• Mo, 23.07.2018

    WERKSTOFFE

    Hitze und Wärme, im spielerischen Wechsel, das Atmen und auch die Tage werden wieder kürzer? Ja, bisschen ne. Upcoming: 34 Grad zur Wochenmitte. 

    auf rätselhafte und vermutlich
    irgendwie amerikanische Weise verdummen

    Freitagabend wieder mit Otto bei Palermo. Ganz eigenes Thema für sich: diese Italienischen Restaurants in Deutschland, und wie dieses Deutschland aus diesen Italienern diese blassen, grauen Gestalten macht, was ist denn da los, ist das wirklich so trist hier? Man muss es vielleicht befürchten LOL. Diesmal Pizza geteilt. Ob er mal Dieter Roth kennengelernt hatte, Ja, aber er erzählt lieber von Barbara Rütting. Die musste ich aber googeln. Topor habe er auch mal getroffen, fing ich dann gestern direkt mit Memoiren eines alten Arschlochs an.

    Die Appelbaumchaussee, nochmal den letzten Teil, mit Schwester Ambrosia, die sich im Sarg versteckt.

    Samstagnacht, zwischen 23.30 und 00.00h, gingen hier die Explosionen los, dicke und peitschende Knallexplosionen, unglaublicher Lärm, und in die kurze Stille zwischen zwei DETONATIONEN, da ratterten dumpf Helikopter, die nur ein blinkendes Licht weit oben im Nachthimmel waren. Nicht direkt Krieg, aber so ähnlich: FUN, finanziert mit öffentlichen Mitteln. Kölner Lichter. Ein Lärm aus den Schützengräben Ernst Jüngers, auf dessen Bücher sanft das Mondlicht… die ganze Albernheit dieser Stadt.

    Beim Rumlaufen, entschuldigung: Flanieren gestern: von einem Balkon in meiner Straße herunter hörte ich, wie ein junges Mädchen auf der Akustikgitarre “Wonderwall” von Oasis spielt, und singt. Sanft grauenhaft, und natürlich sehr süß. Das war wieder so ein Mikromoment dieser Zärtlichkeit, die so viel Dunkles und Böses hinwegbläst.

    Jillian Steinhauer, die ich doch irgendwoher (?), glaube Arts & Design Segment der NY Times (?), schreibt über Aline Kominsky-Crumb: “Sex and relationships with men are not the central trauma of Kominsky-Crumb’s life—as we quickly learn, her parents are.”  

  • Mi, 18.07.2018

    LOVE GROWS IN A MANGO TREE

    – Abends das Licht fährt ne ganz harte weiche Welle

    Und Ich zu Fuß durch den frühen Hitzeabend, dem ein amtlicher Hitzetag vorausgegangen war, der hier Flächen und die Dinge und die Menschen so aufgeladen hat mit Wärme und Energie – wo jetzt jeder selber klarkommen muss, wie er mit der umgeht – durch die Altstadt zum Rathaus, Verleihung der Stipendien etc, in der Piazetta, da saß man unter der großen Scherbe von Hann Trier, meterstark und bunt, und ächzte. Ist das Adenauer-Porträt eigentlich von Bernard Buffet? Es sah von meinem Platz danach aus, und wie ich da dachte: gleich gehste mal hin und machst ein Foto, da hatte ich es wenig später auch schon wieder komplett vergessen.

    Zuviel gleichzeitig – oder zuviel vom Gleichen?

    Die armen Stipendiaten mussten dieses Jahr sog. Video-Porträts, zur “kurzen Vorstellung”, im Stile des Bachmann-Preises ungefähr, über sich ergehen lassen, die Armen, echt, aber sie haben’s alle ganz gut gemacht und kommen sympathisch und gut normal rüber, ohne dieses Gespreize des Ichs ins Unendliche und ohne diese fast schon aggressive media savvy, die heute so viele drin haben und die man natürlich auch bewundern kann, aber die auch so ganz profan nervt in der Häufung. OPTISCHES ZEITALTER

    In den Argonauten (M.Plessner): “Sie überließ ihm die Gesprächsführung, widersprach selten und nur in Form einer Frage, lachte über Witze, die sie längst kannte, und bewunderte ihn sichtlich uneingeschränkt: kein Vorbild für Feministinnen.” Plessner über Hannah Arendt und Heinrich Blücher.

    Dazu fällt mir, quasi dem hinzufügend, ein, diese eine Stelle im Interview von Arendt mit Günter Gaus, wo sie sinngemäß sagt: es stehe einer Frau nicht, sei nicht schicklich, wenn sie Befehle erteile (und sie weiterhin ihre weiblichen Qualitäten behalten wolle) – heute können wir Frau Arendt zu dieser komplexen ästhetischen Empfindung nicht mehr befragen, und ich denke: Gott sei Dank

    Zu verschenken:
    Betonrohre

    In der Bibliothek im Ludwig bisschen gearbeitet, danach vor Ort bisschen in den Briefen von George Grosz gelesen. Briefe natürlich AUCH Zeichnungen, wunderschön, komplex, und ein unforgiving Strich

  • Sa, 14.07.2018

    A PATH OF WEEDS AND FLOWERS

    Erschienen in Weltkunst

    Ray “Raymes” Pettibon, mit rotem Shirt und grauer Hose, sowohl als auch mit Flecken von Tinte, neben ihm, rechts, Mike Watt, das ewige Flanellhemd sportend. Belgien hingegen heute in Gelb-Schwarz, England in Rot-Weiß.

    “I think you are too many years in Germany”, sagte Arik Vardi im israelischen Fernsehen zu einem jungen, etwas pummeligen Igor Levit, weil er, Vardi, meinte, eine ZU deutsche Aussprache von “Mussorgsky” bei Levit erkannt zu haben. Levit, das seh ich im Twitter, wird bald eine neue CD, nein halt: ein neues Album, herausbringen – sehr guter Titel: Life. Ich bekam vor ein paar Jahren ein Album von Levit von der Ärztin als Geschenk, natürlich: Beethoven.
    Und so, über diese praktischen Hyperlinks, fand ich dann heute auch, der Himmel vor lauter Sommer blau glühend, wieder den Weg zu Murray Perahias Einspielung der Französischen Suiten.
    … und in einer anderen Folge sagt Andras Schiff: “There are some advantages of getting older….. not many.” NOTMANY

    und so kam es, daß ich schweigend noch ein paar Zigaretten in mich hinein rauchte