• Dienstag, 20. Juni 2017

    Traum von Vorgestern auf Gestern: Ich habe eine Ausstellung in nicht genauer von der Traummasse zu isolierenden Räumen, sie sind einfach da, zwei Stockwerke, gedimmtes Licht, aber ich kann nicht mal genau sagen, wie viele Arbeiten ich zeige. Mein Professor ist auch da und ich sehe, aus einer Drohnenflug-Perspektive, wie ich mit ihm durch die Ausstellung gehe, sonst scheint niemand dort zu sein. Ihm gefällt gar nichts, nur die “Arbeit mit den Stühlen” findet er sehr gut. Ich weiß gar nicht, was er meint, und ich gehe ein Stockwerk nach oben und tatsächlich stehen dort, auf einer kleinen Empore, mitten im Raum, ein paar schwarze Stühle, wie bei Reise nach Jerusalem, so ähnlich, und auf einem Stuhl liegt ein Zettel. Ich kann mich nicht erinnern, diese Arbeit gemacht zu haben, was das soll, und verzweifle darüber, das er ausgerechnet diese Arbeit am besten findet. Dann wundere ich mich über das extrem gedimmte Licht, warum ich das so gemacht habe. Ende.

    Das Sonnenlicht war wie Rasierklinge scharf.

    Hitze. Später, in stumpfer Luft, im stumpfen Licht der U-Bahn-Waggons, sah ich viele rotschimmernde Schultern und Oberarme, es hatte selbst die Härtesten erwischt. Müde Hunde streckten sich ganz hin auf den Fliesen der Haltestellen.

    In der Buchhandlung Walther König kam es unterdes zu einem schönen Missverständnis: ein asiatisches Paar, es hatte zwei Tüten voll mit frisch gekauften Katalogen, bat die junge Verkäuferin auf Englisch, ein Taxi zu bestellen. Das war es auch, was ich verstanden hatte. Als das Taxi dann da war, Irritation, Gewusel, kurzes Gequieke, die asiatische Frau:

    “NOT TAXI, TAX-FREE!” (die Rechnung)

    Alle freuten sich.

    Allen Ruppersberg: Collector’s Paradise
    Anton Čechov: Krankenzimmer Nr. 6

  • Montag, 19. Juni 2017

    nur von der Zeit selbst beschreiben lassen

    Der Tag heizt sich auf, es sind schon 24 Grad und es ist noch nicht Zehn, da stehe ich über der grade ihr Waschprogramm beendet habenden Spülmaschine und mir kommt ein feuchtheißer Schwall dampfender Luft entgegen, es ist ein Wahnsinn. Aber das Geschirr ist sauber. Sommer ist auf Breitspektrum akzeptierter Stumpfsinn. 

    Jetzt wieder Bongo-Zirkel. Ich drehe durch. Stammt von Wiglaf Droste nicht die Formulierung “den Abend zerbongoen”? 
    Wie ich mit S. über Tinder sprach, und all diese young men, die sich mit nacktem Oberkörper und Gitarre ablichten, dieses mega Abgesende von Infos, aus Angst mißverstanden oder mißkategorisiert zu werden. 

    Zu den Bongos kommt jetzt noch Schreitherapie. DER THERAPIERTE GUTEGELAUNTE MENSCH – ein Horrorfilm, Deutschland, 2017.

  • Donnerstag, 15. Juni 2017

    Sempre in Sella!!
    Himmer in Sattel!!
                                     – Italienische Postkarte, Riviera del Conero (Ancona)

    Tanti saluti a tutti da gurrende Taube in undisclosed whereabout.

    Im Hinterhof – und das ist keine Metapher, sondern ich meine den Hinterhof – befindet sich eine Art Dōjō, eine längliche Halle, das Dach mit roten Bitumenmatten bedeckt, und jetzt stoßen vereinzelt laute “Hai!”s aus dem geöffneten Oberlicht des Dōjō, jeweils gefolgt von einem dumpfen Geräusch von Einschlag auf eine Matte oder einen Boxsack. Es ist fast windstill. Manchmal finden in diesem Dōjō auch Drumcircles statt. Ich hasse Drumcircles, denn es gibt viele Missverständnisse, wenn es um Schlagwerk geht. 

    Mein Frontallappen pocht, seit ich aufgewacht bin, aber an der gestrigen Mischung Rosé/Gin Tonic sollte es eigentlich nicht liegen, vielleicht ist es der merkwürdige Druck in der Sphäre, die Wetter-App sagt schwere Gewitter für den frühen Nachmittag voraus. Ich habe das Gefühl, nicht ich selbst, sondern mein Gehirn hat einen sog. Thousand-Yard-Stare, und es weiß nicht so recht, was es fokussieren soll. Neben mir liegt der dicke, gelbe Denis-Johnson-Ziegelstein, eine Volvic-Flasche mit Wasserstand 1cm, und ich habe ein Haar im Mund.

    Ich bekam gestern einen Newsletter des Manuscriptum-Verlags, und ich weiß nicht, warum.