Ja, es ist kaum zu fassen, oder:
Man glaubt es nicht –
aber die Realität bietet hier einen schönen Entwurf an: Ex-Kunstberater Helge Achenbach aus Düsseldorf am Rhein, der sechs Jahre im Gefängnis wegen Betrugs (mit Kunst) abzusitzen und ein bisschen Schulden hat, heißt Millionen Komma zweistellig, malt jetzt, im “Knast” (flapsig) gab es einen Kurs “Malen und Zeichnen”, da hat er gleich ein Alpenpanorama gemalt, quadratisch im Format, Titel: Spirit Of Freedom – da hätt’s mich gestern beinahe hysterisch aus dem Bettchen gekugelt. Große Freude also, kurze Zeit später setzt Cristiano Ronaldo einen Elfmeter kuhäugig an den Pfosten, den man in Österreich “Stange” nennt.
Das erste Werk also, mit dem Achenbach (64), den Freunde schlicht Helge nennen, in die Öffentlichkeit geht, und es wird direkt veräußert, für einen guten Zweck natürlich, und “da das Erstlingswerk nicht mit Profitabsicht auf den Markt gekommen sei, sondern für einen guten Zweck, spiele der Schätzpreis eine untergeordnete Rolle”, so berichtet Express.de, die ernst zu nehmende Nachrichtenquelle, wenn man schnelle Medien mag mit einer Art Beachvolleyball-Approach zur Weltlage. Ergebnis der Auktion: 1300 Euro. Das ist für eine Leinwand in dem Format 140 mal 141 cm ein okayer Preis, in einem Artikel der Kölnischen Rundschau erfahre ich, daß es sich um ein Acrylbild handelt, da man, so erschließe ich mir das jetzt, im Gefängnis nicht mit Ölfarben malen darf, ob all der Brandherde (leicht entzündbare Lösungsmittel) etc.
Auch ich könnte, sollte ich jemals im Gefängnis landen, dort einfach weitermalen, meinen kompletten Sinn-Apparat einfach mitnehmen. Es sollte vielleicht kein indonesisches Gefängnis sein. Ab heute also schrecke ich auch vor Mord nicht mehr zurück. Mein Erstlingsmord wäre freilich auch für den guten Zweck. Ende der Überlegungen für diesen Sonntagmorgen.
Lektüren: Melissa Broder “So Sad Today”, Musa Mayer “Night Studio”, Kittler “Baggersee”, aber wo ist mein Japan-Buch von Lévi-Strauss?

Darstellung der Sei Shōnagon, von Kikugawa Eizan, 1811