• Sonntag, 24. Juli 2016

    Eine große Hochzeitsgesellschaft. Gut 200 Menschen, dem Brautpaar verbunden durch Verwandtschaften, Kollegien, Freundschaften, Sprachen. An diesem Abend werden Reden gehalten in Farsi, in Französisch, in Englisch, in Deutsch, keine Rede ist zu lang, dafür sind sie alle persönlich, direkt, zart und liebevoll und voller Achtung für den, dem es gilt und dem, der zuhört, und es bedarf eben keiner Tränen, denn jeder im Saal versteht – ob des Farsi oder des Französischen mächtig oder nicht – was das Thema des Abends ist: Love. In jedem Gesicht an diesem Abend sieht man, was man auch aus diesem Gesicht zurückbekommt: Sympathie, Zivilisation, ein sanftes Zugehen auf den jeweils anderen, ein Zunicken, ein leichtes Berühren beim Aneinandervorbeigehen zum Rauchen. Jeder dieser Menschen hat einen Zugriff auf diese Feier, und obwohl die Tischkarten eine große geografische Spanne ausweisen – London, Baku, Mashhad, Teheran, New York, Porz am Rhein – sind sich diese Leute nah, wenn sie alle zur iranischen Musik tanzen, und sich locker machen, nur für sich selbst, für die Feier selbst, und nicht für sich selbst als Publikum. Ich sehe das alles und mache mir für ein paar Stunden überhaupt keine Sorgen um: die Menschen und all ihre Formen der Schönheit.

  • Freitag, 22. Juli 2016

    Es hatte sich gestern Abend, als ich mit Lukas – mit dem ich zuvor länger bei mir im sog. Wohnzimmer auf den blauen Sesseln gesessen hatte es ging um Kunst und Betrieb – das Haus Richtung Rewe verließ, deutlich abgekühlt, was unmittelbar erleichternd war. Auf dem Rückweg haute ein Säufer mit Sommerhütchen scheinbar wütend wiederholt auf das Blechdach eines Stromkastens und machte ordentlich Lärm. Mehr wird von vielen Menschen im Leben nicht mehr kommen, nur noch stumpfer Lärm.

    Auf der Fensterbank, komplett tot: Basilikum und Minze, auch hängen extrem schlaff hernieder im Blumenkasten: Spinat und das andere Zeug. Wird meine Mitbewohnerin mit mir schimpfen? 

    Auf dem Stapel im sog. Wohnzimmer oben auf: der wunderschöne soft-cover Katalog mit den Zeichnungen von William Crawford (Ampersand Editions, 2015, Portland). Man fand diese Zeichnungen in den späten 90er Jahren in einem Haus in Oakland, Kalifornien, nahezu alle waren rückseitig auf Dokumente aus verschiedenen Vollzugsanstalten und Gefängnissen gemacht, in denen Crawford eingesessen haben muß, wahrscheinlich reichen sie bis in die 80er Jahre zurück. Die wollüstige Detail- bzw. Lochversessenheit macht die Bleistiftzeichnungen nur vordergündig hardcore. In Wahrheit sind sie: zärtlich, verträumt, URGENT

  • Donnerstag, 21. Juli 2016

    Unruhiges Schlafen bei dieser Wärme. Heute letzter Transport aus Düsseldorf zurück. Gestern morgen, im Zug, schwor ich mir: ab Oktober für Jahre nichts mehr unter IC. Wird nicht klappen. Menschen, die zum Flughafen fahren, sich im Zug – als Urlauber – verbrüdern, weil Mangel an Stauraum. Immer gratis dazu: Gemecker über die Deutsche Bahn. Nicht zu ertragen. Francesca Woodman: Suizid mit 21.