SOME DIZZY WHORE, 1804
And who do you think crafted this place anyhow? The loyalist Tories? The floating diplomats?
Gut, dass ich einen großen Friedhof in der Nähe habe. Wenn mir nicht mal mehr das Gewicht eines Meisenknödels in den Sinn kommen will, gehe ich dorthin. Falls er mir einfällt, der Friedhof.
Zwei Dinge: die Italiener mögen es, ihren Toten noch ein kleines Porträt-Foto direkt auf den Grabstein mitzugeben, in ovaler Vignette. Sempre sei nostri cuori. Von einem hellen, pervers rundgeschliffenen Marmorklotz her wird man dann angeschaut. Die „Flachheit“ des Bildes, die e w i g e Flachheit des Bildes wird einem dann schlagartig klar.
Der Friedhof ist wie ein Wald im Wald, ein geheimer Ort.
Die andere Sache: in den großen, bauchigen Drahtkörben, die auf Friedhöfen die Mülleimer für Blumen und Unkraut sind, und deren extravagantes, geräumiges Format das deutsche Din-Norm versaute Hirn naturgemäß leicht erregen muss, liegen vereinzelt Sträuße, zerknickt und wild, die Blüten jedoch noch von starker Farbe, leuchtend. Sie sind die nächste Verwandtschaft an diesem Ort.
Vorbei an zweihundert Jahre altem schwarzen Stein, in den kalkweiße Namenstafel eingelegt sind, zweihundert Jahre alte Fraktur, von Tannennadeln bestreut, braun und trocken.
In einer Allee, die von den hohen, selbst schon greisenhaft gebeugten Tannen in ein unbeschreiblich andersartiges, aber nicht ZU andersartiges Licht getaucht werden, bleibe ich viele Minuten stehen. Obwohl es taghell ist, ist es hier, in dieser Allee, auch dunkel, und die wachsigen Rinden der Bäume, die aus der Nähe wie Pappmaché wirken, haben ein extrem schönes Rotbraun, warm und wie das Leder der schönsten Schuhe.