“(…) This certainly afforded him plenty of time to figure out exactly where things had gone wrong, and he came to blame his obsession with keeping up – with technology, with the young, with culture – a pursuit that had replaced even artistic production as his chief occupation, filling the vacuum that had opened up when he had more or less stopped making art.” Seth Price, Fuck Seth Price, (Leopard, New York)
Der Typ, der hier am letzten Julitag auf dem Bett sitzt, isst das von seiner Mutter selbstgemachte Erdbeereis mit der komisch akuten Besorgnis, eine der vielen Obstfliegen, oder eine andere Fliege, könnte ihm beim Eisessen direkt in den offenen Mund fliegen, so sehr fühlt er sich bedroht von dieser Vielzahl und somit Überpräsenz dieser fliegenden Kleinstviecher und deren als völlig unangebracht empfundenem Kreisen hier. Aber es ist wieder einmal nur eine fixe Idee, mit Liebe gemacht, aus Angst. Draußen hat es stark zu regnen begonnen, ein Hubschrauber ist in regelmäßigen Abständen zu hören. Drüben, am anderen Ufer des Flusses, wollen ein paar Tausend Türken die Todesstrafe wieder haben, aber nicht für sich selbst, sondern damit man sie ein paar anderen geben kann.
Vor einer Stunde etwa, ich saß in einem Café und aß ein Stück Schoko-Kirschkuchen, las ich noch im Magazin SPIEGEL, Nummer 30, die schön dicke Überschriftenfrage, ob denn das Jahr 2016 vielleicht das schlimmste des 21. Jahrhunderts sei, also man scheint sich da bereits festlegen zu wollen, für eine sog. Zwischenbilanz, die aus der Ferne nähergeholt, wie Obsession aussah, als schwarzer Buchstabe auf weißem Grund. Es bleiben doch noch, ja wie, VIERUNDACHTZIG weitere Jahre – potenziell hochzeitsfähig schlimm und …
Ein paar Andere einer wiederum anderen politischen Neigungsgruppe sind ein paar Hundert Meter entfernt jedoch zu besoffen um noch zu protestmarschieren. Müde kucken sie ein letztes Mal starr in die schwarzen gläsernen Augen der supermodernen, dunkelblauen Wasserwerf-Fahrzeuge der Rheinland-Pfälzischen Polizei. Des Morgens noch hatte ich diese, auf einem Pressefoto – wunderschön – über die Deutzer Brücke Richtung Innenstadt im Verbund hingesteuert, gesehen. Aus dem Feuilleton-Teil einer gut zwei Wochen alten Frankfurter Allgemeinen Zeitung baut sich der Typ, der eben noch Eis aß, jetzt eine Mordwaffe für Fliegen und Mücken.