• Samstag, 1. April 2017

    Gestern 23 Grad in der Bucht. Hinter dem Laden, in einem Gebüsch, brütet eine Amselfamilie, die Jungamseln müssen vor wenigen Tagen geschlüpft sein. Ich sah durchs Geäst winzige grau-rosane Körperchen. Später kam die Mutter hinzu.

    Die Potsdamer Neueste Nachrichten berichten, daß Horst “In Extremo” Mahler (81) auf “freiem Fuß” sei. Da ihm 2015 wegen seiner Diabetes-Erkrankung der linke Unterschenkel amputiert wurde, stimmt der Singular sogar.

  • Freitag, 31. März 2017

    Gestern Nacht gegen halb Zwölf verlasse ich mit Hopkins das Kino. Es ist eine balmy night, die erste im Jahr. Man raucht in warmer dunkler Nacht noch eine Zigarette. Der Film Ghost In The Shell ist nicht nur hohl und dumm, sondern leider auch noch recht langweilig. Nicht so schlimm, schon vergessen. Das eigentliche Anliegen ist es, das Kinogehen mit Hopkins als zartes Männerritual zu etablieren. 

    Als ich in die Neusser Straße einbiege, erblicke ich an der Litfaßsäule, die neben den Parktaschen steht, den überwältigendsten frame des Abends:

    zwei friedlich schlafende Obdachlose neben einer Ansammlung von leeren Flaschen, der eine ist quasi in muslimischer Gebetshaltung eingeschlafen, der andere reißt seinen Schlaf in einem roten Schlafsack ab. Inmitten der Schlafenden und den vielen leeren Bier-, Schnaps- und Colaflaschen steht ein winziges Transistorradio, das die Szene laut und scheppernd mit einem brutalen Lied umtost: “You give love a bad name” von Bon Jovi. 

  • Mittwoch, 29. März 2017

    Irgendwo im steilen Nordwesten triggert eine Frau um die 60 den Artikel 50. Der Himmel hält schamvoll die Sonne zurück, jetzt höre ich Enten von weither. Heute machen wir uns schmutzige Hände, und schauen uns die Leinwand ganz genau an. 

    Country Musik – und so beiläufig ich diesen Satz gestern im BEE-Podcast auch wahrgenommen hatte, umso extrem deutlicher und klarer und verständlicher ist er jetzt wieder hier – is three chords and the truth. Nach dieser Methode, ungefähr, ist auch dieses Journal von mir zusammengeschrieben. Manchmal gibt es auch vier Akkorde, manchmal nur den sich über Zeit wölbenden, langen Ton einer Pedal-Steel-Gitarre, der im Moment verglüht. 

    Wo ist eigentlich Julia Voss? Schreibt sie gar nicht mehr für die Kunst in der FAZ? Das wäre natürlich ein brutaler Schlag für mich. Und für die FAZ. Wenn ich “Julia Voss” in die Suchleiste der FAZ-Online eingebe, ist der letzte Artikel von Januar diesen Jahres. Ob sie grade an einem arg langen Text arbeitet, der gleichsam ALLES aufdeckt? Frau Julia Voss, bitte melden Sie sich.