Eine große Hochzeitsgesellschaft. Gut 200 Menschen, dem Brautpaar verbunden durch Verwandtschaften, Kollegien, Freundschaften, Sprachen. An diesem Abend werden Reden gehalten in Farsi, in Französisch, in Englisch, in Deutsch, keine Rede ist zu lang, dafür sind sie alle persönlich, direkt, zart und liebevoll und voller Achtung für den, dem es gilt und dem, der zuhört, und es bedarf eben keiner Tränen, denn jeder im Saal versteht – ob des Farsi oder des Französischen mächtig oder nicht – was das Thema des Abends ist: Love. In jedem Gesicht an diesem Abend sieht man, was man auch aus diesem Gesicht zurückbekommt: Sympathie, Zivilisation, ein sanftes Zugehen auf den jeweils anderen, ein Zunicken, ein leichtes Berühren beim Aneinandervorbeigehen zum Rauchen. Jeder dieser Menschen hat einen Zugriff auf diese Feier, und obwohl die Tischkarten eine große geografische Spanne ausweisen – London, Baku, Mashhad, Teheran, New York, Porz am Rhein – sind sich diese Leute nah, wenn sie alle zur iranischen Musik tanzen, und sich locker machen, nur für sich selbst, für die Feier selbst, und nicht für sich selbst als Publikum. Ich sehe das alles und mache mir für ein paar Stunden überhaupt keine Sorgen um: die Menschen und all ihre Formen der Schönheit.
