LIKE A HUNGRY GREAT WHITE
11:03h. Geduldig und hingehalten wartete ich im Song, der da im DriveNow Mietauto aus dem Radio kam, auf die entscheidenden, den Titel nun endlich ins Gehirn zurückrufenden lyrics, von einer jungen Madonna eingesungen im Jahre 1986 oder 1987, und als es endlich kam und mir kam und ich stumm ein “Ach ja” in mich hinein dachte – Who’s that girl – erst da war es mir möglich, dieses Lied auf die Musik hin abzuhören. Volle und satte analoge Arpeggios mit kurzem sustain, die aus diesem ultradichten, 80er-Jahre-kompakten Mix herausragten wie glänzende Messer.
Zu Madonna wiederum fiel mir dann ein, weil ich seit dem mittäglichen Anruf von Joachim Bessing die Kopplung “Bowie-Balthus” im Kopf hatte, das bei mir noch eine Playboy-Ausgabe aus dem Oktober 1994 liegt (die ich vorletzte Woche im Zuge eines Aufräumens bei Otto fand), in der Madonna von Norman Mailer (!) interviewt wird, also die Kopplung “Madonna-Mailer” schon irgendwo abgelegt war in meinem Organ. Vom Einfluss, den Norman Mailers Werk auf den “Düstermann” (R. Goetz) Matthew Barney haben sollte, ist noch nichts zu erahnen. Madonna übrigens, ist zum Zeitpunkt des Interviews, 1994, so alt wie ich jetzt. Ich nehm dies als knusprigen Zufall hin.
(…) Mailer: Na ja, der Künstler ist ein anderer Mensch als der, der das alltägliche Leben lebt. Der eine sagt zum anderen: “Unter der und der Bedingung gestatte ich dir….” Und die andere Seite sagt: “Laß du mich meine Sachen machen, dann lasse ich dir deinen Frieden.”
Madonna: Stimmt. Das ist interessant.
Mailer: Je älter man wird, desto näher kommen sich die beiden Hälften.
Madonna: Tatsächlich? Ich freu’ mich darauf, mit mir selber zusammenzukommen.
Paar Seiten weiter baut Mailer noch eine komplette Dekonstruktion des Kondoms ein, warum sie, Kondome, Teil einer “Verschwörung” seien, Ziel: Kettung der Menschen an die “gesellschaftliche Maschinerie”.
Sprung hinüber: Madonna im Dick-Tracy-Film, der mich als Kind so wahnsinnig beeindruckt hat, dieses andere Gotham/Prohibition City in einem anderen Kunst-Amerika, düstere Straßenzüge, Hochbahntrassen aus ölig schwarzem Stahl, diese gesichtsdeformierten Gangster, Warren Beatty in einem neapelgelben Trenchcoat, überhaupt diese satten Farben der Kostüme, der Hüte und Mäntel. Für mich damals, 8 oder 9 Jahre alt, ein erster ästhetischer Schauer, aber ohne Bezeichnung. Heute weiß ich das.
EXPRESS meldet, der Brunnen muss kommende Woche wieder stillgelegt werden, Wasserdruck lässt nach, unterirdische Filteranlagen müssen geprüft werden. EBERTPLATZMITHUMOR
18:01h. Wo ich sie grade anhöre: schreibe gestern eine SMS an Olaf Karnik, ob er schon die neue – wie ich finde – superschöne Laurel Halo (Ambient-)Platte gehört habe. Antwort Olaf: “Nee also Halo is bei mir unten durch seit Artist Talk mit Oberdepp Phil Collins (der Videokünstler, nicht der Genesis-Schlagzeuger, Anm. d. Red.) beim letzten Weekend”, woraufhin ich nur noch LOL hinzufügen konnte. Ganz unrecht hat Olaf nicht.