• Sonntag, 16.7.2023

    KERNKRAFTWERK EXPLODIERT

    Von der Art, wie manche Menschen, an manchen Tagen, sich durch und im Laden bewegen, geht oft ein Maß an überschüssiger Information aus. Unangenehme Information. Wie in kranker Verwandtschaft zur Wissenschaft. Was machen wir jetzt bloß damit.
    Und wie der Laden gleichsam mit seinen weißen Wänden eine kleine Welt der Klarheit und der Handlungen eingrenzt, die Erwartungen zu den Abläufen in eine übersichtliche Anzahl an Modulen übersetzt, führt nochmal dazu, daß scheinbar alles ein wenig konkreter wird, weniger abstrakt, als im freien Raum der Vollöffentlichkeit. Eine absurde Fernsehhaftigkeit tritt ein, mittelmäßige Scripts, abgegriffenes Acting. Ist man selbst etwas zu empfindlich unterwegs, wird das schnell anstrengend, da als Mitinvolvierter. Man wird regelrecht sauer von der Traurigkeit, die diese Vorhersehungen auslösen, und ist dann nochmal extra schockiert von der Statistenrolle, in die sich diese Fremden wie in einem Schicksalsdrama dann TATSÄCHLICH einfügen. Da weiß man aber auch schon, dass mit einem selbst was nicht ganz stimmt. Man fügt sich selbst mit ein, in einer nicht minder bescheuerten Nebenrolle. In Every Dream Home Hour—A Heartache

  • sonntag, 9.7.2023

    NO ID NO BEER

    Im Stahlwerk.
    Die Hitze treibt mich aus der Wohnung, leider auch aus dem Atelier nachmittags. Wohin also?

    Sie haben
    ein Guthaben
    von

    We don’t like what stands in place. We don’t like what is sustainable. We don’t like what is form. Und, ein bisschen später: forms are not opposed to life.
    Finde ich deshalb interessant, weil scheinbar für viele irgendwie gilt:
    Form = Unfreiheit, Form = Nicht-Demokratie, Form = Todbringend. Halte ich für völlig verirrt. Kornbluh verwendet den Begriff der „anarcho-vitalistischen Tendenz“, die mehr oder weniger implizit hat die Annahme, dass nur Formlosigkeit eine Entsprechung für Freiheit sein kann. Sie argumentiert dagegen, und ich stimme, bis hierhin, zu.

    Hier liegt grade ein Rhodesian Ridgeback vor mir. Er hat das kurze und dichte Fell eines Pferdes, und auch den Körperbau. Das sieht man, wenn sich das Licht auf seinen Flanken verfängt, in langen Linien, die wie Flussläufe aussehen.

  • freitag, 7.7.2023

    PIANO AND STRING QUARTET

    Sattestes Ultramarin der Himmel. Völlig flach und eben, keine Wolke, kein Fleck, nichts, ein einziger riesiger Wert an Farbe, und man kann das Rot fast flirren sehen, wenn man tief genug ins Blau schaut.
    Im August-Sander-Park gehe ich vorbei an zwei Dohlen oder Krähen, die im großen Schatten der Fresenius-Wirtschaftsschule zusammen auf den Kadaver eines kleinen Vogels einhacken. Nicht zusammen, ich korrigiere, denn jetzt faucht der eine den anderen an, sein schwarzer Schnabel in der schwarzen Figur weit offen, und ich kann in das dunkelrosane Innere des Vogels sehen.

    Bin auf interessante Texte der Akademikerin Anna Kornbluh gestossen, ich weiß schon gar nicht mehr wie, wie es halt so kommt, wie diese Lachse da, die beim Sprung stromaufwärts in den Fängen der Grizzlies landen, MANCHMAL. Kornbluh ist einerseits Literaturwissenschaftlerin, und andererseits befasst sie sich mit den—zum Teil unfreiwilligen—Allianzen Capitalism, Marxism/Kritische Theorie, Ästhetik (FORM). Super Themen finde ich. Besonders die paar Essays hier, die mit der Idee von Form und Formen von „Realismus“ im Speziellen zu tun haben, will ich mir noch geben, da freu ich mich drauf wie auf die Schokolade Zartbitter/Meersalz.