Gefangen im Lärm
im Namen des Herrn
Berlin, 15:38h
Ein Wirbelsturm, dem man den schönen Namen Irma gegeben hat, bewegt sich auf die karibischen Inseln zu. Dargestellt als eine sich im konzentrischen Reindrehen festgefrorene, vielfarbige Blüte, Violett, Blau, Hellgrün, Gelb, Rot. In der Mitte ein mit absinkender Luft gefülltes Auge, vollkommen ohne Ausdruck, indifferent, kilometerweit aufgerissen. Dort ist der friedlichste Punkt des Sturms.
19:25h
Ein anderer Sturm pfeift und poltert hier um das Atelier-Gebäude herum, die Gerüste wackeln, die Folien zittern im Zwischenraum der Doppelfenster. Teile des oberen Baugerüsts gegenüber fallen jetzt grade, in diesem Moment, hinunter, aber es sind nur wenige Teile, die sich gelöst haben und nun wie abgeknickt herabhängen. Graue Planen, durch Windböen regelrecht verdroschen, machen einen irren, knallenden Krach. Lange Wolkenbänke ziehen vorüber, das Licht dahinter ist blässlich Grau und Gelb.
Auf dem Hinweg sah ich ein Eichhörnchen, das hatte noch die Nuss im Mund, damit es beide Händchen frei hatte für’s Klettern.
Vor zwei Wochen hingegen muss ich eine Ratte beim Betreten des von mir so genannten Gestapo-Innenhofs so dermaßen überrascht haben, daß sie beim Fluchtversuch mit dem Kopf zuerst gegen eine Bordsteinkante rannte, zurückfiel, sich kurz schüttelte, und von neuem Anlauf nahm.