Seit Wochen klebt der breiige Kadaver eines Silberfischchens an der Wand, direkt hier, ca. 50 cm neben dem Monitor, auf dem der Text zu sehen ist, den ich gerade schreibe. Ich hatte das Tierchen, dessen Geschlecht ich nicht kenne, mit meinen zerschlissenen Alpargatas plattgeklatscht, also mit einem Schuh, man haut doch nicht mit einem Paar Schuhe auf ein Insekt ein?
Die Alpargatas sind seit zehn Jahren in meinem Besitz. Ich glaube, ich habe sie seiner Zeit in Katalonien gekauft, August 2006. Vier Wochen verbrachte ich in einem Bergdorf mit dem Namen Ballestar. Mit dem Auto jedes mal Todesangst, die kurvigen und extrem schmalhüftigen Serpentinen hoch, Dutzende Male sah ich uns schon die Abhänge runterstürzen, unten, im duftenden Schatten von Pinien unsere breiigen Kadaver, plattgeklatscht von der allmächtigen Lenkerin’ Schnürchensandalen, die kein Zalando je liefert. Tagsüber sephardische Musik oder Ricardo Villalobos und ewiger Kaffeedurst, die Landschaft entweder sienabraun oder dunkelgrün. Olivenhaine. Entonces…
Abends war es dort so still, daß man meinen konnte, die Stille saugt einem selbst noch Restgeräusche ab, um sie, wie eine Dampfwalze, einzuebnen in die Bergstille. Morgens wehten matte und extrem weiche Glocken aus dem Tal, Ziegen, Rinder.
Warum klebt das Silberfischchen immer noch da? Ich weiß es nicht.