Über Nacht hatte sich der Berliner Himmel tiefer gehängt, vom Regen roch es aufgequollen. In der kühlen Stille des Samstagvormittags ein Ächzen der Erleichterung, der Herbst machte hier schon mal mobil und alle sollen’s wissen auch. Freitagabend noch waren E. und ich in Mitte unterwegs, a very balmy night, eine amtliche Sommernacht, Sterling Ruby bei Sprüth Magers, Dana Schutz bei CFA, eine angenehm dezente Hysterie auf den Straßen, ruhigerer Art, die Hitze am Tage hatte alle schon genügend an Kraft beraubt, so daß sich hier keiner mehr groß spreizen musste. Im kalten Licht der Galerie blickte man in müde, aber zufriedene Augen, der Weißwein schimmerte fahl wie Pisse.
Der Garten auf der Oranienburgerstraße brutal schön, brutal idyllisch, brutal leise, in der Mitte ein riesiger Kirschbaum, dahinter fällt sanft die Wiese ab. Ist ja wie in Heidelberg hier, sagt E. Ging man wieder in die Galerieräume zurück, in denen reger Publikumstransit in Mitte-Ausmaßen herrschte, vermengten sich die Pneumatika und Gerüche der Menschen miteinander, die Installation von Ruby indes erinnerte an Calder und Tinguely. Als wir durch den Monbijoupark gingen in Richtung Kupfergraben, entfernte sich allmählich das Licht aus dem Abendhimmel. Ein Square Dance am Kanal, die scharfe und schwarze Silhouette des Bode-Museums.
Bei CFA, es war inzwischen der Mantel der Nacht über die Stadt geworfen, war es schon leerer, inmitten des Raumes stand der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, riesengroß, in Schwarz gekleidet. Seine ca. 14 oder 15 jährige Tochter trug teure schwarze High Heels und ist auch schon mindestens 1,90m groß. Selbst im Stehen knickte sie in den Schuhen um, aber ich denke, irgendwann muss sie ja mal unter Wettbewerbsbedingungen anfangen. Auf der Straße grüßte ich einen Polizisten: Guten Abend!
Im Zug zurück nach Köln ziehen sich Menschen in der 2. Klasse die Schuhe aus, der Zug kollidiert mit Rotwild und von hinten höre ich einen Jüngling sagen: “Also wenn ich einen sehe würde, der von der Brücke springen will, würde ich sagen: Spring, du Arschloch.”