten, so friedlich, dass sogar die Ratten immer mal wieder die Nähe zu uns Menschen suchten, unzählige flinke Ratten, und war nicht das unsere Future, zusammen mit den Tieren?

  • Do, 12.09.2019

    Die Firma EIGEN UND STEINGASS GmbH & Co. KG Farbenfabrik seit 1858, Guten Morgen, wir brauchen Farbe, ah ich sehe, sie haben welche! Das unheimliche Wort Familienbetrieb. Der ganze Verkaufsraum noch mit am Wirtschaftswunder geschulten Warenanpreisungs-Appeal, angenehm alt und unaggressiv, Kleinteiliges in Holzregalen, klassisch aufgetürmte superschöne ovale Kunststoffeimer mit Etiketten, die ich nicht kenne, hier, Pola Wandfarbe Extraanfertigung, sowas möchte man sofort kaufen ohne Sinn und Verstand, der Eimer steht da so schön ruhig, er schweigt, er weiß (haha) er sieht gut aus, einfach einpacken, schreiben sie’s auf die Rechnung, alles kein Problem, bzw. “Kein Problem!”. Mit Eimer HDWeiß beladen wieder zurück in den ichweißnochnichtwie defizitären Ausstellungsraum, um ihn…. weiß zu malen, was ja bedeutet: eine Art “Normalzustand”? Der Raum also die einzige Malerei, die in der Ausstellung zu sehen sein wird.

    Kunst im Kontext #34: Daniel Johnston gestorben.