• dienstag, 14.11.2023

    IT WAS ALL WHIRLWIND, FLESH AND HOSPITALS

    Windhosen-Icon, Wetter.de, zeigt jetzt an 27 Km/h, gestern Abend 57 km/h. Mehr noch als die Zahlen erzeugt das Geräusch, ein Schäumen und Anschwellen, wie die unruhige See, und man schwimmt mittendrin, in seinem Bett, mit dem ganzen Haus. Ich mochte das immer schon, zu wissen, dass die Grenze so nah verläuft an mir, nur die Wand zwischen mir und dem Sturm gestern Nacht, und pathetischerweise (?) verbinde ich das auch ganz direkt mit dem Schreiben. Es gibt da diese eine ganz konkrete Erinnerung, ich sitze in Deutz in einem Cafe, draussen, unter einem großen Schirm, und es beginnt abzuregnen, nur ein paar Zentimeter trennen mich von dem Schauer, und ich habe ein Notizbuch vor mir und fange an, genau diesen Gedanken festzuhalten, und ich wusste wahrscheinlich damals schon, dass das bisschen behämmert ist, aber gerade MIT dem Bewusstsein geht man durch etwas Wichtiges hindurch, glaube ich, wird mitgenommen, nimmt sich selbst mit. Das war 2003 oder 2004, und es war vielleicht der Anfang von: ich SCHREIBE jetzt. So ganz offiziell.

    Diese Lindenbäume hier, im Innenhof—ich glaube, es sind Linden—sind jetzt in diesem Gelb-Stadium, das mich extrem anspricht, dieses Gelb meine ich. Glaube, früher war mir Gelb egal, jetzt merke ich, wie mir diese Farbe, speziell dieses Mittnovembergelb der Lindenblätter direkt reingeht ins Auge. Es entzieht sich auch noch meiner Bestimmung: es ist weder eindeutig warm noch kalt, bzw. es trägt sowohl eine Tendenz zu einem kalten, bläulichen Ocker in sich, wie auch das strahlende Warmgelb von blühenden Rapsfeldern, von der hell leuchtenden Jahresmitte. Drag me to both sides.

    Eine neue Form von Grunge wäre eine schöne Sache.

  • freitag, 3.11.2023

    Jetzt doch nochmal ein Morgen mit schrägem Einfall von Sonnenlicht, ein ausgerichtetes Spotlight, direkt auf das grüngelbe Blattwerk der Bäume. Zeigt an, was bald genommen werden soll.
    Die Website der Zeitung zeigt an ein Bild von Tim Cook, dem Apple-CEO, und alles daran ist very 2023 hoch Zehn.
    Bodytheologisch aufwendig konzipierte Fitnessprogramme haben ihn, diesen 60jährigen, in einen von diesen zeittypisch aufgebufften Männern verwandelt, deren jede Bewegung akzentuiert wird von sich aufpumpenden Muskelkissen an den Gelenken, den Beugestellen des Oberkörpers, Rund- und Kugelformen, Ovalen, eine non-subtile Harmonie akzentuierter Muskel- und Gewebepartien. Der erfolgreiche Mann ist eine muskulöse Raumforderung.
    Dieser männliche Körper wölbt sich tiefer hinein in die Wahrnehmung und die Sphäre menschlichen Wirkens, und sendet so seine Ansprüche an Weltfläche.

    Das Apple-Logo, hinter dem CEO, ist auf diesem Foto zu einem biomorphistisch stilisierten Ensemble aus geschwungenen Linien redesignt, dahinter eine Leere, unendlich schwarz. Ein Team von Designern hat sich die Bilder von William Baziotes angeschaut, und zu recht dazu gedacht: what is old will be new again.
    Der Körper des Apfels hat sich aus weiß und blau irisierenden grains zu seiner Apfelform materialisiert, aufmassiert aus einer ständigen Dynamik heraus, und in diesem, einen Moment ist die vermeintlich chaotisch umherirrende Masse farbiger Nano-Partikel zu einem Bild von unglaublicher Klarheit erstarrt: Apple Inc.

  • Dienstag, 31.10.2023

    WELTBETREUUNG

    Sie würde ihre Bilder „mit dem Rücken zur Welt“ machen, meinte Agnes Martin einmal zu Arne Glimcher, der viel Zeit mit dieser Frau verbracht hatte, all the way through, bis zum Schluss, und ich dachte da: das klingt wunderbar, ich wünschte, ich wüsste, was das eigentlich BEDEUTET.
    Sie drehte sich also ab von der Welt, von allem, was der Fall ist, und was sie dort fand, oder zu was sie dort selbst WURDE, war die Möglichkeit des GELINGENS, die Einzige vielleicht.
    Ich glaube aber, die Abkehr von der Welt bedeutet die Einkehr ins Gehirn. Im Falle Martins also in ein schizophrenes Gehirn. Weder der Welt, noch dem Gehirn will man allein die Verwantwortung für das Machen der Wurst geben, oder? Vielleicht ist man einfach nicht krank genug—und irgendwie freut es mich, dass ich jetzt „man“ geschrieben habe statt „Ich“.