• Fr, 08.06.2018

    LEBEN IN DER ANTIZIPATION /
    FIRMA CUMULO-NIMBUS, IHR STARKER PARTNER WENN’S UM GEWITTER GEHT

    10:04h, es regnet, regnet… herunter. Und es riecht hinauf. 

    Liege hier schön bei offenem Fenster, die nackten Füße auf der noch vom Waschgang duftenden Bettdecke, und schöner nur als Basic Channel, JETZT, ist der Sound des Wolkenbruchs. Und wie ich das hinschreibe, dreht jemand, faded jemand ganz sachte das Geräusch heraus.

    Der Eindruck der vermaledeiten Zustellungs-Kette der Deutschen Post wurde neulich schon mit der Ärztin besprochen. Hass schlug durch. Es ist heuer eine besondere Nervenstrapaze, auf ausgewählte Post zu warten, vielleicht auch, weil mittlerweile state of the state ist: PRESS SEND, und ab. Ich ging also nochmal die ganze Minima Moralia durch, fand aber keine superpassende Stelle.

    Dienstag kam das gelbe und neue und 21ste metamorphosen-Heft hier an (siehe Deutsche Post), sofort fällt mir auf: geiles Layout, speziell, daß mein Text (Entschuldigung) zweispaltig gedruckt wurde. Ein guter Look, so will ich’s ja eigentlich auch immer haben: wie eine Zeitung. 

    Im Atelier wird es nachmittags extrem backofig, stehende Hitze, ein feiner Film von Schweiß auf meinem Körper, und das Denken ist eher zu vermeiden, also wenden wir uns der MATERIELLEN PRAXIS zu.

    18:12h, im REWE Markt kommt mir das entschiedene Dah-dah! eines winzigen Babys vor wie eine universelle Beschwerde gegen die Welt und ihren Zustand, von irgendwie höherer Stelle kommend.

    Zuvor, im Kaffeeladen, wo ich mit Kraussers Tagebuch saß, neben mir zwei chicks, die eine hat ziemlich schöne Brüste und eine schöne Nase, will aber ins Fernsehen, so hab ich es verstanden, und die andere sagte immerzu megageil und einmal sogar “Kickboxen ist sauanstrengend”, JA OKAY

    Die Nachricht vom Suizid Anthony Bourdains

  • Mi, 30.05.2018

    DADEBC#

    09:21h, heiß. Wehren gegen den Hass, wehren gegen Deutschland am Morgen: irgendwer bohrt und sägt und hämmert wieder die ganze Nachbarschaft runter, DEUTSCHLAND. Deutschland hat deshalb keine Sommer, weil immer irgendein tief ins Nervensystem stechender Lärm erzeugt werden muss, damit der Deutsche weiß, dass er ARBEITET, und Gott ihn liebt – nicht, weil das Wetter nicht sommerlich wäre. Ist mir unbegreiflich einfach. Guten Morgen!

    Fledermäuse fliegen in der Dämmerung ihre Runden hier im Innenhof, schwarz und lautlos, jeden Abend. Gestern stand ich am Fenster und sah der einen einige Minuten zu, beim Steil- und Sinkflug. Für mich nur sichtbar, wenn sich der kleine, zierliche Fledermauskörper vor der grauen Hauswand gegenüber abzeichnet. Einmal kam sie recht nah an mich heran, drehte kurz vorher unglaublich schnell ab. Weil ich ihr so genau zusah, war mir fast schwindelig, kam ins Taumeln (bzw. es war wie eine Lust aufs Taumeln), und ich dachte kurz: so könnte ich aus dem Fenster fallen, nein, anders: so zöge es mich runter, vier Stockwerke, zehn Meter, weil ich ihr ganz nah sein will, der Fledermaus. Nicht suizidal, einfach aus Faszination für dieses kleine, geräuschlose Tier. 
    Im Hintergrund die Textstelle im Youtube-Video, die ich wirklich tagelang gesucht hatte, nur: im falschen Filmchen. Jetzt der richtige Film, die richtige Stelle. Zuckermans Befreiung.

    The persecutive Spirit was ON

    (das herausgerissene krause haar zwischen den fingern, im gegenlicht des monitors seine komplett unglatte, fast wirre form, und das ich jetzt ans feuerzeug halte.
    das geräusch, das es brennend macht, dieses knistern, erzählt von der dicke des haars, vom material, aus dem ich bestehe, das altert, verfällt, während das ICH, vielleicht unglücklicherweise, jünger bleibt. immer.)

    Die Ärztin ärgerte sich über die Post, und ich spürte, dass sie echt auf 180 war, wegen der Wüste in ihrem Blut. Aber recht hat sie. 

  • So, 27.05.2018

    BARACK OBAMA, GIB ROBERT INDIANA SEIN LAND ZURÜCK

    In schwarzem Mercedes C 180 Cabrio AMG nach dem Hotel Katzbach, durch blühende Landschaften, durch eventuelle Gewitter. Die deutsche Autobahn hat schöne, glatte Haut, ist ewig jung. Ist es der Sonne Ornat?

    Bei Sprüth Magers, Andro Wekua mit schlieriger Voll-Paint-Ductus-Malerei auf modernem Bildträger (Alu-Dibond), in hochpolierte Alu-Schattenfugen eingelassen, nervöser Collage-Appeal, nervöser Zeichnungs-Appeal, Übermalung zu gesiebdruckten Real-Foto-Elementen, nervöse PORTRAITS.

    Wie ein Backofen aufgeheizt die Hauptstadt, stinkt wirklich extrem, macht aber nix. Überall blasse dürre Asiaten mit Topfschnitt und in zu großen Trainingsanzügen aus Ballonseide: DAS IST MITTE, und darin suchen viele ihre eigene. Es ist schön, wie wenig ich nachdenken kann, in Berlin. ubahntreter, Halal, Nafis, der köstliche Saft einer oder mehrerer Karotten.

    Im Bergmannkiez zwei Philip Roth Bücher gekauft. Junge Mütter in halbdurchsichtigen Sommerkleidern, Hunde, und alles so schön weit weg vom Terror des eigenen Wohnens. Aber hier leben? Ich weiß es nicht, WIRKLICH.