• Fr, 23.08.2019

    DON’T CRY IN FRONT OF THE MEXICANS

    Wieso fressen die Leute ausgerechnet im Kino das lauteste Essen? Diese berechtigte Frage kam von meiner Ärztin in einer Email, wir schrieben son bisschen hin und her wegen “Once upon a time in Hollywood”, den sie mir Sonntagabend unbedingt anzusehen empfahl. Zu diesem Zeitpunkt saß ich aber schon in einem aufgeheizten Kinosaal, ich schickte ihr, es war fast Mitternacht, zur Antwort ein Foto, das ich vom Abspann abfotografierte, während der restliche Saal sich in Ameisenformation zum Ausgang bewegte. Alles schön dunkel. Draußen, vor der Kinopforte, ein ganz besonderes Comeback: die laue Sommernacht war wieder da. Zuhause trank ich noch einen Campari-O und leckte am Hundefutter, Rat flavor

    Am nächsten Tag gab ich mir den Dirk Peitz Text zum Film – Frage jetzt natürlich: warum eigentlich? – und nachdem er sich ein bisschen warm geschwafelt hatte, äußerte auch er, Peitz, Bedauern darüber, dass die Figur von Sharon Tate nur eine “Randfigur” sei. Ich musste, glaube ich, an der Stelle lachen, so traurig ist das einfach alles. Ja, Dirk Peitz, du findest es NATÜRLICH ganz ganz schade, dass diese Frauenfigur nur eine “Randfigur” ist, und der Film auch noch die Dreistheit besitzt, zwei weiße, heterosexuelle Männer in seinen Mittelpunkt zu stellen. Dass die Figur von Sharon Tate eine spezielle, sagen wir eher symbolische Funktion innerhalb dieses komplexen Films einnimmt, das kann nicht sein, Dirk Peitz? Nein? Ist nicht möglich, dass die Art und Weise, wie diese Figur im Film steht, ganz bewusst und konstruiert und von Tarantino nicht mal eine eben ins Drehbuch gerotzte Sache ist? “Sie hat eigentlich nichts zu spielen als eine flache Fantasie von einer Frau.”, so total betroffen Dirk Peitz, dessen Freiheit am Hindukusch verteidigt wird. 

    Ah, die Nachbarin macht ihr Skype-Telefonie-Geschrei? Da dreh ich doch hier mal die Musik nicht nur etwas lauter, sondern auch bisschen mehr Bass rein, ist es so recht?

    Die geile Kontroll-Konsole der riesigen Offset-Druckmaschine. Wie dieser dicke, archaische Apparat mit den dicken Tasten und roten Ziffern immer erweitert wird, indem man ihm immer mehr digitale Eingeweide einbaut, Gliedmaßen anfügt, und jetzt steht da dieses Ding, das diverse Jahrzehnte an technischem Stand zusammenführt, eine Collage an Apparaten und Zeit. 

  • So, 18.08.2019

    AUF DER ALBERNEN SEITE DER MACHT

    Seit Donnerstag schaue ich jedes Mal, wenn ich hier um die Ecke am Kino vorbeigehe, fast lüstern dem Plakat von “Once upon a time in Hollywood” hinterher. Mein favourite flirt grade, klar, aber wann seh ich dich, baby. Heute morgen noch fragte ich mich, ob ich da jetzt lieber alleine reingehe oder jemanden mitnehme, und ich habe noch keine Ahnung, ehrlich. Richard Brody, ein “erfahrener” (Adorno) Journalist von 71 Jahren, hatte neulich einen so dummen und kleinhirnigen Text dazu geschrieben, im New Yorker, mit so einer demonstrativ verschränkte-Arme-wokeness, zum Abkotzen öde und beschränkt, ich raffe es nicht, was mit den Leuten los ist, ob alle nur noch 6 Jahre alt sind oder grade vom Baum gefallen. Wie kann jemand wie Richard Brody von heute auf morgen komplett VERGESSEN, was Kunst ist (und was Kunst vor allem nicht sein MUSS) ? Was für ein Hinkelstein ist ihm da auf den Kopf gefallen? Wie war das noch: WÜTEND scrollte ich voran. 

    Ging ich am Kino die paar Meter weiter, um in die Neusser Straße einzubiegen, hatte sich da fürs Wochenende ein Straßenfestszenario aufgebaut, diese vielleicht wirklich normalste Prollform deutscher Kaputtness. Ich schlängelte mich durch den Parcours von Blobs aus Körpern in Richtung REWE, eine weibliche Schlagerstimme, die hart und laut aus den Boxen pumpte, sang  was von “20 Zentimeter”, ich glaube, es ging um einen Schwanz, bekam aber nicht mehr mit, ob es jetzt um steif oder schlaff ging, war aber irgendwie zufrieden damit, dass man die Leute hier einfach mit bisschen kühlem Bier und Untenrum im Griff hatte, das nahm der Welt kurz die Schärfe und Gefährlichkeit… es gibt doch echt schlimmere Formen von Käfighaltung. Mir fehlt hier bei “meinem” Straßenfest ja ein guter Reibekuchenstand, bzw. eine Reibekuchenmanufaktur, so geht die lingo 2019, da würd ich dann auch bisschen länger rumstehen und kucken.

    nun sitzt der Strobel y Serra
    mit seinem enorm vergrößerten Hirn
    in Frankfurt 

  • Do, 15.08.2019

    RHINESTONED COWBOY

    Ein Freund schickte mir eine Sprachmitteilung, die er wiederum von einem Freund bekommen hatte, und darin liest dieser Freund vom Freund, den ich nicht kenne, einen Eintrag aus meinem Buch vor. Zuerst weiß ich gar nicht, was das ist, aber dann erkenne ich den Text, und genau diese anfängliche Fremdartigkeit des eigenen Textes, durch die mir unbekannte Leserstimme, die den Text natürlich völlig eigen betont, liest, ja empowered haha, da konnte ich (nochmal) überprüfen: ja, genau so, wie er das da liest, so hatte ich das hingeschrieben, und so klingt es jetzt auch, durch einen völlig Fremden hindurch, wieder, und ich dachte: gut, okay, also geht doch.

    Nachts im taktisch geprägten Krieg mit Mücken.