Daß Realismus –
Bericht über einen kurzen Übergriff: Ich stand in dem kleinen Café am Tresen, wartete auf den Kaffee, den ich bestellt hatte, und bekam plötzlich einen Hassanfall. Ich wusste erst gar nicht, warum und von welcher Seite her. Dann hörte ich nochmal hin: es war die Musik, die lief, bzw. es war das Konzept, für das diese Musik stand, die hier – grade noch laut genug, daß sie die Funktionsgeräusche der Kaffeemaschine durchdrang – ihre brutale 2000er Sinnlosigkeit entfaltete. Die Hauptverbrecher dieser Form von Sound waren dereinst die Franzosen von Nouvelle Vague (auch der Name der Band ist schon so unfassbar dumm, weil so abholfertig aufgeladen, ich bekomme echt wieder den Hass jetzt, wenn ich nur dran denke): gnadenlose VERLOUNGEUNG, der wahre Sound des Kapitalismus. Niedergang. Spezifisch perverse, auf Musikdesinteressierte ausgerichtete Konsumierbarmachung von New Wave/Post-Punk Stücken, die Verwandlung von The Cure Stücken in eine Haarwaschlotion mit Mandelduft. Fundamentaler Ekel, der auch Spuren von pointiertem Frankreichhass beinhaltete, leichtes Leben etc, dieser ganze niedrigschwellige, ahnungslose und zu Industriezweig gewordene Lifestyle-Scheiß. Ich wollte diese Band so gerne hintereinander aufgereiht stehen sehen, damit man nur eine Kugel braucht, um direkt alle umzunieten.
Die Platten von Nouvelle Vague haben sich – natürlich – unfassbar gut verkauft. Es gibt dann doch so viele Menschen auf der Welt, die sich für wirklich GAR NICHTS interessieren und denen es vollkommen unmöglich ist, reinen Zynismus zu erkennen, wenn er rosa pulverbeschichtet ist.
Ansonsten: Rückkehr nach Reims, Seite 79.
Gestern die Dominik Graf Doku über Michael Althen. Angenehm. Ich freue mich immer, wenn Claudius Seidl irgendwo auftaucht. Olaf Möller kam auch vor, das wusste ich gar nicht, daß er so “bekannt” ist? Charles Schumann habe ich, glaube ich, noch nie sprechen hören zuvor.
Draußen wurde man von Sommer ein bißchen angeleckt. Die ersten Fliegen, die durchs Kippfenster kommen. Bierdurst.