• Samstag, 31. Dezember 2016

    Hab’ ich erstmal nur für mich gemacht, kannst du dir aber gerne ansehen, du kannst auch etwas dazu sagen, wenn du möchtest, kein Problem, nur zu, sei hart, lass es raus, dafür sind wir ja jetzt in der Situation hier, das kann man nicht simulieren, wie die Akademie, die gibt dir das, was man nicht simulieren kann, hey immerhin, ist doch auch immer ein Ernstfall, so eine Situation, so ein Jetzt, und ein Ernstfall ist doch etwas…Schönes, Echtes, wie so ein kleiner, transportabler Sterbebettmoment, durch den man sofort weiß, und erkennt, daß es einen Unterschied gibt, zwischen Kunst und Scheiße, und man spart eben all die Jahre, man muss nicht warten bis wasweißich 90, bis man dann wirklich im Sterbebett liegt und anfängt rumzuheulen um dann auch noch fucking katholisch wird mit dem letzten Atemzug usw., ist doch lächerlich, das ist wirklich weak ass shit, reiß dich mal ein bisschen zusammen jetzt, es muss ja immer nicht gleich alles so extrem werden, direkt in so Extremen denken, das ist doch ein Merkmal von infantilem Denken, mach nich, die Grautöne und alles: nich mehr da oder was, also beruhige dich mal, du kannst dir – das beruhigt mich zum Beispiel  – auf Youtube ansehen, wie so ein bekittelter Greis Porträts von John Singer Sergeant nachmalt und dabei erklärt, wie man in Öl ein Porträt anzugehen hat, malt, akademisch, klassisch, von Dunkel nach Hell, und wie man immer die Vorlage, das Original im Blick hat, und während er da alles ganz langsam aufbaut und man aber immer schon das sieht, was werden soll, ist der Typ so ein bisschen nervös innerlich, das sieht man nicht, aber ich weiß das, und du würdest das auch wissen, weil man es kaum erwarten kann, bis es gemacht ist, und am Ende, ganz zum Schluss, setzt er die weißen Highlights mit dem Pinsel auf den Nasenrücken, angeblich hat das Velázquez immer mit so einem Pinsel an einem langen Stiel gemacht, der ihn sicher einen Meter von der Leinwand entfernt stehen ließ und es muss sich merkwürdig angefühlt haben, wie ein Degen (es geht aber eher, glaube ich, um so etwas wie das modernere Konzept des Zufalls, der durch Verlust oder Verminderung der Kontrolle erzeugt wird) dann stand er da und hat damit diese weißen Lichter gesetzt, am Ansatzpunkt immer stark akzentuiert und dann schwächt sich das Weiß in den Hautton ab und fließt hinein und ich glaube, das ist immer ein Schock, ein schönes Gefühl am Ende, das die Routine der Arbeit niemals mit beinhaltet, nicht nach vier Bildern, nicht nach hundert Bildern, am Ende, da fällt erst das Licht auf den Körper und dadurch wird da diese Frau draus, die auf der chaiselongue…. aber es geht , glaube ich, darum, daß ich gerne Menschen dabei zuschaue, wie sie konzentriert arbeiten und nicht irgendwas aussenden wollen an andere, in Restaurants an der Bar zu sitzen, love it, kann man auch etwas in die Küche reinsehen… es dürfte von mir aus auch ausarten, im Sinne von, daß es so eine Art Stammplatz gäbe und das Personal kennt einen und alles Sprechen ist schon aus der Begrüßung rausgewachsen, weil es das Normalste ist, daß ich da immer sitze und gucke, den Drink muss man auch nicht extra bestellen, den hat man bestellt, als man über die Schwelle ging, eigener Aschenbecher, aber keiner, der von einem Nichtraucher gestaltet wurde, naja sowas, du weißt sicher, was ich meine, daran glaube ich, aber kennst du eigentlich die Story von dem Fußballspieler, der sich in einem Spiel den kleinen Finger kompliziert bricht, und dann läßt er sich den amputieren, damit die Rekonvaleszenz brutal kürzer ist und er für das kommende, wichtige Spiel einsatzbereit ist? An sowas glaube ich auch.

  • Mittwoch, 28. Dezember 2016

    Beim Aufwachen, immer wieder, die Sensation der Nüchternheit. 

    Ich habe die letzten Tagen nichts schreiben können, da es mir zwingend vorkam, nicht auf Textproduktion hin zu denken, zu schweigen, nur zuzuhören oder nicht zuzuhören, herumzuschauen, was die anderen machen, passiv bleiben. Super war natürlich, daß es am zweiten Weihnachtsfeiertag schon wieder Fußball gab. Meiner jetzt ehemaligen Mitbewohnerin, die wieder zurück in Schweden ist, muss ich noch ihr Zlatan-Trikot machen. Ich will aus dem Gedächtnis das Logo des schwedischen Fußballverbandes auf ein gelbes T-Shirt malen. Am Ende müsste es ein bisschen retarded aussehen, so will ich das haben. Sie hat mir eine kleine Vase aus Beton geschenkt, die sie selbst gegossen hat. Eine brutalistische Vase. 

    In Peterborough, Ontario, Kanada, sind die Straßen so vereist, daß sich Leute auf Schlittschuhen fortbewegen. Die Autos bleiben vor der Garage geparkt, wie man das aus amerikanischen Filmen kennt, aus dem Vorspann der Sopranos. Ein Bild wie eine kurze Jugend.

    Das Atelier als der Ort der nonsozialen Klärung von vollsozialen Fragen.

    In der Ausstellung Von Dürer bis Van Gogh – Die Sammlung Bührle: eher langweilige Mohnfelder von Monet, mittlere Formate in Prunkrahmen. Weiter hinten drei Courbets, die, obwohl nicht mal zu den Top Courbets gehörend, locker eine Klasse besser sind als alles andere, nur Manet kann da mithalten. 

    An der Innenseite der Flasche des Frosch Citrus-Reinigers wirft die gelbgrüne Flüssigkeit Blasen, die von außen wie verklebte Härchen aussehen.  

  • 24. Dezember 2016

    72 Travelpussys

    Neben diesem Computer, auf dem ich diesen Text schreibe, ruhen zwei Mangos aus Peru in einer schwarz glänzenden Plastikschale, wie zwei ovale Brüste in einem Hartschalen-BH. 

    Gestern in der Post ein Helmut Dietl-Bildband mit Widmung von Claudius Seidl! Ein Geschenk von der jungen Lieblingsredakteurin links abgedrifteter Ressortleiter, und mir. Gott lohne die Redakteurin, Gott lohne aber auch Herrn Claudius Seidl.

    Letze Woche bekam ich eine Mail von Joachim Bessing, dessen Online-Tagebuch 2016 – The Year Punk Broke auf waahr.de ich mehr oder weniger regelmäßig lese. Marc hatte ihn auf das Journal hier aufmerksam gemacht, er hätte da eine Sache am Laufen, ob ich einen Text dazu usw.? Er meinte wirklich mich.

    Nachts noch “Nocturnal Animals” von Tom Ford… DAMIT hatte ich wahrlich nicht gerechnet. 

    Still life with baroque woodwinds