• Sonntag, 17. September

    Berlin, 12:36h

    Hier ist diese Frau, die nahezu jeden Sonntag im Innenhof per Hand Styropor-Scheiben zerkleinert, damit das Zeug in die Mülltonne passt. Verstärkt durch die akustischen Bedingungen eines jeden schmal gebauten Innenhofs, klingt es, als würde sie yogamattengroße Scheiben von Knäckebrot zertreten. Von weiter oben wabert verhallte, türkische Musik in diese urban composition mit hinein, ein Wahnsinn. Mach doch mal jemand laut Mahler, bitte, so agitiert bin ich schon. Durch ein kleines Trapez kann ich den Himmel sehen: blau und wolkenlos.

    In welche Welten man einfach nicht hineinkommt. Komplett verplombt.

    Gestern kamen von Frau B. die ersten Versionen des Plakats, für die Ausstellung im November. Titel: Oh, what fresh hell is this?
    Und für mich ist das auch kein weißes Rauschen: so herrlich oft ist da diese Situation, man reibt sich voller Freude oder Abscheu die Hände, kann kaum atmen, und fragt sich: welche neue Scheußlichkeit ist DAS denn bitte –
    Love & Horror & alles dazwischen.

    Kleine Mail nach Toronto, kleine Mail zurück. Im Atelier gestern so irre ruhig, so friedlich. Noch 13 Tage.

    Freitag: Briefwahlbrief abgeschickt: GEWÄHLT

    Feeling blue: scientists – and lonely people – have been tracking a single blue whale who sings,
    unanswered,
    at a frequency other whales can’t hear.

  • Freitag, 15. September 2017

    Nicht Löschbares Feuer

    Berlin, 10:31h

    Mittwochabend, tatsächlich nur wenige Meter entfernt vom Grab Harun Farockis auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, die Eröffnung der Retrospektive “Harun Farocki” im NBK. Als S. und ich dort ankommen, circa 19 Uhr, haben sich im Inneren bereits Massen von beweglichen, dunklen Mänteln zu einem schwarzen Blob geformt, der durch die Fensterscheiben eindeutig sendete: hier voll. Du musst es wollen.
    Bereits Dringewesene zünden sich ächzend auf dem Trottoir Zigaretten an. 

    Wir wollten nicht so sehr. S. schlägt vor, schon zu den KunstWerken vorzugehen. Es ist noch mal ein relativ angenehmer, sanft warmer Abend, die kalten Winde hielten sich jetzt lange zurück – IM WINDSCHATTEN DES SOMMERS
    Vor den Kunstwerken 200 Meter Schlange, die Dämmerung färbte die Fassade der Auguststraße bläulich. Auch dort dann nur ein Bier im Innenhof, Dan from New Jersey kommt dazu, schon wieder geht Isa Genzken vorbei, ich könnte schwören, in denselben Klamotten, wie vor gut vier Wochen auf WT’s Geburtstag. 

    In der Mädchenschule gegenüber ein paar Bleistiftzeichnungen von de Kooning, kurzer Blick: sehr gut, fantastisch, de Kooning. Auf dem Dach ein DJ, der eine nicht anwesende Menge zufriedenstellen möchte. Ich leider schon etwas nervös, weil gleich Fußball.

    Gestern Berlin Art Week – gülden liegt da vor mir: das Gleisdreieck… im Hof ein etwas aufgedunsen wirkender Holm Friebe, innen Horzon, der scheinbar zum Berliner MacGuffin wird für mich.
    Es ist angenehm gefüllt dort – Preview-Zeit – der Kaffee ist der heißeste der Welt, und als ich ihn da abkühlen lasse, steht doch auf einmal mein ehemaliger Prof vor mir: “Naaa?!” – Guter Tag, konzentriert verweile ich noch bis 18 Uhr, esse Schokoladenkuchen, trinke ein Bier. Ich habe – ganz ehrlich – wenig anzuprangern.

    In der Basis-Station: die Katze so hungrig, dass sie jetzt die vertrockneten Stückchen Futter von gestern Abend noch aus dem Schälchen zu schlecken versucht. Manchmal beißt sie kurz in ein Bastkörbchen, was ich total verstehe. 

  • Donnerstag, 7. September 2017

    Der Künstler lebt im Spiegel
    Mit dem Echo seines Selbst

    Heute vor einem Jahr: Helge Achenbach – “Art Consultant” – erster Freigang im offenen Vollzug in der JVA Moers-Kapellen, genannt “Ponyhof”

    In kaltem und böigem Umschlag der Tag gestern. Der Wind hat jetzt auch einen anderen Ton drauf, trägt einen eisigen, härteren Kern. Jetzt beginnt auch die Zeit, in der die Berliner vom Winter sprechen wie von einem Monster. 
    Die Problemchen sind immer im Kopf, der In-der-Fremde-Effekt von Berlin aber noch nicht völlig verweht. Heute u.a. zu Sergej Jensen, viel Glück damit, junger Freund.

    Was interessiert mich eigentlich grade?