• Mittwoch, 21. Dezember 2016

    In der Kommentar-Sektion der Online New York Times bekommt der obige Kommentar von Mytwocents auf den Artikel von Melissa Eddy und Alison Smale 196 Empfehlungen von anderen Lesern der linksliberalen New York Times. Der erste Satz des Kommentars ist eine Variante der Markus Pretzell’schen “Es sind Merkel’s Tote!” Tagline der Stunde. Entschuldigung, wenn das niemand beachtenswert findet. Ich war schon etwas überrascht. 

  • Samstag, 17. Dezember 2016

    Ich gebe zu, daß ich hier jetzt zum zweiten Mal anfange. Grade noch habe ich die paar Zeilen gelöscht, in denen ich meine Probleme mit dem Viertelgeviertstrich zugebe. Naja, Probleme ist auch nicht richtig, es ist eher eine von ein paar Unklarheiten im Leben, die sich ständig wieder selbst zur Unklarheit hin updaten, weil die Irritation miterinnert wird. Jetzt hab ich es aber.

    Gestern im Laden hat ein junger Mann, Typ Student Anfang Zwanzig, über 5 Euro Trinkgeld gegeben. C., der hinter mir stand und telefonierte, es aber trotzdem mitbekam, meinte zu mir, so viel hätte in 16 Jahren noch niemand gegeben. Wenn man bedenkt, daß in 16 Jahren schon Schwadronen crazy Japaner-, Koreaner-, Chinesen-Geschäftsmänner, High-End-Anlagen-mit-Kupferkabeln-für-Tausend-Euro-Diamanten-Tonabnehmer-Diesdas-Typen, Russische Geldprolls, Bazargestählte, Werber mit Darmausgang in die Kunstszene usw. durch den Laden gegangen sind, dann sehe ich – ich kann es garnicht kontrollieren – folgendes Bild vor meinen Augen: der Spruch “Von den Reichen lernt man das Sparen” wird vor eine Mauer geführt. Er lehnt die Augenbinde ab. Dann wird er von einem Dutzend Schützen füsiliert, auf die Leiche wird anschließend unter tribunalächtendem Gelächter uriniert. Am Ende siegt, und das kommt wirklich superüberraschend, die Menschenwürde. 

    Auf dem Display des iPhones leuchtet eine Instagram-Mitteilung auf:

    FUCK ME! I WAIT YOU (klimentinaaugolnikova) folgt dir jetzt

  • Mittwoch, 14. Dezember 2016

    Jane Birkin

    posiert auf einer Wiese

    Auf Instagram: bleibe am ehesten hängen bei Fotos von Ateliers von anderen: Gegenstände, Werkzeuge, Utensilien, Hilfsmittel, die RÄUME: wie in ihnen das Licht ist, und wie sich die Arbeit (die künstlerische konkrete Arbeit, die ja immer auch Teil ist dieser Form von Porträt, das meistens ein Doppelporträt ist: vom Macher und vom Gemachten.) zum Raum verhält – kann man das sehen? Wie wird sich da inszeniert, wie wird sich selbst im Verhältnis zur Arbeit inszeniert? Hundert Sätze können gesagt sein mit der Inszenierung, Pose, Blick. Wie steht oder sitzt da jemand, im Raum, zum Raum hin, und dann als Foto aus dem Raum heraus, mit dem Raum, zum Betrachter hin. OPTISCHES ZEITALTER

    Geil ist auch der Profanitätshammer, der diesen Bildspeicher-Medien natürlich ebenfalls innewohnt. Wie aus solchen Fotos auch immer diese elementare Sehnsucht des Gesehenwerdens (eben nicht des Gemochtwerdens) abstrahlt, und wie selbst diese elementaren Dinge in unglaublichen Abstufungen und Verschiedenheiten auftreten können – es aber eben auch diese EINE Form gibt, diese Duckface Nummer, das Unangenehme, Aufdringliche.

    Ich habe immer geglaubt, und glaube es immer noch, daß es ein großes Glück ist, sich selbst nicht ständig dabei zusehen zu müssen, was man macht, wie man lebt, was man ist. Die Apparate locken. 

    Angstnah – Lebensnah – Echt: TAGEBUCH (Schleck-Geräusche aus dem Off)