• Freitag, 12. August 2016

    “Welcher Knackpo radelt hier denn durch Frankreich?” Express.de

    Kurz das Buch von Lucia Berlin zur Seite gelegt, schon ist die Irritation, die der Übergang von dieser extrem klaren Literatur, vom fertigen Text zur größten offenen und begehbaren Baustelle, Internet, wieder präsent: im Boulevard verengt sich das Tun der Menschen mit der dem technischen Gestell entsprechenden Geschwindigkeit im Zusammenwirken und Ineinanderschrauben mit der brutalvulgär vermündlichten Schriftsprache zu einer einzigen, gigantischen Muschi-Titten-Pimmel-Dramödie so dermaßen irr, so schnell, so anaerob, daß sich fühlbar hysterisches Wetter im Raum bildet, und mit dem Eindruck ex machina, jeder von uns lebt sein Leben in unterschiedlichen Kompetenzüberschreitung-in-Permanenz Graden, zieht es mich – ich muss atmen – rüber zum Twitter-Account von Patrick Bahners, wo ich mir als Gegenmittel maximale Komplexität in 140 Zeichen zu geben hoffe. Und Duck Panels, deren schönes Dr-Erika-Fuchs-Deutsch mich zurückholt in einen jetztverwandten Zustand, ein Diesseits, in dem Komplexität und Hoffnung eben das Mischlicht produzieren, das man Wahrhaftigkeit, oder vielleicht besser Truthiness….usw 

    Gestern im Cafe erzählt mir eine junge Frau Anfang Zwanzig die Gefühle, die sie neuerdings zu einer rein sexuell gedachten Verbindung zu einem ROCKMUSIKER aus Amerika, der doppelt so alt ist wie sie, haben muss, nachdem das neulich verbrachte Wochenende so anders verlaufen war, als sie sich das erhofft hatte, Mißverständnisse, Kommunikationsscheitern, unerfüllte Erwartungen, Kuscheln im Tourbus, Facetime Terror – also man kriegt das Banale einfach nicht raus aus den Dingen, auch das so sicher, wie “das Atmen in der Kirche” (M.Goldt). 

    Körper-News: wieder dieses Ziehen im Brust-Wirbel-Bereich, vor allem morgens nach dem Wachwerden zu spüren. Problem also das Liegen, verschwindet dann im Laufe des Tages, in dem ich meistens immer noch: stehe.

  • Sonntag, 7. August 2016

    “The information is fast – the painting is slow” Philip Guston

    Freitagabend bekomme ich eine SMS, in der mir mein Buchhändler mitteilt, daß der neue Kapielski eingetroffen sei. Samstagmittag gehe ich das gelbe Buch kaufen und setze mich danach an die Theke des Restaurants “Hase”, in dem es ultravoll und ultrabetriebsam zugeht, mit dem Plan, schon vor Vier dem Alkohol zuzusprechen, und fange an zu lesen. Ich sage Amin, der die Bar verantwortet, daß ich es immer sehr genieße, wenn sie, die Angestellten, viel zu tun haben und diese Betriebsamkeit ein sehr konkreter und irgendwie konzentrationsfördernder Zustand ist, IM Raum. Es hat auch direkt mit dem Beruf des Kellners zu tun, den ich superinteressant finde, und auch damit, daß es schön ist, professionellen Kellnern in weißen Hemden bei der Arbeit zuzuschauen, also auch die komplette Abwesenheit des WG-Duz-Distanzlosigkeits-Slacker-Gebräus usw.

    Nach einem Kaffee bestelle ich einen Campari Soda, den Amin mir sehr freundschaftlich mischt, und danach habe ich exakt SO leicht einen sitzen, dass ich mich übertrieben freue über das gelungene Herbeiführen dieses Zustands. Durchgehend wegen irgendetwas lächelnd, mache ich mich auf den Weg ins Atelier und male durch bis Neun, höre xmal sowohl die “Experimental Jet Set, Trash and No Star” als auch die “NYC Ghosts & Flowers” von Sonic Youth durch und die dicke Spinne hat sich, nehme ich an, in die Furche zwischen Wand und Kanthölzern verkrochen, und ihren Eiersack mitgenommen? Schon am Freitag habe ich bei bester Stimmung an den Geschlechtsdimorphismus bei Insekten gedacht, speziell bei Spinnen ist er bisweilen komplett wahnsinnig, die Weibchen riesige Biester, die Männchen um ein Vielfaches kleiner, wirken wie Gattungswitzchen neben den Weibchen, die ihre Männchen komplett niederknüppeln, ja im Vorbeigehen verspeisen und damit ist ja auch ALLES klar.

    Kurz zurück in den “Hasen”: während ich den Campari Soda trinke, kommt ein Mann ins Restaurant, der im Vorbeigehen, in grüßender Absicht zu Amin hin, kurz auf die Theke klopft, aber Amin hatte sich kurz vor diesem Moment bzw. fast noch IN diesem Moment zum Kühlschrank hingedreht, weil er in hohem Tempo eine Weißwein-Bestellung zu bearbeiten hatte, und dieser Gruß, der ja auch, obwohl sehr leise, durchaus laut war in der Submessage, daß der Mann mit dem Laden sozusagen VERTRAUT war, ging somit ins Leere, ins vollkommen Leere, und der Mann hat es in dem Moment auch sofort bemerkt, und auch ich spürte jetzt diese kleine Niederlage, denn wenn es Zeugen gibt, ist es immer auch eine kleine Niederlage.

  • Dienstag, 2. Juli 2016

    REGEN