• Dienstag, 1. August 2017

    Berlin, 10:20h

    Auf der Autobahn an einem Montagabend, es ist fast Zehn, seh’ ich dann, wie sich zu unserer Linken ein hell und rosa aufglühendes Band aus der Senke der vorbeiziehenden Landschaft erhebt um Mitteldeutschland gänzlich zu umwickeln. 

    Einige Momente vorher schon kam uns die Auflösung des Bildes: Sonne, die zwischen zwei großen, silbernen Wolken steht, extrem hoch vor, alle Konturen schienen gleich scharf gezeichnet, von hinten gelblich angeleuchtet. Vor dem Rosa also war da ein blasses Gelb gewesen, die Luft warm und laut, durch den Spalt des Fensters. 
    Mit 180 Kilometern pro Stunde bewegen wir uns entlang langsam in Schwärze versinkender, wasserloser Gestade. Fernab regelt Timecode die Lichter der Städte. 

  • Montag, 31. Juli 2017

    Im sanften Licht des Sommers
    but I couldn’t manage

    Worte auf Plakaten: Eigenheim ist eine von diesen Horrorvokabeln. DAS will man nicht, das klingt nach sich selbst einweisen in eine Klinik, die man selbst gebaut hat.

    Ein Engel als Lüsterweibchen auf einem Wappenschild, Lindenholz, um 1640

    Meine junge Vertrauensärztin, Frau Dr. von Bismarck, segelt passioniert, am liebsten kosmisch. In einem früheren Leben, sagt sie, war sie ein Skorpion im Südwesten Arizonas, in der Nähe von Yuma. Dort wird es in den Sommermonaten so heiß, daß die Skorpione in die swimming pools der Menschen flüchten. Ganze Tage verbringen sie dort unter Wasser, mit aufgerichtetem Schwanz durchqueren sie die türkisfarbenen Becken. Die Ärztin kann noch heute die Kühle des Wassers spüren, sagt sie. Mit grünen Fangnetzen wurden sie eingesammelt. Jetzt sei sie eben Ärztin. Bis tief in die Nacht liest sie in ihren Büchern, während ich schon längst schlafe.

    Was notiert Thoreau? Das hier: Immer noch krächzt die Krähe vom Nawshawtuct

  • Donnerstag, 27. Juli 2017

    du bist mega die Nutte, musst du halt sein als Künstler – Dr. von Bismarck, Ärztin

    Finstere Wolken bauen sich hier auf in den späten Juli-Tagen, extrem böse und schön sehen sie aus, wenn die oberen Ränder, noch von durchdringenden Strahlen erfasst, gülden leuchten. Darunter fällt ein grauer Vorhang steil und brutal ab, bis auf die Fläche, wo die Menschen sind. Die nasse Luft und die müden Hirne, und immer wieder kleine und mittelgroße Gespräche, Zeichen aus Venedig oder Kassel. Realistisch ist, daß ich es weder da- noch dorthin schaffen werde dieses Jahr. Starb schon jemals einer an einer Überdosis selbsternannter radikaler Kunst?

    Appell an die Ketaminjugend

    Untermietersuche: Horror. Alles Organisatorische mit mehr als drei Beteiligten: Horror. Verbindlichkeits-Skills im Age 2017: Horror. “Aber die Kamera ist geil.”

    Neulich, O. war da, und mit ihr über den male gaze gesprochen, daß sie ihn versteht, nachvollziehen kann, woher das kommt. Sehr interessant auch ihre Ausführungen darüber, warum junge Mädchen sich zum Androgynen, zum Unmännlichen hingezogen fühlen. Sie beschrieb das so, und ich kam mir ertappt vor, weil ich es so wirklich noch nie betrachtet hatte. Dann wiederum die Feststellung, daß wir jetzt beide ins Alter kämen, wo einen Jüngere interessierten, rein körperlich natürlich, denn alles unter, sagen wir 27, hat erwiesenermaßen keine Ahnung von irgendwas. TERMIN VERLÄNGERT: MIMETISCHE PHASE