• Montag, 12. Dezember 2016

    Ich liege in rotem Badewasser und rauche. Das Badesalz heißt Anti-Stress, und ich freue mich darüber, daß man der Ansicht ist, die Erfahrung roten Badewassers trage zum Abbau von Stress bei. Dann habe ich fürchterlichen Durst. Ein paar Sekunden vergehen, in denen ich nicht weiter weiß.

    Im Macbook, das auf der Waschmaschine steht, läuft das Literarische Quartett von Freitag. Ich beuge mich im Wasser zur Mischbatterie hin und lasse kaltes Wasser in meinen aufgerissenen Mund schießen. Der aufsteigende Dampf des Wassers belegt mein Gesicht. Das eiskalte Wasser in meinem Mund kommt mir maßlos vor. Maßlos schön, maßlos viel.

    Heute Mittag war Hopkins hier, Kaffee, Reden über Stipendien. Skowhegan School of Painting – nie gehört. Er fliegt am Freitag nach New York, verbringt Weihnachten bei seinem Bruder in Boston. 

    Falls mir jemand was schenken möchte: Hans Peter Duerr, Obszönität und Gewalt (Suhrkamp, 1993)

  • Donnerstag, 8. Dezember 2016

    Kurz nach 16 Uhr stehe ich an einem Stehtisch in der „Metzgerei Stürmer“ und esse zwei Bratwürstchen, Rotkohl und kleine Salzkartoffeln, die wie gelbe Schneebällchen aussehen, mit so schön glatten Kanten.

    In der „Metzgerei Stürmer“ arbeiten immer sechs bis sieben Damen in Schürzen gleichzeitig, es gibt eine hoch frequentierte Wursttheke zu bedienen, eine Käsetheke im Mittelsegment, deren wuchtige eingebaute Glasvitrine aus blank geputztem Aluminium und spiegelnden Innenwänden der Hauptaltar des Ladens ist, sowie eine Theke für warme Mahlzeiten (Donnerstags Reibekuchen). 

    Die Käsevitrine ist mit breiten, silber spiegelnden Leisten abschließend in die Rückwand eingelassen, hinter den gläsernen Schiebetüren liegen auf Regalflächen mächtige und plumpe Käselaiber, die sich im Innern der großen Vitrine spiegeln, wie kostbar inszenierte Skulpturen. Weiße Lichter in kleinen Striemen auf den tiefgelben Rinden – eine Art Wayne-Thiebaud-Traum. 

  • Montag, 5. Dezember 2016

    DIE 8 COOLSTEN JOGGINGHOSEN FÜR JEDE GELEGENHEIT

    Vom Schlaf noch benommen mache ich den Computer an – erst gestern Nacht hat sich wieder ein Zufall ereignet, den ich mir gegen Faulheit und Müdigkeit noch notiert hatte: ich hörte auf Youtube in eine Musik rein, das Stück heißt “Violence (Part 1)”, und nach ein paar Takten höre ich draußen einen Knall, wie ein Geschoss. Samstagabend hatte ich gesehen, wie im Sportstudio auf ZDF und in Match of the day auf BBC One gleichzeitig über zwei verschiedene, auf ihre Art jeweils extrem strittige Elfmeter diskutiert wurde. Freude darüber, daß so viele Menschen gleichzeitig am Leben sind. 

    ENTWARNUNG BEI HAKAN UND BENNY

    Freitagmorgen war das Belegexemplar von Matthes und Seitz in der Post, fehlt nur noch das GELD. Vom sauberen, nagelneuen, gierig aus der Folie gerissenen Buch hatte ich gute Laune bekommen, gute Laune auf Menschen, und wollte mir ein Hemd kaufen, da ging ich dann los und traf Hopkins auf der Straße – of all people

    Nach einem Kaffee schlug Hopkins vor, ins Käthe Kollwitz Museum zu gehen, also gingen wir. “Ich war da noch nie, Du?”- “Nee.” Annelise Kretschmer – Entdeckungen. Photographien 1922 bis 1975. Schnell verknallt in längst tote Weiber. Das Museum ist eine Geburt der Kreissparkasse Köln und GENAU SO sieht es auch aus.