DON’T CRY IN FRONT OF THE MEXICANS
Wieso fressen die Leute ausgerechnet im Kino das lauteste Essen? Diese berechtigte Frage kam von meiner Ärztin in einer Email, wir schrieben son bisschen hin und her wegen “Once upon a time in Hollywood”, den sie mir Sonntagabend unbedingt anzusehen empfahl. Zu diesem Zeitpunkt saß ich aber schon in einem aufgeheizten Kinosaal, ich schickte ihr, es war fast Mitternacht, zur Antwort ein Foto, das ich vom Abspann abfotografierte, während der restliche Saal sich in Ameisenformation zum Ausgang bewegte. Alles schön dunkel. Draußen, vor der Kinopforte, ein ganz besonderes Comeback: die laue Sommernacht war wieder da. Zuhause trank ich noch einen Campari-O und leckte am Hundefutter, Rat flavor.
Am nächsten Tag gab ich mir den Dirk Peitz Text zum Film – Frage jetzt natürlich: warum eigentlich? – und nachdem er sich ein bisschen warm geschwafelt hatte, äußerte auch er, Peitz, Bedauern darüber, dass die Figur von Sharon Tate nur eine “Randfigur” sei. Ich musste, glaube ich, an der Stelle lachen, so traurig ist das einfach alles. Ja, Dirk Peitz, du findest es NATÜRLICH ganz ganz schade, dass diese Frauenfigur nur eine “Randfigur” ist, und der Film auch noch die Dreistheit besitzt, zwei weiße, heterosexuelle Männer in seinen Mittelpunkt zu stellen. Dass die Figur von Sharon Tate eine spezielle, sagen wir eher symbolische Funktion innerhalb dieses komplexen Films einnimmt, das kann nicht sein, Dirk Peitz? Nein? Ist nicht möglich, dass die Art und Weise, wie diese Figur im Film steht, ganz bewusst und konstruiert und von Tarantino nicht mal eine eben ins Drehbuch gerotzte Sache ist? “Sie hat eigentlich nichts zu spielen als eine flache Fantasie von einer Frau.”, so total betroffen Dirk Peitz, dessen Freiheit am Hindukusch verteidigt wird.
Ah, die Nachbarin macht ihr Skype-Telefonie-Geschrei? Da dreh ich doch hier mal die Musik nicht nur etwas lauter, sondern auch bisschen mehr Bass rein, ist es so recht?
Die geile Kontroll-Konsole der riesigen Offset-Druckmaschine. Wie dieser dicke, archaische Apparat mit den dicken Tasten und roten Ziffern immer erweitert wird, indem man ihm immer mehr digitale Eingeweide einbaut, Gliedmaßen anfügt, und jetzt steht da dieses Ding, das diverse Jahrzehnte an technischem Stand zusammenführt, eine Collage an Apparaten und Zeit.