• Montag, 5. September 2016

    Gestern war es doch so, daß das wunderschöne Konzept Niederschlag den Gesang der Vögel ersetzt, am Fenster stehend nehme ich einen großen Schluck der feuchten Luft. Wie ein Arzt mache ich mit größtmöglicher Zurückhaltung eine Prognose für den Tag: schön bzw. quiet quality, also geil. In der Patisserie bringt mir der junge Mann unaufgefordert einen Cappuccino, mich überrascht das dermaßen, daß ich wie ein Honk sage: “Wow, woher wissen Sie das?” – “Ich merke mir die Gesichter” ist seine logische Antwort, und eigentlich muss er es nicht mal sagen, weil es ist ja klar, dass es so sein muss, das man seine Systematik über die Dinge stülpt. Eine ganze Minute gebe ich mich der Vorstellung hin, daß er vielleicht gay ist und mich “gut” findet, dann wiederum, als dies schon beschlossene Sache war, kam ich zu der festen Überzeugung, mein Leben als Gay wäre bedeutend zaftiger als meine Heteroexistenz, aber auch das – ich bin Arzt – muss mit größtmöglicher Zurückhaltung…. leider gab es weder FAS noch Süddeutsche.

    Per Telegram kommt der Hinweis von Hopkins, dass noch bis 18 Uhr Offene Ateliers sind und ich beschließe hinzufahren. Hopkins redet wie ein Wasserfall, trägt ein hellblaues T-Shirt auf dem eine Lederhose abgebildet ist. Er sagt, er sei sich sicher, mittlerweile schizophrenic zu sein, und ich sage ihm, dass wir uns mit der Kunst auch auf ein Scheißleben eingelassen haben, das Raubbau betreibt und saugt. Von Bismarck gibt es doch angeblich diese Aussage, dass man beim Machen von Würsten und Kunst nicht dabei sein sollte, weil es so hässlich zugeht. Und es stimmt. Hopkins holt sich die Nummer von dieser etwas dümmlich wirkenden Blonden, die süße Zähne hat, das gebe ich zu. You can’t fuck her silly, because frankly: i think she is already. Das sage ich nicht zu Hopkins, sondern denke es nur. Ich halte überhaupt gut die Luft an, atme gut ein und aus und mit null Hass und viel Freude fahr ich dann, es zieht sich wieder wundervoll grau zu und Büsche und Blätter schwanken stark im Wind, nach Hause. Dort hungere ich und schaue Fußball.

  • Sonntag, 4. September 2016

    Bin gerührt und berührt von den jungen Frauen, wie sie stolz ihre wunderschönen, großen Ärsche in diesen 90er Jahre Jeans tragen und betonen, wie dem Zerbersten nahe Saftpackungen, long overdue, die sich mir gleich ins Gesicht ergießen, o boi

  • Samstag, 3. September 2016

    Agnes hat so schöne große braune Augen, ihre Brauen so dicht und schwarz, daß ich mich ertappe, wie ich oft hinsehen muss. Ihr schmaler Hals ragt aus einer lachsfarbenen Bluse. Ihr Freund, Paul, ist Brite und so zart und fast mädchenhaft verschüchtert wirkend, daß er um ein vielfaches fragiler wirkt als Agnes. Sie wirken süß zusammen, vertraut miteinander, was mir manchmal einen kurzen Stich versetzt. Das ist nicht Neid, sondern Sehnsucht, glaube ich. Naja. Bei der Verabschiedung habe ich das Gefühl, Paul gibt mir sehr herzlich die Hand, was mich überrascht. Diese Deutlichkeit, damit habe ich nicht gerechnet. 

    Und auf dem Weg nach Hause, es ist die frühe Nacht schon, gehen wir durch die Zone eines Rapperkriegs. Es ist friedlich. Auf nachgebräunte, durch Fitnesstraining muskulöse Nacken fällt Neonlicht, dann liege ich bald schon im Bett. Ich weiß auch nicht, aber ich kam mir wie ein Vollidiot vor an diesem Abend. Kann man irgendwo neu anfangen?