• Samstag, 28. Mai 2016

    “The Brothers Grimsby” ist, entgegen der Mehrheit der herablassenden Kritiken, ein kurzweiliger, ultravulgärer und infantiler Spaß, der mehr Originalität und Attitude enthält, als ein tausendjährig, direkt in Volkes Gesicht gekotzter Kraftmix aus der Deutschen liebsten hypertonischen Satiregrenzfalldebatten jemals enthalten könnte. Dickes Plus: keine Hart Aber Fair Sondersendung muss dutzendfach ins Land gesendet werden, Wolfgang Bosbach darf zuhause bleiben, keine ZDF-Kreatur aus dem Bereich “Kleinkunst” muss vom Pott gezerrt werden, um in atemberaubend schlichten Sätzen Grenzfälle des FBI zu erklären, wo der vermeintlich universelle Deutsche in seinem Komik-Kleingarten den Zaun gezogen hat.

    Thema Tiere: die Frau mit dem dicken Schwein an der Leine, die ich vor ein paar Wochen am Infoschalter der Kölner Verkehrsbetriebe am Neumarkt gesehen hatte, ist eine stadtbekannte Straßenmusikerin. Das erfahre ich jetzt, 9:04 Uhr, auf express.de, und das Ordnungsamt der Stadt Köln möchte der Frau nicht nur das Mitführen des Minnesota-Minischweins Amanda in den öffentlichen Verkehrsmitteln untersagen, sondern ihr auch das Halterecht entziehen, da eine artgerechte Haltung durch die Halterin nicht gegeben sei. Dem schweingegebenen Impuls, sich im Schlamm suhlen zu wollen, könne Amanda nicht nachkommen, außerdem bestehe Seuchengefahr etc. Amanda bildet ein Attraktions-Duo mit einem kleinen weißen Hund, der Fluffy heißt. 

    Manchmal weine ich, weil ich die Zärtlichkeit einer Frau vermisse. Das ist alles für heute. 

  • Freitag, 27. Mai 2016

    Jutta Speidel (62) sagt, ein One-Night-Stand müsse “gut gemacht sein”. Ob sie damit meint, der Typ müsse gut “gemacht” sein oder der ganze zweckgebundene Abend müsse “gut gemacht” sein, sagt sie nicht. Isa Genzken (67) sagt, dass Gerhard Richter nicht lange brauche, um Pilze im Wald zu finden, und David Hammons (73) wiederum sagt, Miles Davis habe gesagt, “Jazz” sei nur ein anderes Wort für “Nigger”, und bei alldem ist es manchmal schwer, sich mit dem zu beschäftigen, was man selbst gesagt hat, oder noch sagen kann. Tage gibt es, das sage ich fast nichts, zu niemandem, höchstens ein Gruß, vielleicht zu einem Hund auf der anderen Straßenseite, gestern war das so, ich grüßte einen Hund, und der, bildete ich mir ein, nickte kurz zurückgrüßend mit dem Köpfchen, so, wie sich zwei Busfahrer grüßen, in zwei entgegenkommenden Bussen. Ein fließendes Grüßen, das den Betrieb nicht unterbricht, sondern den Gruß zum Teil dessen macht. Hin und wieder wurde mir per Kurzmitteilungsdienst die Verachtung derer angetragen, die es mir übel nahmen, dass ich am Feiertag im Atelier arbeitete und nicht Bier soff in der Sonne. Spät am Nachmittag aß ich einen Salat bei dem kleinen marrokanischen Laden, den ich schon jetzt sehr mag. Möhren, Rote Beete, Erbsen, Gurken, Tomaten, Koriander, Zitrone – Gott lohne die maghrebinische Klarheit. 

    Die obersten Blätter von Codiaeum variegata sind lichtbeschienen fast bananengelb, das wenige, fleckige Grün wirkt wie draufgesprayed, die anderen Blätter darunter sehen aus wie große Mangoldblätter, die hohen Eschen in der Straße stehen voll in Blüte.

  • Donnerstag, 26. Mai 2016

    “Pistol” und “Boo” heißen die kleinen Hunde von Amber Heard und Johnny Depp, die sie nicht angemeldet hatten, bevor sie, Amber und Johnny, nach Australien gereist sind, derentwegen die australische Bürokratie, der australische Premierminister Barnaby Joyce persönlich, mit der Euthanasierung der Hündchen drohte, wozu es nicht kam, denn irgendwas wurde geregelt, wird ja immer geregelt, und es gab dieses Video, in dem sich Amber und Johnny entschuldigen, aber jetzt, jetzt wollen sie sich scheiden lassen, also Amber und Johnny. “Boo” heisst auch die kleine Hündin des amerikanischen Künstlers Raymond Pettibon, ein belgischer Zwerggriffon, also der Hund, nicht Pettibon, er hat sie schon oft gezeichnet, mit den Strähnen im Gesicht und dem kleinen Überbiss, ein puscheliger Hund, den Pettibon manchmal auch “Boo-Boo”, “B” oder “Lil B” nennt, nach dem Rapper. Pettibon hatte schon immer Hunde, in der Kindheit, Jugend, danach – einen Hund nannte er nach einem Rennpferd, er fand ihn im Müll, er nahm ihn auf und sie gingen sofort eine Bindung ein (Pettibon: “I picked him up and he pissed all over me”). Der nächste Hund hieß “Ohne Titel”, auf Deutsch, den Namen hatte Pettibon’s Galerist in L.A. ausgesucht, und immer zeichnete er auch Porträts der Hunde, manchmal mit den Hundehaaren selbst, die er vom Atelierboden aufgesammelt hatte und in seiner Faust zu einem Büschel zusammenhielt, ephemere Pinsel, sozusagen. Pettibon’s Sohn wiederum heißt “Bo”, wie der Hund des amerikanischen Präsidenten, Barack Obama, ein portugiesischer Wasserhund, der Hund, nicht der Präsident.