• Sonntag, 25. Oktober 2015

    Im Wissen, vor wenigen Minuten ein paar Stücke eines Apfelkuchens gegessen zu haben, der bereits schimmelte in den kleinen goldbraunen Mulden der Oberfläche, in denen die Apfelstücke hineingesackt waren, trinke ich einen Kaffee hinterher, denke an den Kontrast, den die kleinen, fast türkisfarbenen Flecken mit den flauschigen, fein ausfransenden weißen Rändern zum Kuchen bildeten, und ich das dennoch erst hinterher gesehen habe – jedes Stück auf dem Teller war befallen – aber von Ekel zu sprechen, wäre gelogen. Schuld ist das scheiß deutsche Licht, bin ich sicher, als neben mir eine Rose ein Blatt verliert und mit einem Geräusch auf den Boden der Wohnung meiner Eltern fällt, das verlässlich beschissene deutsche Licht eines Oktoberendes, entmutigend und im Ausschnitt des Fenster rechts von mir, sieht es aus wie eine weltumfassende Rigipsplatte, die man hinter das Dach des Nachbarhauses geschoben hat, ein Himmel, der das Anthrazitgrau der Dachziegel zur leuchtenden Farbe macht. 

    Bevor all das passierte, überkam mich auf dem Weg zur elterlichen Wohnung wieder dieses Gefühl von Erleichterung. Erleichtert darüber, aus der Innenstadt weg zu sein, raus zu sein, diese unglaublich leise, wie abgedämpft wirkende Sphäre der Vorstadt, minutenlang keine Autos, und wenn eines zu hören ist, ist da dieses schmatzende und rätselhaft angenehme Geräusch eines Autos, das in gemäßigtem Tempo durch eine Pfütze fährt. Natürlich war es vor über zehn Jahren genau dieses “Abgedämpfte”, das einen, das mich herausjagte aus der Gegend, Ruhe ist der Tod usw, aber heute, hier, bin ich guter Dinge.

  • Dienstag, 20. Oktober 2015

    I did turn to look back…. und das vielleicht die ganze Zeit, mich umdrehen nach der eigenen Naivität und den Fehlern der anderen, was auf’s selbe rauskommt. 

    Wenn es still ist am Tag und in der Nacht, kann ich keinen Frieden mit mir machen, “Protestantenscheiße” sag ich gegenüber Freunden, und was das bedeutet, wissen dann überraschend viele, zumindest denke ich das, wenn sie daraufhin nichts sagen. Obwohl ich Mathematik abwählen durfte nach der Stufe zehn oder elf, und es KANN sein, dass ich nur deswegen Bio-LK gewählt hatte (oder aber die nicht grade altersuntypische Empfänglichkeit für die Tatsache, dass mit Bianca und Katrin und Victoria drei großtittige und ansehnliche Mädchen im Kurs waren), sind unmögliche Rechenaufgaben mein Ding geworden. Wenn es eine Askese ist, in der ich lebe, dann weiß ich, woher mein Hunger kommt, aber ich suche – nach wie vor – die Fähigkeit, mich selbst zu bekochen. 

  • Sonntag, 18. Oktober 2015

    Und Stunden später finde ich immer noch keine Kermani-Rede aus der Paulskirche auf Youtube? Nein, aber ich finde sie in der mediathek des ZDF, 104 mins, vielleicht lieber das als “The Martian” mit Matt Damon, in 3D, das, so sagte man mir, im Kino um die Ecke fahl wirke, weil es weniger leistungsfähige Beamer einsetze. Überprüfen will ich das nicht, mich wundert es sogar, dass ich es bis hierhin noch nicht vergessen habe. 

    Heinrich Riethmüller, so viel habe ich bereits in einem Clip sehen können, spricht von einer Welt aus den Fugen und ich kann nicht umhin, diese auf die ganze Welt bezogene Aussage einzuschrumpfen und sie mir gefügig zu machen für meine kleine Scheißwelt, für das Verhalten von Menschen, die ich zu kennen glaubte meinte hoffte vielleicht sogar liebte, was weiß ich schon, naja, eigentlich ja viel. Wütend schreite ich nicht voran, aber ich gehe, und in Zukunft auch weniger geduckt. Die Lücke ersetzt wahrhaftig viel, ich bin gespannt, was die nächsten Tage bringen. Vielleicht Klarheit. 

    Wetter: Sonne bis 16 Uhr, 11 Grad