• Sonntag, 19. Juni 2016

    Ja, es ist kaum zu fassen, oder:

    Man glaubt es nicht – 

    aber die Realität bietet hier einen schönen Entwurf an: Ex-Kunstberater Helge Achenbach aus Düsseldorf am Rhein, der sechs Jahre im Gefängnis wegen Betrugs (mit Kunst) abzusitzen und ein bisschen Schulden hat, heißt Millionen Komma zweistellig, malt jetzt, im “Knast” (flapsig) gab es einen Kurs “Malen und Zeichnen”, da hat er gleich ein Alpenpanorama gemalt, quadratisch im Format, Titel: Spirit Of Freedom – da hätt’s mich gestern beinahe hysterisch aus dem Bettchen gekugelt. Große Freude also, kurze Zeit später setzt Cristiano Ronaldo einen Elfmeter kuhäugig an den Pfosten, den man in Österreich “Stange” nennt. 

    Das erste Werk also, mit dem Achenbach (64), den Freunde schlicht Helge nennen, in die Öffentlichkeit geht, und es wird direkt veräußert, für einen guten Zweck natürlich, und “da das Erstlingswerk nicht mit Profitabsicht auf den Markt gekommen sei, sondern für einen guten Zweck, spiele der Schätzpreis eine untergeordnete Rolle”, so berichtet Express.de, die ernst zu nehmende Nachrichtenquelle, wenn man schnelle Medien mag mit einer Art Beachvolleyball-Approach zur Weltlage. Ergebnis der Auktion: 1300 Euro. Das ist für eine Leinwand in dem Format 140 mal 141 cm ein okayer Preis, in einem Artikel der Kölnischen Rundschau erfahre ich, daß es sich um ein Acrylbild handelt, da man, so erschließe ich mir das jetzt, im Gefängnis nicht mit Ölfarben malen darf, ob all der Brandherde (leicht entzündbare Lösungsmittel) etc. 

    Auch ich könnte, sollte ich jemals im Gefängnis landen, dort einfach weitermalen, meinen kompletten Sinn-Apparat einfach mitnehmen. Es sollte vielleicht kein indonesisches Gefängnis sein. Ab heute also schrecke ich auch vor Mord nicht mehr zurück. Mein Erstlingsmord wäre freilich auch für den guten Zweck. Ende der Überlegungen für diesen Sonntagmorgen.

    Lektüren: Melissa Broder “So Sad Today”, Musa Mayer “Night Studio”, Kittler “Baggersee”, aber wo ist mein Japan-Buch von Lévi-Strauss?

    Darstellung der Sei Shōnagon, von Kikugawa Eizan, 1811

  • Freitag, 17. Juni 2016

    fragments from the Mündlichkeit: Und in diesen Tagen wird, nach der neuerlichen Erinnerung daran, was ein einzelner Wahnsinniger an Schaden anrichten kann, die Vorstellung von der Kraft der Liebe beschworen, als einzig verbliebene Hoffnung eines gefühlsbasierten Überblicks über A l l e s – aber ich kann mir nicht helfen: es klingt paradigmatisch verzweifelt – und die Liebe ist eben nicht für alle eine Hoffnung, sondern eben auch die Bombe, die einen in tausend Stücke reißt. 

    Ein grauer und schwerer Vorhang hängt über dem Tag, die Dunkelheit des Morgens ist für die Augen, die wach werden wollen und Licht suchen, mindestens buzzing. Gestern viel Auto gefahren, unfassbar schönes Gefühl, in dieser fahrenden Kapsel sitzen und sich daran freuen, wie leicht es von der Hand geht, das Steuern eines Automobils über präparierte Wege, durch eine Stadt, zu einem Punkt hin, und wie automatisiert es nach all den Jahren ist. Einmal, an einer roten Ampel, musste ich fast lachen, wie sehr ich mich nicht aufs Fahren konzentrieren muss, wie entkoppelt ich als Fahrer über alles nachdenke, aber eben nicht ans: Fahren; und dennoch sieht und spürt man den Verkehr, mit einem drin und neben einem her. Jetzt aber genug geschrieben, jetzt zurück zum Nachdenken. Shit. Deswegen: feel good hit for deutscher Sommer:

    https://www.youtube.com/watch?v=dYL3o6hHzJo&index=3&list=PLOkIyYNaubNolg5jvCEM-YNse1Ot7N9iI

  • Dienstag, 14. Juni 2016

    “Failure is the norm in show business”

    In unregelmäßigen Abständen lässt das vorüberziehende Wolkenmassiv ein Loch, dann fällt Sonne auf die Baumkronen und es leuchtet Gelbgrün vor einem steingrauen Hintergrund. Sehr früh am Morgen war ich das erste Mal aufgewacht, aber das Geräusch von stetig auf den Asphalt und die Eschen fallenden Regen schickte mich umgehend zurück in einen leichten Schlaf. Um halb Neun weckt mich das Telefon, und beim Übergang in die Wachheit die Erinnerung an die letzte Frau, die nackt neben mir lag: bis zur Schulter warm, und die unbedeckte Schulter kalt.

    Den Bachmannpreis habe ich fast vergessen dieses Jahr. Bin da raus, so das Ergebnis meiner jetzigen Selbstbefragung. Die Autorin Stefanie Sargnagel geborene Sprengnagel wurde gleich von zwei Juroren gefragt, ob sie nicht lesen mag im Jahr 2016, steht auf der offiziellen Seite der TddL 2016. Ich sehe mir ein Video von Vice.tv an, in welchem sie vor einem Laptop sitzt und erzählt, wie die Leute reagiert haben auf ihren Artikel des Besuchs einer FPÖ-Veranstaltung. Ich bin immer noch müde, merke ich.