• Mi, 22.08.2018

    + WO SIE SCHON x DA SIND, DIE HERRENLOSEN KOFFER

    09:21h. In den letzten Minuten der REM-Phase geträumt, daß ich einen alten Schulfreund frage, ob seine Freundin nicht im CDU-Ortsverein sei? “Grüne” seine Antwort, und dann wache ich auf.

    Am Wochenende kamen Marc und Alex aus Bonn rüber, kurz in die artothek, dann gab mir Marc sein neues Buch mit, Eriwan. Ich wiederum Freitag mit Otto in Bonn, Hans Hartung Ausstellung. Man muss einfach einen in Mobilität eingeschränkten Greis in ein Gebäude schicken, so kann man viel erfahren über die wahre Funktionalität der Architektur. Der Schwachsinn einer Treppe. Und warum stehen diese Skreber-Karren direkt vor dem Rückriem, man sieht den gar nicht richtig, merkt man in Bonn gar nichts mehr?

    Montag, im Cafe, in dem auch frisches Brot gebacken wird, saß neben mir ein Asiate, der sich um 13:15 Uhr eine selbstmitgebrachte Flasche Primitivo aufmachte, für seine Käsestange, und dann trank er ein Glas und bekam den Korken ewig nicht mehr in die Flasche.

    “Dresden hat einen eingewitselt,
    der beim Kopfball mehr Volumen hat”

  • Fr, 17.08.2018

    GERADE HEUTE, WO SO VIELE ETABLIERTE NORMEN IHRE GÜLTIGKEIT VERLOREN HABEN, IST SEINE KONSEQUENTE INFRAGESTELLUNG VON WERTEN WIE “GUT” und “BÖSE” VON BESONDERER DRINGLICHKEIT

    10:39h. Der Göddertz-Brunnen, er sprudelt und sprudelt, derweil ich – ein paar Kilometer stadteinwärts – in der Buchhandlung Walther König nicht überhören konnte, wie sich zwei Kölner Galeristen der Premium-Sorte, freshly tanned, mit einem Kunstbuchverleger der Platinum-Sorte darüber demonstrativ, in der Lockerheit vielleicht auch sozialsituationbedingt einig waren, dass ja nun, nach der Ausstellung im Schaulager Basel, Bruce Nauman wahrscheinlich doch “der Beste” sei. Basisbegründung: die durch die Arbeiten Naumans hindurchstrahlende Lebenserfahrung. OK.

    Seit Tagen auch mit S. darüber spekuliert, ob nicht Bruce Naumann der wahre Dick Hebdige bzw. der wahre Dick ist aus I Love Dick? Würde gut passen – Cowboyhüte, Männlichkeit, Pferde, Ochsen, die Wüste, ein Ein-Mann-Phänomen, eine Ein-Mann-Auramaschine.

    Coco: that’s mean

    Zurück zum Brunnen: am Telefon erzählte Joachim Bessing, quasi der Walter Göddertz von waahr.de, dass zentnerweise Schlamm in den Filteranlagen der Grund für den Druckabfall in der Wasserzirkulation des silbernen Großbrunnens sind, der, das fiel mir erst neulich auf, aussieht, wie ein Bauhaus-Kronleuchter, an dem statt Leuchtmittel Satelittenschüsseln kleben. Später mehr.

  • Di, 14.08.2018

    THE SEX WAS SAD, MY COCK WAS CRYING

    Hier ist Rolf Hochhut

    Regen, erste Herbstsimulationen, veränderte Gerüche, die Krusten, die die Hitze formte, weggespült und verdampft.

    Email von Fr. von Bismarck, Thema E. Friedberger, ich machte parallel Youtube auf, hörte wieder, und wie sagte Iggy Pop über Eleanor: she puts you in a place. Danach zum Mittagessen mit dem Buchhändler, Oehlen/Kippenberger: Gedichte, scheckkartengroß, signiert von beiden, leider nicht meins. Dafür jetzt meins: Nackte Erscheinung, Octavio Paz über Duchamp. 

    Vorgestern Nacht “Kuhlenkampffs Schuhe” in der ARD Mediathek. Müde dabei, trotzdem echt sehr berührt, nochmal kurz erinnert: Deutschland. Wie Rosenthal in dieser Talkshow seine Geschichte erzählt, wie er sich versteckte, mit seiner sanften Art, hart, grausam, Menschen, Deutschland – hart. Das noch Härtere ist, daß Fr. Schilling mit diesem Film wahrscheinlich die Story von Millionen deutschen Familien mal so eben entlang dieses aus heutiger Sicht fast unerträglich biederen und harmlosen content erzählt, der natürlich kein content war, sondern vor allem: Gefühl. Eine Schonung, ein Ablenkungsmanöver, ein dezent hypnotisches Geräusch, wie eine Waschmaschine, durch Wände hindurch abgedämpft, das warme Rauschen einer Spülmaschine. Frau Schilling ist fünf Jahre älter als meine Mutter. Der Vater meiner Mutter verlor im Krieg einen Unterschenkel, war in russischer Kriegsgefangenschaft. Soldatenbilder gibt es nur wenige.

    Mit Anwalt im Kino, Mission Impossible 6, in den Feuilletons stand, es sei der “beste Film der Reihe”. Realität ist leider: der Film ist sterbenszäh und langweilig. Dann lieber die Jan Ullrich Story haha. FARTHOUSE