• sonntag, 1.10.2023

    OKTOBER

    Am Normalofenster, morgens.
    Ruhig, wolkenlos, die Sonne kommt milde, gnädig. Zwei kurze Dunststreifen hängen parallel zueinander, völlig allein und horizontal im Blau, wie Fontana-Cuts.
    Vom Licht her mehr noch Sommer, als es der bereits in der Luft liegende Winter annehmen lässt. Das Schöne am Frühherbst, dieses Zusammentreffen. Eben sah ich die weißen Pfoten einer Katze hinter einem Fenster mit Gaze herumwischen, jetzt dringt dumpf die Musik eines Trommelbatallions herüber, und im nächsten Moment ist sie zerstoben und an ihrer Stelle ist die Düse eines Flugzeugs. Das Trommeln wird mit dem Marathon zusammenhängen, damit beschäftigt sich die Stadt heute. Jetzt dringt auch der Deodorant-Gestank von den Nachbarn durchs Fenster rein, und es wird langsam ein bisschen voll hier.

    Vorgestern und Gestern gedacht, jetzt ist es wieder soweit, ein MacBook stirbt erneut. Ich war sehr gefasst, aber auch etwas nervös (kein Backup) und, scheinbar, nicht ohne Widerstand, denn, obwohl man mir bei Gravis schon den nahen Tod so gut wie prophezeite, wollte ich das nicht akzeptieren und googelte, wieder zuhause angekommen, etwas, das Problem betreffend. Und dann las ich was von einem SMC-Reset, und das probierte ich aus, und, siehe da: GENAU DAS war das Problem? Der Computer unterlässt seitdem alle Zickigkeiten, und ich hatte das Gefühl, meine Idee von Zuversicht wurde belohnt.

  • samstag, 23.9.2023

    WOLKENSTUDIEN

    Ohne wirklich zu wissen, warum, ohne meine Absicht irgendwie selbst klar zu sehen, habe ich jetzt sieben Mal ein Bild gemalt. „Das gleiche Bild“ gemalt, müsste es wahrscheinlich, ganz korrekt, heißen. Dasselbe Motiv, nach immer derselben Vorlage (iPhone Foto, selbst geschossen, vom eigenen Fenster aus). Heraus kommt niemals dasselbe Bild. Wie wir Menschen niemals etwas w i r k l i c h reproduzieren können, selbst wenn wir es wollten. Die Maschine ist ein anderer.
    Gerade interessiert mich ein Bild vor allem dann, wenn es motivisch möglichst unoriginell daherkommt.
    Sei es, weil es ein Motiv ist, dass kunsthistorisch überladen, und somit eigentlich komplett entladen ist, oder, weil es in der jeweiligen Einheit von GEGENWART, im volatilen Wertesystem des Optischen Zeitalters, keinerlei Lobby hat. Ich mag diese Idee: dass Bilder eine Lobby in der Kultur haben, es bestimmte Abbildungs- und Darstellungstrends gibt, die durch ein eigenes—ähnlich dem Prinzip eines Overton-Fensters—empfindliches Einigungssystem bestimmten Werten zugeordnet sind. Eigentlich ein bisschen wie Währung, wie Geld, wie Gold.

    Folgendes kann jetzt mit diesen Bildern passieren: ich mache noch weitere, weil ich meine, dass da noch etwas geht, ich auf irgendwas zuarbeite, das ich jetzt noch nicht in Gänze erkennen kann. Wenn nichts mehr damit geht, habe ich zumindest geübt, habe das Material angewendet und allein darüber wieder einmal die Bestätigung erfahren, wie unendlich toll es ist, mit Ölfarben zu arbeiten, dieses buttrige Zeug hin und her zu manövrieren. Da ich immer mehr glaube, dass Malerei eigentlich hauptsächlich daraus besteht, aus der Auseinandersetzung mit dem MATERIAL der Ölfarbe, und nicht so sehr aus den Ideen oder Motiven usw.
    Warum sollte ein Motiv, oder auch kein Motiv (Abstrakte Malerei), nicht bloß Vorwand sein, um sich endlich wieder in den direkten Kontakt mit den Materialien zu begeben?

  • sonntag, 17.9.2023

    ALL SILENCE WAS TAKEN FOR GRANTED

    There is something about music that is not visionary.
    Das Nichtvisionäre, in Musik und Kunst. Der Irrtum des Voraussehens im Kunstwerk. Find ich ja auch…
    Weiter erzählt Feldman im Interview mit Charles Shere (Juli 1967) von einem dieser verfestigten Kindheitsmomente, der diesen Gedanken über Musik bildlich in sich führt: ganz hinten, im letzten Waggon der Untergrundbahn, in die Haltestelle einfahrend aus dem dunklen Tunnel: getting into the station, in the last moment, by looking backwards. So sei auch Musik für ihn, so Feldman. Denk ich öfter dran jetzt.

    Den Tag im Graben verbracht. Nachts wieder im Granatloch.

    Mit Michigan-Jon in seinem Garagenatelier. Hinter dem in der Late-Late-Sommerbrise schwimmenden Stück Nesseltuch, das wie als Andeutung eines Vorhangs da hängt.

    Die Manhattan Art Review bringt das Tillmans-Problem (das ein Artworld-Problem ist) auf den Punkt: The work still feels like Instagram, i.e. images that seem random but are actually enacting a tightly-delimited mode of variations, and the painfully „playful“ hanging only emphasizes how narrow his apparently liberated parameters are.
    Gibt aber auch Leute, die würden sagen, braucht keine Lösung weil gibt kein Problem.