CLASSIC C1 Hardfloor
Im Saturn Hohe Straße ging ich zwischen den zwei Reihen Miele-Staubsaugern hin und her. Die verschiedenen Modelle, in Weiß, Bordeauxrot oder Ultramarinblau, mit sanft enigmatisch-sachlichen Produktnamen. Sie standen dort jeweils einmal präsentiert auf einem Turm aus Miele-Kartonage.
“Teil der Miele-Familie sein…” flüsterte ich schon zu mir selbst, als ich mich auf graublauer Auslegeware der Abteilung näherte. Vorbei an den käferartigen und durchdesignteren Staubsaugern, deren Staubauffangkammer aus durchsichtigem Acrylglas bestehen, kleine einsehbare Flachsilos für Fusselvoyeurismus. Ich war mir sicher, aus dem Alter raus zu sein. Zurück zum Beutelsauger, mein Entschluss stand und steht fest.
Von Miele träume ich schon etwas länger, und als ich ein paar Tage zuvor auf dem Instagram-Account einer amerikanischen Rockmusikerin, in die ich seit Jahren verknallt bin (und an deren Haaren ich wahnsinnig gerne riechen möchte), einen post sah, auf dem sie angab, noch nie in ein elektronisches Haushaltsgerät verliebt gewesen zu sein, bis jetzt, denn nun habe sie einen Miele-Staubsauger, ein weißes Modell, den man dann auch auf dem Foto sah: wie ein schüchterner, schöner mittelgroßer Hund saß er friedlich auf dem Teppich… – da jedenfalls war ich überzeugt, daß auch ich einen Miele will. Ich war mir sicher, daß sich hinter diesem konservativem Design der Geräte, hinter der optischen Unscheinbarkeit etwas substantiell Besseres verbarg. In dieser Vermutung, glaube ich, sah ich mich auch als Teil einer Idee von Opposition, einer Opposition im Optischen Zeitalter.
Die Tendenz geht zur Modell-Reihe Hardfloor, der Name ist schon so geil. Über die Farbe muss ich noch nachdenken.
bei anschwellender Militanz
und den eigenen Emotionen misstrauen