• Mittwoch, 30. August 2017

    Sensibler Schwamm Piece (2017, Dimensions variable)

    Berlin, 12:29h

    Im Vorbeigehen die Architektur aburteilen, s o wird das gemacht. Da weiß man doch direkt Bescheid.

    Aus ruhigen Träumen erwacht, wird sich beim Augenaufschlag am Morgen erstmal mit der Gebäudesubstanz verbrüdert. Vier Wände: die vier besten Freunde. Im Land der Dichter und Sägen, da hör’ ich die Vögel. Ich lass mich jetzt mal selbst überraschen davon, was ich in der heutigen Zukunft mache, aber eines garantiere ich mir – noch liegend – selbst: Qualität. Der 30. August*, er kommt mit einem spektakulärem Konzept zu mir: Sonne, Wärme, aber: ist das noch lebensnah? Ja oder: muss ich den Tag beschützen, und mich selbst aus ihm herausnehmen?

    Und dran denken:
    immer viel trinken

    *August 30th is a contract killer, artist and poet, currently living all over the place. It is the author of Summer Poem: Vol 1 (1982) and Late Summer Acceptance (2003). Recently, it has been the subject of solo presentations at Musée d’Art Modderné, Paris (2015), and Société, Berlin (2014), and in 2015 included in group shows at Pompo Verde, Rome, and LUMA Westbau, Zurich and The Jewish Museum, New York (2015-16); The solo exhibition ‘Missiles over Japan’ opens in Berlin, later this year.

  • Donnerstag, 24. August 2017

    Berlin, 12:19h

    Der Verlierer der Challenge

    muss zurück ins Nichts

    Beginn beim Kleinsten, Alltäglichsten

    Gestern im grauenhaften Prenzlauer Berg, mit Nicole und orangenem VW-Bus zu Boesner. Keilrahmen, museo45, 180 mal 170 cm, Querleisten, zwei Leinwände á 60 mal 50 cm, Old Holland Mars Black 60ml, Talens Cobra Cadmium Red Deep 40ml, zwei Gläser mit Verschluss, ein Synthetik-Pinsel Gr.12, ein japanischer Pentel Marker, 120 Euro. 

    Die Schönheit der Old Holland Tuben. Ablecken will man die, berühren und darauf herumdrücken. Der Widerstand eines silbernen Körpers, sanft gemuldet, Hügel und Täler.

    Das Nichts nichtet, und die zwei Mangos, die ich Montagabend am Kotti für je einen Euro bei einem türkischen Mann unter einer Zeltplane gekauft hatte, tragen mittlerweile zwei braune, sich ausweitende Läsionen. Unangenehmer Gedanke: um Fäulnis herum zu schneiden. Da endet auch schon meine Phantasie. In anderen Tümpeln aber, lass ich mich liebend gern tief in den warmen Schlamm ziehen.

    Auf dem Rückweg, der Himmel schon tiefblau abgeschattet, roch ich das, was Eric am Tag zuvor schon den “Herbst” genannt hatte. Eine Note von Fichte war zu riechen, nicht Hubert, der Baum.

    In dem kleinen Stück am Ende der Görlitzer Straße, wenn nur noch ein Stück Straße zwischen ihr und dem Kanal liegt, öffnet sich nach oben hin etwas, eine Schneise, eine Leerstelle eher. Ich kriege das jedes Mal, wenn ich dort langgehe, gar nicht richtig drauf, bzw. habe es bis jetzt noch nicht richtig begriffen, daß es dieselbe Straße ist.

    Alles denkt, alles denkt, 
    Gute Nacht

  • Sonntag, 20. August 2017

    WT GÄSTELISTE

    Berlin, 12:00h

    Wie ich am lauen Mittwochabend auf einmal oben auf dem Dach eines Berliner Hauses am Moritzplatz stand und dann fällt einem dieser Film auf, der über den Köpfen der Menschen gezeigt wird: Abenddämmerung. Ganz still ist der und natürlich – wie immer – brutal schön und die Wiederholung möchte ich auch unbedingt sehen. Am Geländer, ein wenig abgeschlafft: ein blau leuchtender LED-Ballon. Und diese Gefühle alle. Und dann vergißt man alles, bis zum nächsten Mal. 

    Dann ging man – gleich wieder da! – kurz ins Drogenzimmer um unter der Aufsicht von Ärzten und bei ausgeschaltetem Licht, LOL, die Droge der Wahl zu sich zu nehmen, und was folgten, waren schöne, schnelle Stunden, in denen ich mir selbst eine kleine Aufgabe auferlegte, um auch mit der ganzen Energie klarzukommen: Drinks besorgen, für die anderen. People love that, echte Dankbarkeit in ihren verengten Blicken, und für süße Frauen eh SUPERGERNE. Auf diesem Wege läßt sich auch ganz gut das personelle Ausmaß der Party überblicken, Zuordnungen machen. Treffe Timo, der geht im April für drei Monate nach Kyoto: Glückwunsch, Freude! Kurzes Gespräch über unsern Beruf, über unsern alten Prof. Dann war da noch diese blonde Amerikanerin, aus Albany, NY. Albany River Rats dachte ich, und sagte das auch laut, was keiner verstand. Dann Marylin oder Mary Lynn, ihre Zähnchen haben es mir irgendwie angetan, ich kann mich nur noch an ihren Mund erinnern, wenn die Schneidezähne so ein wenig vorstehen, keine Ahnung, das scheint so ein Ding von mir zu sein. S. trug den neuen gelben Pulli, sehr gute Farbe für ihre Haare und Augen, und die kurzen Ärmel des Pullis betonen irgendwie ihren Hals. Mein Hauptberuf ist ja SEHEN. Klar seh ich Isa Genzken, die steht doch da. Und das, das war doch Frau Koether?
    Einmal benutzte ich den kleinen Bambusverschlag mit Pinkelrinne, der extra angelegt worden war. Ein schönes Gefühl, pissend auf einem Dach, der noch halbvolle Drink steht sicher abgestellt im Waschbecken. Der Abend versank dann in Zigaretten und Gin Tonics und Spekulationen über Titten und das Kuratieren. 

    Die folgenden, naßgeregneten Tage.

    Am Freitag fiel im Medizinhistorischen Museum der schöne Satz: “die Moulagen wurden damals vor allem von armen Künstlern angefertigt, die Geld brauchten” Ja klar, glaub’ ich sofort