DAYLIGHT SAVING
Im Internet—diesem noch relativ jungen Teil unserer Welt—gehen in kürzester Zeit tausend Sonnen unter und tausend neue auf.
Am Ebertplatz immer öfter neues, weirdes Personal.
Zu den afrikanischen Dealern—ihre Schichten und Anwesenheiten wechseln nach einem System, dessen Muster ich nach drei Jahren immer noch nicht erkannt, geschweige denn verstanden habe—kommen weitere Figuren, neue periphere Körper, in unklaren Umlaufbahnen, meistens irgendwie drauf und kaputt, unklar am Anfang ob selbst Dealer oder Kunden.
Die zwei, drei von den Jungs, mit denen ich gelegentlich spreche, schütteln den Kopf über diese neuen Gestalten, die sie abwechselnd „crazy“ oder „behindert“ nennen.
Manchen dieser neuen Gestalten kommt bereits Vormittags ein böser, tiefsitzender Rausch aus dem Gesicht, unangenehm offensichtlich, mit dieser ihm eigenen Binarität im Blick, entleert und gefräßig.
Wenn man länger hinschaut, sieht man, wie der Rausch im Inneren wirkt, arbeitet, Bewegungen ausführen, abbrechen lässt, Zeit und Wahrnehmung zerteilt, ein Moment folgt auf keinen Vorherigen. Die ganz eigene Verdauung des Highs, das ständig Hunger und Sättigung selbsterzeugt.
In der Museumsbibliothek, mit zwei Catalogue Raisonné von Ed Ruscha, die frühe Phase, seine beste, 1958-1970. Finde ich eigentlich immer gut: Abbildungen/Faksimiles von Notizbüchern oder, wie hier bei Ruscha, studio-notebooks. Studien und Skizzen lieber nicht in eine Ausstellung packen, künstlich erhöht, sondern so versuchen abzubilden, wie es ihrem Status, ihrer Funktion entspricht.