• Dienstag, 27. September 2016

    Um 22.46 Uhr am Montagabend, Mitteleuropäischer Zeit, sind es in Los Angeles, Kalifornien, Ortszeit 13:46 Uhr, genau 40 Grad Celsius. Im Bett in nachtschwarz Germany lese ich den guten, gefühlt überfälligen Artikel von Tobias Rüther in der FAS vom Vortag, Feuilleton, Seite 45, “Entgrenzung”. Sprache, Wahnsinn, Geschwafel. Es muss der vollapokalyptische Film noch gemacht werden, in dem die Menschheit an einem gigantischen Geschwafel zergeht, keine Aliens, keine Zombies, keine Bomben, allein das vernichtende Gelaber, dass es einen pulverisiert.

    Den Tag habe ich halb vertändelt in Düsseldorf, obwohl der Besuch im Atelier von Hopkins gut war, richtig war, die Gespräche mit ihm sind gut, er klagt, hat Angst, fragt sich: War’s das jetzt? und ich denke, es ist natürlich, ängstlich zu sein, wir sind doch realistisch? Im Atelier steht ein Fender Rhodes, das nicht ihm gehört. Ich frage ihn, ob ich es anmachen darf und drücke darauf herum, aber ich empfinde den Sound eines Fender Rhodes schnell als nervig, es ist so dümmlich funky. Funky ist sehr schlimm. White man can’t jump, denke ich dann, naja. Auf dem Fender Rhodes steht eine schöne String Machine. Natürlich viel besser. Attack, Decay, Sustain, Tone – Cello, Violin, Viola. Die dünnen Flächen am Anfang von “Procession”…

    Auf einer Wiese am Apolloplatz filme ich mit dem iPhone sicher ein Dutzend Kanadagänse, die den Boden nach Futter abpicken, einige haben Grasbüschel in den Schnabelwinkeln. Am Hauptbahnhof bin ich willensstark und kaufe keine Schachtel Parisienne. Viel später, kurz vor 22.46 Uhr, ich habe die FAS in der Hand und schaue noch mal aus dem Fenster, sehe ich im ersten Stock des Hauses gegenüber die kleine rundliche Frau nackt in der Küche hantieren. Ich glaube, ich habe sie auf der Straße noch nie angetroffen. Ich merke es zuerst nicht, aber ihr großer nackter Arsch beschäftigt mich noch. 

  • Sonntag, 25. September 2016

    Jeder Morgen ist von Routine unverfremdet schön. Wie der Wind die Baumkronen aneinander reibt, und diese jetzt, universell befriedend, ihr Rauschen in die Luft zerstäuben. Keine Ökonomie des genutzten Tages kann hier schon Schaden anrichten. Von unten das dünne metallische Geklacker eines Hundegeschirrs. Meine linke Hand riecht komisch, und ich glaube, es liegt an den Spülhandschuhen. Ich habe sie schon dreimal gewaschen, aber der Gerucht klebt immer noch, entweder an meiner Hand oder in meinem Hirn. In der schwarzen Mattscheibe des Fernsehers glüht, von der Sonne bestrahlt, der Widerschein meiner niederländischen, beigen Bettwäsche.

    Ich habe nur noch gut 30 Seiten des Kracht Buchs zu lesen, aber da das Buch sehr schlecht ist, zieht sich das endlos hin, ich lese jeden Tag nur noch 3 Seiten und dann fällt mir wieder auf, warum ich schon am Vortag nur noch 3 Seiten gelesen habe. Ijoma Mangold von der ZEIT, den ich sehr schätze, hat das Buch brutal nach vorne geschrieben, Lob Lob Lob, und immer wieder interessant dieser Punkt, an dem man sich fragt: WIE kommt er darauf, ich habe das doch auch hier vor mir, er hat DAS doch auch gelesen, WIE kommt er dazu, DAS darin zu sehen, was er darin zu sehen meint, und WOHER kommt diese Abweichung, daß er meint, daß…. usw. 

    Gleich zum Kiosk: FAS und Zigaretten? Nein, keine Zigaretten. I ride on thick waves

  • Freitag, 23. September 2016

    Pipi Doof und sehe gut aus – im Sinne BÜRO KIPPENBERGERs. Genau. Durchs Oberlicht ein Himmel, der wie hinterrücks durch schwefelgelbes Neon bestrahlt. Einer von – ach! – so vielen letzten Blicken, auf die noch grünen Blätter, auf die Menschen ohne Übergangsjacken.

    Soon be gone the times of the deranged Dub oracle.

    Die Tagesschau vor 4 Jahren: Einzug in diese Wohnung hier, Arbeit im Folkwang, mit dem Bus in die Toskana. Dort, ich hatte am letzten Abend die Schauspielerin so beackert, daß sie nun endlich mit mir rumzumachen bereit war, wir gingen in eine Gasse und es war alles Bernhard & Bianca oder was, Tauben saßen auf Kabeln wie Schöffen der Erotik, ich hatte meine Hand schon an dem BH-Häkchen, da passierte das Unfassbare: sie hatte es sich anders überlegt!