• Sonntag, 8. Januar 2017

    Der Blick aus dem Fenster ist ein Blick in einen leicht bräunlichen, abtauenden Kühlschrank der Firma Bosch. Ich war früh wach. Die Nase ist seit drei Tagen zu. Im ZDF heute Morgen eine Wetterkarte: mit Bonn, ohne Köln. Das ist so ein Phänomen, daß es diese Wetterkarten mit Bonn noch gibt. Und dann auch ostentativ (?) ohne Köln, Düsseldorf sowieso nicht. Ob Mainz drauf war, weiß ich jetzt nicht mehr. Im Fernsehen wird in dichtem Nebel Ski gefahren. Was hatte ich süße Ski-Lehrerinnen damals. Die müssten jetzt, was, Mitte Vierzig sein? Namen weiß ich keine mehr. Namen kann ich mir nur in Sommerurlauben merken. Nuria hieß mal eine sog. Animateurin in diesem Club-Hotel, in dem ich nicht mit meinen Eltern wohnte, das aber die Straße runter war. So eine burschikose Spanierin, mit dünnen Lippen, das weiß ich noch. Ich war 15 oder 16. Man könnte fast sagen: Frauen in Führungspositionen: big like

  • Mittwoch, 4. Januar 2017

    Der Himmel heute Morgen, würde man ihn befragen, er würde abraten. 

    Montagabend schreibe ich meinem Buchhändler noch eine SMS mit der Information, daß John Berger gestorben ist, wie es mir eine Push-Mitteilung der The Guardian App auf meinem Telefon zuvor mitgeteilt hatte. Ich sitze währenddessen am Tisch bei Freunden, der Jude hat Geburtstag. Mir gegenüber ein Tätowierer aus Venezuela und seine hübsche russische Freundin, die ein neongelbgrünes, langärmliges Oberteil trägt, dessen Rückenteil negligéartig durchsichtig ist. Sie trägt darunter einen schwarzen BH und sie hat eine schöne Taille. Es sieht an ihr überhaupt nicht aufdringlich oder nuttig aus, sondern süß, schön, interessant. Das liegt an ihrem Wesen. Ein ruhiger Mensch kann alles tragen.

    Der dreijährige Sohn des Gastgebers sitzt vorm Computer und kuckt russische Cartoons. Ich sage “Hallo Lew”, obwohl er mich schon im Treppenhaus per Handschlag begrüßt hatte, aber ich mach ihn auch gern ein bisschen verrückt, damit er wiederum ausrastet. Dann zieht er sich die Hose runter und zupft an seinem Dingen und ich denke, er will mir irgendwas mitteilen, das tun Kinder doch? Ich frage ihn, ob er aufs Klo müsse, da lacht er mich nur aus. So auch noch nicht erlebt. Er zeigt mir auch noch seine Plastik-Dinos.

    Es gab nur Öl für einen Tag, aber dann brannten die Lampen – oh Wunder – acht Tage und jetzt ist die Frage: was mache ich hier noch alles in dem Tempel?

  • Montag, 2. Januar 2017

    Erster Schnee, ein Grad, schön grau.

    In Dormagen empfing uns Samstag ein beständig buzzender Türöffner. Das sind die Zigeuner, sagte S., weil deren Sippe so groß ist und da ständig rein und rausgegangen wird, die kleben da einfach Tape drauf oder so, dann können die immer rein und raus. Der Buzzer ins Nichts, er geht stundenlang. 

    Nicht ins Nichts, sondern bis weit in den frühen Morgen ballerte der Kitschpop mit den europäischen Kickdrums und den osteuropäischen Harmonien direkt unter uns. Es war mir gelungen, es irgendwie egal zu finden, zwischen 3 und 4 Uhr schlief ich ein, der Kopf heilsam leer.

    Am ersten Morgen des neuen Jahres war das Erste, was ich sah: ein sehr weißer Balkon, dahinter ein wolkenloser, gleißender, leicht flirrender Horizont. Ein starker Wind fuhr in den Bauch einer auf dem Balkon liegenden Plastiktüte, es rauschte sanft und es war Frieden, echt wahr.