• Donnerstag, 21. Januar 2016

    Ein neuer Morgen, unweigerlich Bestandteil eines neuen Tages – schon in den ersten sechzig Minuten, an denen ich wach teilnehme, macht der Himmel ein ganzes Leben durch, jetzt zieht es auf, Brokatvorhänge öffnen sich, ich kann sogar einen gelblichen Schimmer auf den Bäuchen der Wolken sehen. Vögel jetzt dort, wo es eben noch Grau abstrahlte wie in einem Traum aus Waschbeton, in meinen Händen ein Themenheft: Los Angeles.

    Dann schiebt sich Privattrivialität in die Zartheit all dessen. Das ist nie zu verhindern. Man muss vorbereitet sein. Bis 9 Uhr ist es noch ruhig in diesem Haus, in dem vor allem ganz normal Verkommene wohnen. Und ich. Dann wird oben auch schon gestaubsaugt zum ersten Mal. Im Laufe des Tages wird es sicherlich fünf bis zehn Mal passieren, bis in die Nacht wenn es sein muss, 2 oder 3 Uhr: absolut möglich, jeden Tag; dass die innere Leere manche ausgerechnet zum vacuum cleaning treibt…

    Gegen Materialfülle kann ich mich kaum wehren. Sich mit unglaublicher Lust und Freude in den Widerspruch zu anderen werfen: Freude! Ein eigenes Leben! Und der Satz muss auch anders heißen, aber dasselbe meinen, dann ist das Subjekt im Satz egal, weil es das Subjekt in der Idee neu herausstellt: Vertrauen. Hier ist meine Version – Danke Berlin – Ihr wart fantastisch: “Und ausgerechnet ihr hatte er voller Vertrauen und Liebe in den Mund gepisst.”

  • Sonntag, 17. Januar 2016

    Jetzt denke ich es selbst schon: “noch einmal” – als sei es das letzte Mal… Aber brauche ich es, brauch ich das so “nothwendig, wie der Töpfer den Leimen”, wie Hölderlin an Ludwig Neuffer schreibt, 1798. Es ist die unglaubliche Langsamkeit des Vorteils kaum zu ertragen, der den Dingen “abzugewinnen” sei, die auf einen zerstörend wirken – und da schleppt er sich jetzt den Hügel hoch. 

    Früher früher früher waren die Zähne, alle Zähne der japanischen Dame schwarz, und musste sie lächeln, dann hielt sie sich die flache Hand vor den Mund. Es galt die Auffassung, daß strahlend weiße Zähne in einer unguten ästhetischen Relation zum Dunkel der Mundhöhle stehen, sozusagen in Gegnerschaft treten mit dem puderweißen Schein des Gesichts. 

    Das Mißlingen eines Gesprächs, grade unter Menschen, die sich viel sagen möchten, entzieht dem größten Saal den Sauerstoff.

  • Montag, 11. Januar 2016

    Gestern Abend, Sonntagabend, ich hatte schon einen Text in diese Maske geschrieben, etwas runtergeschrieben, fünf Mal mindestens gelesen, gezögert, gelesen, gelöscht. Während ich den Text schrieb, den ich löschte, fanden sich in der Kölner Innenstadt Gruppen von “Rockern, Hooligans und Türstehern” zusammen, um jungen Männern, die für sie wie “Nordafrikaner” aussahen, in die Fressen zu hauen, die deutsche Frau zu rächen. Es waren zehn Tage vergangen seit dem 31. Dezember 2015.

    Am 11. Januar des Jahres 2016 liest man in der Zeitung, dass im Deutschland des Jahres 2016 Gruppen von Menschen (Männer) im Sinne einer frontier justice durch die Innenstadt ziehen, um dem für sie nordafrikanisch aussehenden Ausländer zu zeigen, dass sein Handeln an deutschen Handwurzelknochen sein Ende findet.

    Vielleicht starb auch, während ich den Text schrieb, den ich löschte, David Bowie in einem, seinem Bett, 69 Jahre alt, Krebs, noch am Samstag sagte ich zu einem: müsste man nur eine Bowie Platte haben, wäre es “Hunky Dory” für mich, und es ist die eine Platte, die ich habe. I’m closer to the Golden Dawn –
    Immersed in Crowley’s uniform – Of imagery – I’m living in a silent film -Portraying – Himmler’s sacred realm – Of dream reality… es sprach zu Ihnen: der 14. Juli 1971. Jetzt ist es 12:40 Uhr, und es reicht.