Um 22.46 Uhr am Montagabend, Mitteleuropäischer Zeit, sind es in Los Angeles, Kalifornien, Ortszeit 13:46 Uhr, genau 40 Grad Celsius. Im Bett in nachtschwarz Germany lese ich den guten, gefühlt überfälligen Artikel von Tobias Rüther in der FAS vom Vortag, Feuilleton, Seite 45, “Entgrenzung”. Sprache, Wahnsinn, Geschwafel. Es muss der vollapokalyptische Film noch gemacht werden, in dem die Menschheit an einem gigantischen Geschwafel zergeht, keine Aliens, keine Zombies, keine Bomben, allein das vernichtende Gelaber, dass es einen pulverisiert.
Den Tag habe ich halb vertändelt in Düsseldorf, obwohl der Besuch im Atelier von Hopkins gut war, richtig war, die Gespräche mit ihm sind gut, er klagt, hat Angst, fragt sich: War’s das jetzt? und ich denke, es ist natürlich, ängstlich zu sein, wir sind doch realistisch? Im Atelier steht ein Fender Rhodes, das nicht ihm gehört. Ich frage ihn, ob ich es anmachen darf und drücke darauf herum, aber ich empfinde den Sound eines Fender Rhodes schnell als nervig, es ist so dümmlich funky. Funky ist sehr schlimm. White man can’t jump, denke ich dann, naja. Auf dem Fender Rhodes steht eine schöne String Machine. Natürlich viel besser. Attack, Decay, Sustain, Tone – Cello, Violin, Viola. Die dünnen Flächen am Anfang von “Procession”…
Auf einer Wiese am Apolloplatz filme ich mit dem iPhone sicher ein Dutzend Kanadagänse, die den Boden nach Futter abpicken, einige haben Grasbüschel in den Schnabelwinkeln. Am Hauptbahnhof bin ich willensstark und kaufe keine Schachtel Parisienne. Viel später, kurz vor 22.46 Uhr, ich habe die FAS in der Hand und schaue noch mal aus dem Fenster, sehe ich im ersten Stock des Hauses gegenüber die kleine rundliche Frau nackt in der Küche hantieren. Ich glaube, ich habe sie auf der Straße noch nie angetroffen. Ich merke es zuerst nicht, aber ihr großer nackter Arsch beschäftigt mich noch.
