• Mittwoch, 5. Juli 2017

    Da wach ich auf und am Stipendiatenhimmel lacht die Sonne. 

    Auf FAZ Online versucht, ein Interview zu lesen, ein Schriftsteller namens Michael Kleeberg hat irgendwas zu irgendwas gesagt, im Rahmen der Frankfurter Poetikvorlesungen, er habe das Publikum “erregt”, schreibt Platthaus. Geil, er hat es also ERREGT. Immerhin. Man muss so ein Interview gar nicht wirklich lesen, denn es ist ja klar – wenn ich jetzt hier die sensiblen hashtags der Gesellschaft durchgehe – um welchen Mechanismus es hier geht. Aber der Vibe, den Kleeberg von sich ausgesendet wissen will, ist der hier: 

    “In dieser dialektischen Denkbewegung sind Sätze gefallen, die bei irgendwelchen Leuten im Publikum – ich weiß nicht, bei wie vielen – Alarmlampen haben aufblinken lassen, nach dem Motto: Darf man solche kritischen Fragen stellen, die eventuell auch den Beifall der Falschen auslösen können?”

    Feinster Horrortalk also, aus den ultra unbequemen Denkbewegungen einer Günter-Grass-Academy etwa. Leider kann ich jetzt gar nicht mehr nachvollziehen, um was es eigentlich geht in der Sache.

    Am Montag gab der Notar ordentlich Gas am Mittagstisch. Ohne große Mühen zog der beurkundende Fantasto-Greis alle Sympathien und Aufmerksamkeiten auf sich, nachdem er im Rathaus noch locker mit der Oberbürgermeisterin geplaudert hatte. “Crazy Stories” en masse, Personal aus höchsten Ebenen, wenn er so weiter macht, kann ich irgendwann den neuen Zauberberg schreiben, oder Simplicissimus. Gott, egal welcher, lohne den Notar.

    Friede liegt im Anblick schöner Frauenwaden. 

  • Dienstag, 4. Juli 2017

    Lippenleser enthüllen

    Hansasaal, vormittags. Die Seitenwände: neue Maßwerkverblendungen aus Reimrather Trachyt und Tuffstein. Im gotischen Fialwerk an der Südwand: Alexander der Große, Hektor und Julius Cäsar,
    Judas Maccabeus, David und Josua,
    Gottfried von Bouillon, König Artus und Kaiser Karl den Großen. Servus Jungs. Um 12 dann alles vorbei. Gut so.

    “Und, wie fühlt sich das an?”

    Über die Tupfelhyäne: Die Paarung kann das ganze Jahr über erfolgen. Im Balzverhalten der Männchen wird deutlich, dass sie zum einen fortpflanzungswillig sind, zum anderen aber Angst vor dem Weibchen haben und lieber davonlaufen würden. Darum nähert sich das Männchen dem Weibchen vorsichtig mit mehreren Verbeugungen und weicht wieder zurück. Letztendlich entscheidet das Weibchen, ob eine Kopulation stattfindet. Aufgrund des speziellen Baus des Genitaltraktes ist es für männliche Tüpfelhyänen unmöglich, die Kopulation zu erzwingen, was bei anderen Säugetieren durchaus häufig vorkommen kann. Ist das Weibchen nicht empfängnisbereit, nimmt es von der Balz des Männchens keine Notiz oder begegnet ihm sogar aggressiv. (Wikipedia)


    I have the laziness of a young person but I’m old

    Unter dem Radar. Underground- und Selbstpublikationen 1965 – 1975.
    Hrsg. Jan-Frederik Handel, Annette Gilbert, Tania Brill
    Spector Books

  • Samstag, 1. Juli 2017

    Extrem gut riechender Regen fällt im Lot aus einer grauen, allumspannenden Zeltplane herab, auch auf den Sarg Helmut Kohls.

    Auf dem Handlauf meiner Feuertreppe sitzt eine Taube, ihr Schnabel ist rot und auffallend orange gefärbt, Minuten später sehe ich sie von einer anderen Taube sexuell bedrängt in einem Bambus abhängen. Gestern schon sah ich zwei Tauben sich weit oben im Geäst einer Eiche flügelschlagend balzen, es scheint mating season zu sein. 

    Weil die Augen von Laurel Halo so schön grün sind und ihre Zähne so erotisierend, klicke ich auf den Link zur taz-Besprechung der neuen Platte, Dust, und da war leider nach fünf Zeilen sofort wieder klar: Deutsche Zeitungen können Musik nicht. Keine. Warum eigentlich? Kein panache, kaum idiosynkratische Zugänge, verlängert in Worten, nur mattes Schablonieren, nuttiger Umgang mit Nullplätzen, starr, brutal langweilig. “Sie können es einfach nicht”, würde Rudolf Augstein sagen, im Bademantel auf dem Bett eines – sagen wir – Bonner Hotels liegend. Nein, auch Tobias Rüther nicht, Entschuldigung. The Pop needs a jolt, ihr Nasen.
    In anderen Textbereichen: ein riesiges Gewese um den Text eines Johannes Gabriel (ein Pseudonym, wie jetzt klar ist) in der “Fremde Federn” Rubrik der FAZ (“Schwule und Lesben aller Länder: Besinnt euch!”), Thema Ehe für alle. Stefan Niggemeier, ich las eine Twittermeldung dahingehend, schien für seine Verhältnisse extrem aufgebracht, er schrieb von “brutaler Homosexuellenverachtung” und ich war so neugierig geworden, daß ich beschloss, den Text n i c h t zu lesen. Friedlich schlief ich ein. 

    Gestern Ganzkörpermüdigkeit, pomadige Knie, extreme Fliehkräfte im Schädel. Vom neuen Atelier kann ich nicht sprechen, noch zu frustrierend. G.L.O.W. ein großer, zärtlicher Spaß.