Amid gasps from the crowd…
Ich öffne die Wetter-App, um in die Zukunft zu sehen, was das Grau am Himmel angeht. Es hat sich abgekühlt, gestern schon, nach drei Tagen Sommer. Die Wärme ist nach Berlin weiter gezogen. Denen gönne ich das.
Der Geruch von Kälte und Nässe und ein Regen, der lautlos herabfällt. Allein der Gesang der Vögel sagt: daß man schon weit ins Jahr hineingekrochen ist, und es kein Zurück gibt.
Entscheidungen: es war Oktober 2004. Mein Studium begann. Germanistik, Theater-Film-Fernsehwisschenschaften, Klassische Literatur. Ich hatte mir im Sommer und in den Monaten zuvor etwas zurechtcollagiert, was für mich nach einem Plan aussah. Eher nach außen hin. Es ging darum, eingeschrieben zu sein für etwas, etwas zu machen aus dem Abitur, der Hochschulberechtigung, weil es alle so machten. Und im Jahr 2004 waren es noch verschiedenste Hemmungen, die mich das machen ließen, was die ANDEREN machten, weil: wer war man schon, daß man dachte, für sich allein denken und handeln zu können? Alle meine Freunde gingen studieren, also ging auch ich studieren. Ich war 22 und nahm an, daß ich eigentlich zu dumm bin für ein Studium. Zu dumm, diese Spannung, die ein Studium einem abverlangte, aufrecht zu erhalten über Jahre. Prüfungen zu schreiben. Dem Druck stand zu halten. All das habe ich gedacht, bevor es losging. Zu keiner Zeit dachte ich an den Aspekt der Klassenflucht, an Zugangsschranken, an Aufstieg, an ein Selbstbild, das ich zu verwirklichen sehnte. (Inwiefern diese Dinge überhaupt zutreffen, realistisch betrachtet, ist eine andere Frage)
Der Eindruck, der “physische Eindruck”, den die Universität ausstrahlte, mit den merkwürdig disparaten Gebäuden als Körpern und den Körpern in den Gebäuden: dagegen irgendwie anstudieren.
Der Psychobuildings-Effekt: ich wollte dort nicht sein, ich konnte dort nicht.
Aus heutiger Sicht ist das ein völlig anderes Leben, das dort von mir damals geführt wurde. Aber sicher kann ich nicht sein, denn das Ich altert, angeblich, nicht.