• Mi, 05.06.2019

    SUN HITS THE WAR CAVE #3

    28 Grad, drinnen, leichter Luftzug. In beiden Ecken sitzen jeweils zwei junge Asiatinnen und reden, auf dem einen Tisch, smaragdgrüne FORM, eine Schachtel Marlboro Menthol, eine Schachtel Pall Mall auf dem anderen Tisch. 

    Auf Seite 9 in DeLillos Americana: “Quincy war in selten guter Form, erzählte eine Reihe von Witzen über polnische Hausmeister, schwarze Pastoren, Juden in Konzentrationslagern und italienische Frauen mit haarigen Beinen. Er traktierte sein Publikum mit Schocks und Beleidigungen und forderte die Leute zum Protest heraus. Natürlich lachten wir uns geradezu halb tot, bemüht, einander darin zu überbieten, wie fortschrittlich wir waren. Es sollte entkrampfend wirken. Wer von derartigen Witzen allgemein peinlich berührt war oder bei bestimmten, die die eigene Rasse oder Herkunft verunglimpften, empfindlich reagierte, war noch nicht reif, um in den Mainstream aufgenommen zu werden.”

    22:51h, draußen ist noch etwas Licht da. Stimmen aus YouTube.

  • Fr, 31.05.2019

    “Verein Dokumentation leidenschaftlicher Aufzeichnungen”

    Seifiger Geruch in der frühmorgens mit dem Hochdruckreiniger abgespritzten Unterführung zur U-Bahn-Haltestelle. Vermischt mit dem aus den Poren des Betons herausströmenden Uringeruch, entsteht so der größte begehbare Klostein der Stadt. Oder die Stadt selbst.

    23 Grad sind angekündigt. 

  • Di, 28.05.2019

    ICH BIN LEIDER SEHR LIEBEVOLL UND WERDE AUSGEBEUTET

    Slavoj Žižek greift sich verschämt ins Gesicht, verdeckt den Blick mit der Handfläche, seinen Blick auf exakt d a s Teilpublikum, das gerade, bei seiner Vorstellung durch einen Moderator auf einer Bühne der Universität Toronto, an der Stelle “… has not one but two doctoral degrees” in Jubelgeschrei + Applaus ausbrach (”Wouhhh!” – “Yeaah”), Double Whammy, Signum der Verhaltensauffälligen, vielleicht sogar, dare I say it, identitätsstiftender Affekt. Hart. Vor über 20 Jahren schrieb Max Goldt in solchen Zusammenhängen von einem “durch RTL geschulten Publikum”, heuer müsste man das bildsprachlich updaten.
    I feel for you Slavoj, noch bevor überhaupt 1 Satz zum Kommunistischen Manifest gesprochen wurde. 

    speaking of marxism: bei adidas und Nike hat, wie im Großkapitalismus öfter zu beobachten, die Giganto-Marktstellung die Originalität lahmgelegt (weil sie nicht mehr sein muss?). Zuviel Umsatz, oder “Erfolg”, macht eben faul und bräsig, wenn ich mir die neuen Trikotsätze für die kommende Saison in den verschd. Ligen anschaue (und im Gegensatz dazu die Designs der kleineren Marken, Umbro, hummel et al.). Verflachung in der gestalterischen Breite, dafür umso mehr Custom-Produkte, d.h. einzelne Sportler mit Exklusivverträgen der jeweiligen Ausrüster, die dann leicht bis grotesk überteuert auf den Markt kommen, und kleine Jungs verrückt machen: der Schuh von Ronaldo, der Schuh von Pogba, der Schuh vom Lockenflabes Antoine “Ich hab dazu ein Video gepostet” Griezmann. Mein Angebot steht, dass ich, als sog. Kunstaktion, für eine Saison die Trikots aller Bundesligisten (oder ausländische Liga, völlig egal) entwerfe. Ich meins ernst. 

    “geträumt und verführt” / “aufgeklärt und wachgerüttelt” – ja, was dazwischen bitte

    Zwei Texte, Standard Wien und FAS vom 28.5. (auch die einzigen, die ich darüber gelesen habe), über Morrissey enden etwas aufdringlich pointiert mit Smiths-Zitaten. Auch merkwürdig, wenn die thematisierte Person scheinbar die Form vorzugeben scheint. Über die Ausstellung von David Hammons bei Hauser und Wirth L.A., die ich freilich nur auf Fotos im Internet sehe, bin ich nicht weniger irritiert als über den von Morrissey getragenen Pin. Muss ja alles nicht schlecht sein, diese Irritation.

    Kurschrittbummeln unter von Regen fetten Wolken. Es ist fast Juni.