Gestern: ein brauner Hund, der an einem Haufen leckt, der eine Farbe hat, fast wie die des Hundes, kann das sein?
Gestern: ein brauner Hund, der an einem Haufen leckt, der eine Farbe hat, fast wie die des Hundes, kann das sein?
Kaum erwacht, restmüde und nett wirr ins Halbdunkle eines Zustands entlassen, der sich fragend gibt: ob das jetzt heute eine Art Beginn wird oder eher ein Ende, so wie es einen durch den Tag bringt, oder eben auch nicht bringt, sondern an die Klippe des Erträglichen drängt; unten schäumt der Ozean oder was? – Mittendrinsein, geht das verloren?
Roter, von Wintersonne beschienener Backstein vor weißblauem Himmel, sieht brutal gut aus, cobalt blue: your aim is true
Ein Badezimmer, in das man sich einsperren kann –
brauch ich nicht. Hab ich nicht gebraucht. Werde ich nicht brauchen. Vor gut sechs Jahren, die viel weiter weg liegen als die Zahl packen kann, gab es Streit, hatten wir Streit, meine Freundin und ich, voll unter Flagge einer Nervosität und hysterischen Unruhe, die einen in ein losgelassenes Objekt verwandelt, rotierend dem Bezugssystem Wahnsinn sehr nahe, das strahlte so ultrahell von ihr auf mich herüber, sie zog mich sofort zu ihr herunter damit, und in dem Moment wusste ich das auch, was es noch schlimmer machte. Meine geliebte Klarheit, die ich auch dann haben wollte, wenn ich in die Turbinen sprang: weg, längst, niedergewalzt mit Tränen und der Frage: was muss ich jetzt tun, was wird von mir erwartet. Unmöglich sich an Details zu erinnern, wenn sich Gegenwart bloß stellt…. Dann: einsperren im Bad, unfassbar träge und viele Minuten, Grundsteinlegung Hautkrankheit (die auch wirklich kam, haha). Dann, tatsächlich, hatte sie formuliert, was ich zuerst glaubte, mir selbst falsch zusammengehört zu haben: ich tue mir was an, ich bring mich um –
(Und hier kann ich mich nicht genauer erinnern, was der EXAKTE Wortlaut war, das wäre jetzt wichtig, ich will nichts nach meinem Sprachgebrauch hin zurechtneigen, fucking Chronistenpflicht (oder was), ich weiß nicht mehr, ob sie gesagt hatte “werde mir was antun”, “will ich nicht mehr leben” oder, ganz anders: was heisst hier ganz anders?)
Zu diesem Zeitpunkt – diese Drohung erreichte mich durchs Handy, das ich mir ans Ohr hielt, während ich im Auto saß und aus der Wohnung abgehauen war, aus der viereckigen Box, in der jetzt der Wahnsinn seine Paraden abhielt – das Auto war komischerweise rot, Feuerwehr, aber in die andere Richtung… das unumgängliche Schuldszenario hatte mich umdrehen lassen, ich parkte das Auto, die berühmten “unendlich langen” Sekunden, rot ist das Auto, rot ist das Auto, aufschließen Haustür, unendlich lang, aufschließen Wohnungstür, kein klarer Gedanke hatte eine Chance, ein einziges Aufbranden aus Angst und Befürchtung und in Sekunden denkt man Jahre im Voraus und: altert.
Nichts, was damals angedroht wurde, passierte. Wenige Wochen später trennte ich mich, trennten wir uns. Ich brachte sie zum Zug, dann lächelte sie, und der Zug fuhr los und sie wurde immer weniger und dann war sie, für mich nicht mehr zu sehen, weg. Das war Ende 2009. Sechs Jahre. Manchmal, so wie jetzt, denke ich daran, und die Frage bleibt: wie kann ich nur manchmal?
Niklas Luhmann sagte: “Die Gegenwart – das kann man als eine Glücksutopie annehmen. Dann braucht man nicht darüber nachzudenken, was von der Vergangenheit gerettet werden muss, was relevant ist, was ich aufgeben kann. Man braucht nicht entscheiden, man kann nicht entscheiden.”