Ich lade R. zum Frühstück ein, sie sitzt bereits im Café, trägt ein schönes, dunkelrotes Sommerkleid mit einer schönen Knopfleiste. Von ihr geht wieder eine warme Strahlung aus. Die musste sie sich wieder zurückholen. Vor fast genau einem Jahr starb ihr Mann und sie war nicht mal 30 und Witwe. Sie erzählt mir, dass sie erst vor ein, zwei Wochen wieder angefangen hat, Musik zu hören. Bis dahin war alles zu viel. Wir gehen noch spazieren, sie erzählt mir, wie sich das Leben für sie wieder langsam entfaltet. Ich will sie die ganze Zeit fragen, wie es mit Männern ist, bin aber vorsichtig mit ihr und ich spare mir das. Am Abend bekomme ich über Telegram eine Nachricht von ihr: “Wenn du dich mit einer Frau triffst und ihr habt einen netten Abend, würdest du darauf warten, dass die Frau sich bei dir meldet oder würdest du dich bei ihr melden?”
Am Nachmittag langes Telefonat mit S. Ich kann mit S. recht gut – ich weiß nicht warum bzw. ich weiß wahrscheinlich doch warum – über meine Unfähigkeiten sprechen, sie kennt mich sehr lange, sie kennt mich nackt und sie kennt mich angezogen, ich muss meine Schwächen vor ihr nicht relativieren oder schönen, oder zivilisierter klingen lassen. Sie redet mir gut zu, was ich brauche, wofür ich ihr dankbar bin, aber das nicht sage, und sie muss nicht lügen oder übertreiben, das zu tun. Wir reden darüber, warum so viele Frauen knallhart kalkulierende kalte Materie sind und so viele Männer infantile romantische Trottel, die mit 40 wieder Skateboard fahren wollen. Schon gestern Morgen war es R., die voller Verachtung erzählte von den Männern, den jungen Vätern aus den Kitas, die ihre “Eier” verloren haben, was, wenn man wie R. viel in Kitas und derlei Zusammenhängen zu tun hat, eine häufige Beobachtung sein muss, so heftig, wie sie sich ekelt. Die Männer verlieren ihre “Eier”, während die jungen Mütter ihre Typen an der Kette haben und sich mit anderen Müttern über die neuesten Produkte der Firma BellyButton unterhalten, die sie kurzfristig auch zu Lebensinhalten machen. Es klingt alles brutal platt, aber R. versichert mir, dass es oftmals genau so abgehe dort, in diesen pastellfarbenen Höllen.
Abends, zur Musik der Manson Family, Gedanken über die Ausführung einer Zeichnung von Dawn Wiener in der Heather Matarazzo Inkarnation. Fight Back/Never fight back